Sterbebegleitung statt Sterbehilfe

SPD-MdB Dagmar Freitag.

Neuenrade - Sehr gut angenommen wurde der Vortrag zum Thema Sterbehilfe mit anschließender Diskussionsrunde, zu dem der Freundeskreis „Augenblick mal“ und die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag eingeladen hatten.

Mehr als 50 Gäste waren in der DRK-Begegnungsstätte erschienen, um sich die Stellungnahmen von MdB Dagmar Freitag, vom Chefarzt des St. Vinzenz-Krankenhaus Altena, Dr. Jens Linderhaus, vom Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Dieter Kuhlo-Schöneberg und dem Pastor der katholischen Gemeinde, Kamil Pawlak zum Thema Sterbehilfe anzuhören. Freitag wies eingangs darauf hin: „Dies hier ist keine parteipolitische Veranstaltung sondern eine ganz neutrale. Es ist ebenso keine Frage, ob evangelisch oder katholisch, sondern eine Frage von unterschiedlichen Ansichten. Mich interessiert ihre Meinung, damit ich die zu den Lesungen und öffentlichen Anhörungen in den Bundestag mitnehmen kann.“ Bei der Abstimmung über die anstehenden Gesetze seien alle Parteien vertreten und es würde laut Freitag über drei Entwürfe abgestimmt. Sie stellte diese Entwürfe vor in denen es beispielsweise darum ging, mehr Fürsorge und weniger Strafrecht zu schaffen, oder in Würde leben und in Würde sterben zu dürfen.

Wichtig für die Ärzte sei es demnach vor allem Rechtssicherheit zu haben und Therapiefreiheit ermöglicht zu bekommen. „Wenn Therapiefreiheit nicht gewährleistet ist, kann nicht bestmöglich geholfen werden“ sagte der Chefarzt Jens Linderhaus. Sterbehilfe sei eine Frage des Gewissens, die nicht jeder mit sich vereinbaren könne und da sei die Palliativmedizin seiner Meinung nach die bessere Alternative. „Die Hilfe zur Selbsttötung gehört nicht zu den ärztlichen Aufgaben“, betont er.

Dieser Ansicht sind auch die Geistlichen der katholischen und evangelischen Gemeinde: Leben erhalten und Leiden lindern. „Selbstmord darf nicht begünstigt werden und das würde es mit einem solchen Gesetz“, so Kuhlo-Schöneberg. „Das Leben hat seine Zeit und das Sterben hat seine Zeit und da wäre eine Sterbebegleitung wohl eher das Richtige, um in Würde zu gehen!“ Das Wort Sterben und Helfen passe einfach nicht zusammen, denn es handele sich dabei immer um Hilfe zur Selbsttötung und bleibe strafbar. Suizid sei generell ein Hilferuf und dem müsse nachgegangen werden, aber man solle versuchen die verbleibende Zeit würdevoll zu gestalten, ohne künstlich verlängernde Maßnahmen. Dabei wäre die Palliativmedizin eine große Hilfe. Man nehme – so Linderhaus – zwar die Nebenwirkungen in Kauf, dass die Medikamente das Leben verkürzten, lindere zudem aber Angst und Schmerzen des Patienten für die restliche Zeit.

In der anschließenden Diskussion trugen Gäste der Versammlung ihre Meinung bei. Man brauche kein neues Gesetz für die Sterbehilfe sondern müsse bessere Bedingungen schaffen für die Pflege von Sterbenden und Kranken, hieß es zum Beispiel. In Hospizen wäre auffallend, dass nichts wichtiger sei als Zeit. Das sei das Stichwort. Zeit – und keine Hektik. Mehr Zeit bedeute aber mehr Personal, und das wäre der Punkt an dem angesetzt werden müsse.

Claudia Kaluza, ehrenamtlich als Sterbebegleiterin tätig, monierte: „Die Arbeit als Sterbebegleiterin wird von der Gesellschaft nicht anerkannt und hat oftmals einen bitteren Nachgeschmack, weil man distanziert behandelt wird. Ich wünsche mir dass es mehr gewürdigt wird, denn Jeder hat das Recht auf eine begleitende Hand.“ Sie mache das schon seit einiger Zeit und merke, welche Erleichterung es für den Sterbenden wäre, nicht alleine zu sein. Das bedarf allerdings viel Kraft und Motivation, weil es kein leichter Weg sei.

Im Juli findet laut Dagmar Freitag die erste Lesung über die Gesetzesänderung statt, wenn alle Parteien zusammenkommen und die Vorschläge und Anregungen zusammengetragen werden. Im September wird es in Berlin eine öffentliche Anhörung dazu geben, die zweite und dritte Lesung dann letztendlich im November, so dass Ende 2015 ein Betschluss gefasst werde.

von Andrea Kellermann-Michels

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