Streit um einen Küntroper Gartenzaun

+
Nur wenige Meter vom Küntroper Begrüßungsschild entfernt, wurde ein Teil des Zaunes zerstört. Die Eigentümer mussten bereits mehrfach Segmente austauschen.

NEUENRADE -  Ein Haus am Ortseingang von Küntrop. Nicht gerade ruhig gelegen – regelmäßig rauschen 40-Tonner vorbei, vom üblichen Autoverkehr abgesehen – dennoch keine schlechte Wohnlage am Rande des Dorfes, ländlich, mit großem Garten, familienfreundlich. Für die Brüder Tasdemir, die das Haus 2006 erwarben, trübt sich dieser positive Eindruck immer mehr.

Ursache für die Verstimmungen ist ein einfacher Holzzaun, der den Garten zur Bundesstraße 229 abschirmt. Sechs Mal seien in den vergangenen Jahren Zaunsegmente zerstört worden. „Ich musste drei Mal Segmente neu kaufen und drei Mal reparieren, ich will einfach nur Ruhe haben“, sagt Mehmet Ali Tasdemir. „In diesem Haus wohnen acht Kinder, zwischen ein und dreizehn Jahren, der Zaun steht auch, damit die Kleineren nicht auf die Straße laufen.“

Erneut klafft im Zaun eine Bresche. Dass der Zaun auch im neusten Fall nicht irrtümlich, etwa durch ein Autounfall, zerstört wurde, sondern bewusst beschädigt wurde, ist aufgrund fehlender Reifenspuren und des nur partiellen Schadens offensichtlich. Bereits nach Aufstellen des Zauns habe es, nach Aussage Tasdemirs, Beschwerden bei der Verwaltung in Neuenrade gegeben.

Diese sei aber nicht zuständig. Lediglich bei erheblichen Verschmutzungen oder Gefährdungen, etwa wenn Äste auf Gehwege oder Straßen ragen würden, sei eine Verantwortlichkeit gegeben. Das Bauamt könne auch nur handeln, wenn im Bauplan eine bestimmte Grundstücksbegrenzung vorgeschrieben wäre. In allen anderen Fällen gelte das private Nachbarschaftsrecht.

Mehmet Ali Tasdemir hat von Beschwerden gehört, nach denen bemängelt wurde, der Zaun sei schief, oder dass der Zaun nur aus Holz und nicht aus Metall bestehe. Einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und den regelmäßigen Beschädigungen will Mehmet Ali Tasdemir nicht ausschließen.

Nachvollziehen kann er die Beschwerden nicht. Zum einen fehlten ihm nach der Ersteigerung die finanziellen Mittel um einen Zaun nach Wunsch der Beschwerdeführer zu errichten, zum anderen war vor Einzug der Tasdemirs auch kein besserer Zaun vorhanden. „Hier gab es nichts, nur ein paar ungepflegte Bäume“, erklärt Tasdemir. Das Grundstück sei in äußerst schlechtem Zustand gewesen. Überall hätten leere Kanister und Schrott herumgelegen. Tasdemirs räumten auf und entfernten sogar eine Sickergrube.

Gedankt wurde es den neuen Eigentümern des Hauses nicht. Zwei Mal sei das Gebäude mit Eiern beworfen worden, davon ein Mal direkt nach dem Einzug. „Wir waren nur kurz weg, als wir zurück kamen, war die ganze Terrasse mit Eiern verschmutzt“, erinnert sich Tasdemir. Erst mit viel Mühe und Zeit haben die Verunreinigungen entfernt werden können.

Die ursprünglich an der Straße stehenden Bäume mussten nach einem Sturm auf Kosten der Tasdemirs gefällt werden. Äste drohten die nahegelegene Telefonleitung zu beschädigen. An der leeren Grundstücksgrenze stellte Tasdemir den Holzzaun auf, der regelmäßig beschädigt wurde.

„Ich habe keine Lust mehr, alle paar Monate den Zaun zu reparieren – und ich werde ihn nicht mehr reparieren, den lass ich jetzt so“, sagt Mehmet Ali Tasdemir.

Von Sebastian Berndt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare