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Stadt im Lärm-Streit mit Anwohner: Leidtragende sind die Jugendlichen

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Von: Peter von der Beck

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Der Basketballkorb zwischen Jugendzentrum und Hönnequell-Schule kann künftig nur noch unter der Woche genutzt werden.
Der Basketballkorb zwischen Jugendzentrum und Hönnequell-Schule kann künftig nur noch unter der Woche genutzt werden. © von der Beck, Peter

Kein Zweifel. Unter Neuenrader Jugendlichen ist Basketball eine beliebte Sportart geworden. Selbst in der Pause der Hönnequell-Schule (HQS) wird am Basketballkorb gezockt. Der Spaß wird nun allerdings eingeschränkt.

Der Basketballkorb an der Niederheide zwischen Jugendzentrum und HQS wird am Wochenende „abgeschlossen“.

Das ist die jüngste Entwicklung in einem Streit, der offenbar seit zwei Jahren schwelt und inzwischen sogar Juristen bemüht. Es geht um Lärm und dem subjektiven Bedürfnis nach Ruhe. Ein Nachbar, der in der Nähe des Basketballkorbes wohnt, beschwert sich wegen des Spiellärms, den er quasi immer bis in die späten Abendstunden ertragen müsse. Er schaltete inzwischen sogar einen Anwalt ein. Sein Ziel: Die Stadt möge sich kümmern. Der Vorgang landete bei Ira Valsamidou auf dem Tisch. Die Juristin ist Bereichsleiterin – das Ressort Jugend und Sport gehört zu ihrem Beritt. Sie machte den Vorgang jüngst im Schulausschuss öffentlich und berichtete von der Eingabe des Nachbarn.

Nur Behauptungen ohne Nachweis?

Für sie seien das erst einmal Behauptungen ohne Nachweis. Persönlich habe sie sich dort zu verschiedenen Zeiten umgeschaut. Von Lärmbelästigung habe sie nichts mitbekommen. „Da war alles ruhig.“ Im Publikumsbereich des Schulausschusses saßen auch der betroffene Anwalt und sein Nachbar: Die verwiesen darauf, dass man bei der Installation der Anlage zugesichert habe, dass keine außerschulische Nutzung stattfinde. Der Korb sei mit einer Eisenstange gesichert worden. „Seit zwei Jahren“ gebe es die Stange allerdings nicht mehr. Deshalb werde auch abends sowie an Sonn- und Feiertagen dort gespielt. Der Anwalt sagte: „Das übersteigt das zumutbare Maß.“ Der Nachbar hielt sogar ein Handy hoch und bot an, eine Lärmaufnahme abzuspielen. Zudem machte er klar, dass er nun quasi seit diesen zwei Jahren Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) gebeten habe, da etwas zu unternehmen – ohne Erfolg. Schließlich habe er sich entschlossen, juristische Schritte einzuleiten.

Valsamidou ihrerseits verwies auf die unterschiedliche Rechtsauffassung und betonte, dass sie „in dieser Sache gerne ein Lärmprotokoll“ einfordern würde. Zumal sie, wie sie mehrfach betonte, bei stichprobenartigen Besuchen nichts vorgefunden habe. Auch der Bürgermeister habe sich dort umgeschaut und ebenfalls nichts Lärmrelevantes feststellen können. Etwaige Lärmquellen habe man ausgemerzt und zum Beispiel das Gitter am Basketballkorb ausgetauscht. Zudem verwies Valsamidou auf den Schulkomplex mit seinen öffentlichen Sportmöglichkeiten, der insgesamt eine Einheit bilde, die sie nicht auseinanderreißen wolle. Der Basketballkorb werde eben rechtmäßig genutzt.

Ausschussmitglieder können Ideen einbringen

Sie betonte, dass es ihr natürlich um ein Miteinander gehe und die Verwaltung sich bemühe, das Ganze ohne Streit zu schlichten. Offen sei man für eine Lösung. Wer aus dem Ausschuss eine Idee habe, möge sich melden.

Auch der Bürgermeister gab noch ein kurzes Statement ab: „Wir müssen auch den Jugendlichen eine Perspektive bieten.“ In Richtung Anwohner sagte er: „Lieber W., wir sind auf Lösungssuche.“ W. antwortete: „Zwei Jahre, zwei Jahre.“ Wiesemann sagte, dass man die Angelegenheit mit dem Basketball noch in die weiteren Planungen an der Niederheide mit einbeziehen könne und noch einen Kompromiss finde, dass die Kinder irgendwo spielen können. Weitere Einlassungen aus dem Publikum gab es nicht. Der Ausschussvorsitzende, Malik Neuhaus, machte dem ein Ende.

Typische Kompromiss-Entscheidung

Und die Position der Kinder und Jugendlichen? Zumindest ein Jugendlicher sagte, dass der Basketballkorb gut genutzt werde. „Kommt aufs Wetter an. Bei gutem Wetter spielen wir hier schon viel.“ Von Ärger weiß er nichts. Eine Nachbarsfamilie kennt er. „Das sind nette Leute.“

Am Ende fällte der Bürgermeister eine typische Kompromiss-Entscheidung und ließ dem Anwalt des Nachbarn schriftlich mitteilen, dass der Korb am Wochenende abgeschlossen und zu Schulbeginn wieder aufgeschlossen werde. Ira Valsamidou ließ durchblicken, dass sie nicht glücklich mit diesem Kompromiss ist. Denn: Am Wochenende müssen sich die Jugendlichen nun anderweitig umschauen. Bleibt abzuwarten, wie die Pläne für das Niederheide-Areal ausfallen.

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