Deutsch-deutsches Erfolgsmodell

Städtepartnerschaft mit Klingenthal besteht seit 30 Jahren

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Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 31. August 1990 durch Neuenrades Bürgermeister Hans Schmerbeck, Klingenthals Bürgermeister Manfred Herold (l.) und Gunther Wetzel (r.), Präsident der Klingenthaler Stadtverordnetenversammlung.

Neuenrade – Es gibt Städtepartnerschaften, die bestehen nur auf dem Papier. Dazu gehört die Verbindung zwischen Neuenrade und Klingenthal, der Musik- und Wintersportstadt im Vogtland, aber ganz sicher nicht:

„Nicht nur die Politik und die Vereine, auch die Bevölkerung hat diese Partnerschaft in den vergangenen 30 Jahren mit Leben gefüllt“, weiß Neuenrades Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU). 

Dass das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft – am 13. Juni (Neuenrade) und am 31. August 1990 (Klingenthal) wurde die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet – coronabedingt nicht so gefeiert werden kann wie es eigentlich geplant war, bedauern nicht nur Wiesemann und Monika Arens vom Kulturamt. Eine kleine Feierstunde soll es aber dennoch geben: Im Vorfeld der Ratssitzung am kommenden Mittwoch (17. Juni, 17 Uhr im Kaisergarten) soll die Städtepartnerschaft ab 16.30 Uhr gewürdigt werden. Auch Klingenthals Oberbürgermeister Thomas Henning wird dabei sein. Im Gegenzug fährt Neuenrades Stadtoberhaupt am 28. Juli ins Vogtland, um an einer Sitzung teilzunehmen. 

Ex-Bürgermeister als treibende Kraft

Bei diesen Gelegenheiten wird sicher an die Anfänge der deutsch-deutschen Städtepartnerschaft erinnert. Treibende Kraft im Sauerland war Ex-Bürgermeister Hans Schmerbeck. „Er erkannte schon 1987, vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, wie wichtig es war, Kontakte zwischen den Menschen zu schaffen“, stellt Antonius Wiesemann fest. Schmerbecks Wahl fiel auch auf Klingenthal, da durch die Herstellung von Musikinstrumenten in beiden Städten schon seit vielen Jahren Kontakte bestanden. 

Am 8. September 1988 beschloss der Neuenrader Rat, eine Städtepartnerschaft mit Klingenthal anzustreben. „Zuvor hatte Hans Schmerbeck Klingenthal schon mehrmals besucht und war dort herzlich aufgenommen worden. Er hat sich für die Städtepartnerschaft unermüdlich eingesetzt; für ihn war sie eine Herzensangelegenheit“, erinnert sich Antonius Wiesemann. 

Hilfsgüter für die Partnerstadt

Monika Arens hat zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft nicht nur die entsprechende – dicke – Akte, sondern auch zahlreiche Fotos und Presseartikel in Zusammenhang mit der Verbindung zur Vogtland-Stadt herausgesucht. Aus den Berichten geht hervor, dass in der Anfangszeit viele Vereine und Privatpersonen nach Klingenthal fuhren, um Hilfsgüter wie Kopierer, Bücher und sogar eine Straßenbaumaschine in die Partnerstadt zu bringen. „Außerdem haben Alt-Bürgermeister Schmerbeck und der ehemalige stellvertretende Stadtdirektor Martin Thomas anfangs auch mit vielen Tipps in Klingenthals Rathaus geholfen“, erzählt Antonius Wiesemann. Die ostdeutschen Städte standen in der Zeit nach der Wiedervereinigung vor großen Herausforderungen: Es galt gravierende Veränderungen in Verwaltung, Politik und Wirtschaft zu bewältigen. Martin Thomas hatte eine „Kontaktbörse“ ins Leben gerufen, er koordinierte Kontaktwünsche von Vereinen, Organisationen und Privatpersonen aus beiden Städten. 

Zeugnisse einer gewachsenen Partnerschaft: Kulturfachfrau Monika Arens hat anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft einiges aus dem Archiv geholt. Bürgermeister Antonius Wiesemann hält die dicke Partnerschafts-Akte in den Händen.

Auch Schmerbecks Nachfolger, Klaus Peter Sasse, warb unermüdlich für die Städtepartnerschaft – und für den Besuch des Vogtlandes. „Beim Bürgerempfang zum Tag der Deutschen Einheit stellte er jedes Jahr eine Region Ostdeutschlands im Rahmen seiner Rede vor und weckte damit bei den Zuhörern die Neugier“, schildert Bürgermeister Wiesemann. 

Regelmäßige Besuche seit 1990

Seit 1990 besuchen sich Vertreter aus beiden Städten regelmäßig. Die Stadt Neuenrade stiftet jährlich einen Preis anlässlich des internationalen Akkordeonwettbewerbs im Mai in Klingenthal, die Vogtländer sind jeweils am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zu Gast in der Hönnestadt. „Außerdem kommen sie jedes Jahr zu unserem Gertrüdchen“, stellt der Bürgermeister fest. Augenzwinkernd erzählt er, dass Neuenrade sogar schon Einwohner an die Partnerstadt verloren habe: „Die Familie Aufermann zog es für immer nach Klingenthal.“ 

Nach 30 Jahren beschreiben Arens und Wiesemann die Städtepartnerschaft als „besonderes Erfolgsmodell“ mit vielen freundschaftlichen Beziehungen – auch außerhalb von Rat und Verwaltung – die auch von jüngeren Menschen gepflegt würden. 

Entfernung beträgt 570 Kilometer

Einen hohen Stellenwert innerhalb der Städtepartnerschaft schreiben die Neuenrader Klingenthals stellvertretendem Ex-Bürgermeister Gerhard Nöbel und seiner kürzlich verstorbenen Frau Uschi zu. „Die Entfernung zwischen Neuenrade und Klingenthal beträgt 570 Kilometer. Gerhard Nöbel ist sozusagen einmal rund um die Erde gefahren, um die Partnerschaft mit Leben zu füllen“, unterstreicht Antonius Wiesemann. Auch Nöbels kürzlich gewählte Nachfolgerin Judith Sander setze sich, ebenso wie Oberbürgermeister Thomas Henning, für diese gewachsene Verbindung ein, denn: „Es ist für uns wichtig, dass der Funke in die nächste Generation überspringt.“

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