Strafrechtliches Ende eines Unfalls

Eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro wurde gegen den Angeklagten verhängt.

Affeln/Altena - Manchmal kann ein aufmerksamer Blick mehr ein Menschenleben retten: Das wurde erneut im Amtsgericht Altena deutlich, wo sich ein 52-jähriger Neuenrader wegen fahrlässiger Tötung verantworten musste.

Der Mann war am 1. Oktober mit seinem Lieferwagen von der Altenaffelner Straße nach links in die Weidenstraße abgebogen. Dabei hatte er einen 54-jährigen Mann auf einem Kleinkraftrad übersehen, der ihm entgegenkam und Vorfahrt hatte. Bei dem Zusammenprall erlitt der Kradfahrer schwerste Kopfverletzungen, an denen er drei Tage später starb.

„Ich habe niemanden gesehen“, erinnerte sich der Fahrer des Lieferwagens auf der Anklagebank. „Erst beim Einscheren nach links habe ich eine Person gesehen – da war es schon zu spät.“ Warum übersah der Lasterfahrer den Mopedfahrer? Keiner der Beteiligten war zu schnell unterwegs – eine Mitschuld des Getöteten an dem Unfall schied deshalb völlig aus. Blendete die Sonne den Lieferwagenfahrer im Moment des Abbiegens?

Frage nach dem Warum blieb unbenatwortet

Der Angeklagte erinnerte sich, dass er nach dem Schock und einem Schwächeanfall in der Fahrerkabine gelegen und den Sonnenschutz heruntergeklappt hatte. Doch letztlich blieb die Frage nach dem Warum unbeantwortet. „Ich kann es nicht sagen“, versicherte der Unglücksfahrer.

„Hier haben sich im Prinzip alle an die Straßenverkehrsordnung gehalten“, fasste Staatsanwalt Jörn Esken das „schreckliche Ereignis mit schlimmen Folgen“ zusammen – außer dass der Angeklagte „aus Versehen“ nicht gesehen hatte, dass er die Vorfahrt gewähren musste. Es war ein Unfall, der grundsätzlich jedem Verkehrsteilnehmer hätte passieren können, und doch gab es Anlass, noch einmal zusammenzufassen, wofür das Schöffengericht den zuvor völlig unbescholtenen Angeklagten letztlich mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro bestrafte.

Richter: "Sie hätten den Unfall vermeiden müssen"

„Sie hätten den Unfall vermeiden können und müssen“, sagte Richter Dirk Reckschmidt und wandte sich direkt an die Witwe und weitere Angehörige des Getöteten, die ins Amtsgericht gekommen waren. „Was hier bestraft wird, ist das Maß der Fahrlässigkeit“ – sprich: Weder durch überhöhte Geschwindigkeit, noch durch Alkoholgenuss hatte der Angeklagte das Maß seines Verschuldens über das Alltägliche hinaus gesteigert.

Letztlich blieb es bei jenem kleinen Moment von Unaufmerksamkeit, „wo jemand nicht richtig aufpasst und etwas Schreckliches passiert“.

Von Thomas Krumm

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