Stählerne Erntehelfer aus vergangenen Zeiten

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Beim Affelner Bauernmarkt konnten die Besucher historische Landmaschinen in Aktion sehen. Hier lenkt Heribert Müller einen Einfahrmähdrescher durch das Weizenfeld. ▪

AFFELN ▪ Der 17. Affelner Bauernmarkt lockte am Sonntag wieder tausende Besucher in die alte Freiheit. Hier bot sich ihnen die Gelegenheit, Landwirtschaft so zu erleben, wie sie vor Jahrzehnten einmal gewesen ist. Den Schwerpunkt hatte der Affelner Landmaschinenverein diesmal auf die Getreideernte gelegt.

Kurz hinter dem Eingang zur Bauernmarkt konnten die Besucher zusehen, auf wieviele unterschiedliche Arten Bauern im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ihr Getreide eingefahren haben. Da wurde noch mit der Sense gemäht, aber auch ein mehr als 50 Jahre alter Mähbinder war in Aktion zu sehen. „Das war schon eine enorme Erleichterung“, beschrieb Heribert Müller vom Landmaschinenverein die Maschine, die die Getreidehalme abschneidet und über ein Förderlaken weitertransportiert, bis sie schließlich zu Garben gebunden werden. Josef Kellermann hatte früher selbst noch mit einer solchen Maschine gearbeitet und hatte bei ihrer Vorführung am Sonntag ein paar Tipps für die Akteure.

Hier gibt es Fotos vom Affelner Bauernmarkt:

17. Affelner Bauernmarkt

Eine Weiterentwicklung des Mähbinders war der so genannte Einfahrmähdrescher, der den Landwirten seit den 1960er Jahren die Arbeit auf dem Feld erleichtern sollte. „Das war ein Versuch, den Schlepper auch für die Getreideernte zu nutzen. Die Idee hat sich allerdings nicht durchgesetzt“, wusste Franz Schwartpaul über diese Maschine zu berichten, deren Messer und Walzen vom Traktor über Riemen angetrieben wurden.

War das Getreide geschnitten, musste es natürlich auch weiterverarbeitet werden. Früher geschah das zunächst meistens mit Hilfe von Dreschflegeln auf der Tenne, um das Korn aus den Ähren herauszuschlagen. Wie das aussah, demonstrierten die Affelner gestern auch. Später gab es auch dafür schon Maschinen.

Der 13-jährige Christopher Ernst trennt an der Windfege die Spreu vom Weizen. ▪

Doch auch nach dem Dreschen gab es noch reichlich zu tun. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, setzten die Bauern zwar auch vor Jahrzehnten schon Maschinen ein, aber die mussten oft noch mit Muskelkraft bedient werden. Wie zum Beispiel die Windfege des thüringischen Herstellers Röber, die gestern der 13-jährige Christopher Ernst bediente. An der Apparatur, die ein mehrfaches seines Alters auf dem Buckel hat, verrichtete er einen schweißtreibenden Job, hatte aber Spaß daran.

Etwa 80 Jahre hat diese Maschine auf dem Buckel, mit der die Affelner am Sonntag Stroh häckselten. ▪

Gleichzeitig versuchte der 70-jährige Hansi Pingel eine etwa 80 Jahre alte Strohschneide- und Häckselmaschine wieder in Gang zu bringen. „Die kenne ich noch aus Kindertagen“, berichtete der Senior über den Apparat, mit dem das ausgedroschene Stroh kleingeschnitten wurde. „Das wurde dann als Einstreu verwendet oder als Beimischung zu den Runkeln verfüttert. Es diente aber auch als Füllmaterial für die Betten“, erklärte Pingel.

Sicherlich ein Zufall, aber deshalb nicht minder passend zu den Vorführungen der stählernen Erntehelfer vergangener Tage war die Tatsache, dass in Sichtweite des Bauernmarktes ein Landwirt mit einem ganz modernen Mähdrescher seiner Arbeit nachging. ▪ vg

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