Stöbern in der Berufswelt

Wie in den Backräumen der Bäckerei Kayser besuchten die Grundschüler verschiedene Unternehmen in Neuenrade und lernten typische Arbeiten kennen. Die selbstgebackenen Puddingteilchen durften natürlich selbst gegessen werden. -  Foto: Berndt

NEUENRADE -  Michael Piekel presst seinen Zeigefinger an die Schutzscheibe aus Plexiglas. „Die Maschine sollte man stoppen, sonst geht sie noch kaputt“. Der Zehnjährige hat einen Fehler bemerkt, der Robotergreifarm, der die Deckel auf die CD-Pakete dreht, hat einmal ungenau gearbeitet und einen der Deckel neben das Paket abgelegt. „Keine Sorge“, beruhigt Nikolai Frick, Produktionsmanager bei SK Kassetten, und deutet auf die Lampe über der Maschine, die nun rot leuchtet. „Die Maschine hat das schon gemerkt und die Arbeit gestoppt.“

Es ist Stöbertag in Neuenrade. Wie die fünf Jungen bei der Firma SK Kassetten, besuchen kleine Gruppen von Grundschulkindern die heimischen Betriebe, schauen den Mitarbeitern über die Schulter und übernehmen für kurze Zeit selbst einige typische Aufgaben. Organisiert wurde der Tag von der Stadt Neuenrade, dem Neuenrader Jugendzentrum und der Jugendarbeit des Märkischen Kreises. Auch die Backräume der Bäckerei Kayser wurden besucht. Stolz präsentieren die Kinder noch warme Puddingteilchen, die sie selbst zusammenstellen durften und nun fertiggebacken, frisch aus dem Backofen, mit nach Hause nehmen dürfen. „Gebacken habe ich auch schon zuhause, aber hier ist alles viel größer“, schwärmt die zehnjährige Lele Marie Klar von ihrem Besuch in der Bäckerei.

Tatkräftige Hilfe hat an diesem Tag auch Dirk Blumenkamp, er arbeitet als Energieelektroniker in der Firma IBG Industrieautomatisierung. Vier Jungen drängen sich um seine Werkbank, prüfen per Knopfdruck, ob das Bauteil, an dem er gerade arbeitet, auch richtig funktioniert. „Wieso macht das so ein Geräusch?“, fragt einer der Jungen. „Da ist ein Magnet drin, der die Kontakte schließt“, erklärt der Energieelektroniker. Aber nicht nur Praxis sei wichtig und so dürfen sich die Kinder auch an einem Schaltbild versuchen.

Gzim Hetha, zehn Jahre, ein Schüler der Burgschule, fasst den Erfolg des Tages zusammen: „Hier gehen wir direkt wieder hin, und nicht mehr zur Schule.“ Zusammen mit sieben Mitschülern besuchte er den Baumarkt Arens und Hilgert.

Auch Kurt Maurer, Organisator des Tages, freut sich über die Erfahrungen der Schüler. Er steht vor der Sporthalle Niederheide, in der die Schüler nach ihrem Arbeitstag versorgt werden. „Das war so cool“, ruft ein vorbeigehender Junge und präsentiert seine Mitbringsel, eine Schachtel voll Schrauben und Nägel der Marke Bär.

In der Sporthalle werden die Kinder mit heißen Pizzen versorgt, um sich nach ihrem ersten Arbeitstag zu stärken. Angeregt unterhalten sie sich über ihre Erfahrungen.

Kurt Maurer zieht eine gemischte Bilanz. Er freut sich, dass sich auch in diesem Jahr viele Unternehmen an der mittlerweile achten Ausgabe des Stöbertages beteiligt haben. Indes – es weniger als in den Vorjahren und so mussten die Besuche, die für den Nachmittag geplant waren, schlicht ausfallen. Vielleicht sei das aber auch nur urlaubsbedingt gewesen, durch die Feiertage in der vorangegangenen und in der nachfolgenden Woche, mutmaßt Maurer. Für das nächste Jahr sei er aber zuversichtlich, dass die Kinder auch nachmittags wieder in die Unternehmen dürfen. „Denn egal, wo man die Kinder hinschickt, alle kommen begeistert zurück und haben etwas Neues gesehen.“

Von Sebastian Berndt

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