Hof Stork: Hier gibt es alles aus einer Hand

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Brigitte Reinken-Stork im Hofladen. ▪

NEUENRADE ▪ Im Hofladen auf dem Hof Stork scheint die Zeit stillzustehen: In verzierten Holzregalen stehen Eierpaletten und Einweckgläser mit Gemüse und Früchten neben Marmelade und Weinflaschen. Idylle ist das Wort, das einem einfällt, betrachtet man die Dekoration in dem kleinen Geschäft.

Das Konzept kommt bei den Neuenradern offenbar gut an: 80 Prozent der Einkäufer im Hofladen seien Stammkunden und erledigten regelmäßig ihre Wochenendeinkäufe bei Brigitte Reinken-Stork, erzählt sie.

Die 48-Jährige kümmert sich um die Direktvermarktung und hat damit alle Hände voll zu tun. Neben Eiern und Fleisch vom eigenen Hof bietet sie auch zugekaufte Lebensmittel an, so zum Beispiel Käse, Wein und eingemachtes Gemüse.

Ihr Mann Norbert unternimmt jeden Montag eine Eiertour durch Neuenrade, Küntrop und Werdohl. „Manche Familien beliefern wir schon in der dritten Generation mit Eiern“, erklärt der 55-Jährige. 120 Privathaushalte liegen montags auf seiner Runde, zusätzlich liefern die Storks auch an Gaststätten in der Umgebung.

Da auf diesem Weg der Zwischenhandel wegfällt, verdienen die Landwirte mehr an ihren Produkten: zehn bis zwölf Cent würden sie vom Zwischenhändler pro Hühnerei bekommen, 20 bis 22 Cent zahlen die Kunden im Hofladen.

„Der Arbeitsaufwand bei der Direktvermarktung ist aber auch deutlich größer als bei der Lieferung an den Großhandel“, sagt Norbert Stork. „Das rechtfertigt die höheren Preise.“

800 Legehennen hält der Landwirt in seinen Volieren. Etwa 780 Eier legen die Tiere am Tag. Ein Lift transportiert die Eier vom Stall in den Sortierraum, wo eine Maschine sie automatisch nach den Größen M, L und XL sortiert und mit dem Herkunftsstempel versieht.

Ein gutes Jahr bleiben die Hühner in ihren Käfigen, dann lässt ihre Legeleistung nach und die Eierschalen sind nicht mehr so fest und zerbrechen leichter. Alle 800 Hennen bringen die Storks dann zum Schlachter und verkaufen sie als Suppenhühner. Ein Betrieb in Ostwestfalen liefert 800 neue legereife Junghennen.

Das zweite Standbein des Hofes sind die Ferkelaufzucht und die Schweinemast. Jedes der 170 Muttertiere wirft etwa 25 Ferkel im Jahr. Die Hälfte der insgesamt 4250 Ferkel mästen die Storks selbst und verkaufen das Fleisch in ihrem Laden, die andere Hälfte liefern sie an einen Schlachter.

Die Kunden, die im Hofladen einkaufen, schätzen vor allem den direkten Kontakt zu den Bauern. Wer möchte, kann einen Blick in die Ställe werfen und sehen, wo seine Lebensmittel herkommen.

Die Familie Stork betreibt den Hof in Küntrop schon seit mehreren Generationen, Norbert Stork hat den Betrieb von seinem Vater übernommen. Auch Brigitte Reinken-Stork ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Seit 15 Jahren beschäftigt das Paar regelmäßig einen Auszubildenden, eine Aushilfe unterstützt sie außerdem bei der Wurstzubereitung.

Ihr 17-jähriger Sohn hat gerade das Fachabitur bestanden und wird ebenfalls eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvieren. Eines Tages will er den Hof seiner Eltern übernehmen.

Sorgen um die Zukunft machen sich die Storks nicht. Es gebe zwar immer wieder Schwankungen am Markt und in den Erträgen, erklärt Norbert Stork. „Aber wir sind es über die Jahrzehnte gewohnt, damit zu leben“, ergänzt seine Frau. ▪ Von Constanze Raidt

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