Ein Sport mit Aussichten

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Kurz vor dem Start: Letzter Check und einhängen des Stahlseils.

Neuenrade - Wie futuristische Gebilde wirken die Fluggeräte an diesem Vormittag auf der weitläufigen grünen Landebahn des Küntroper Flugplatzes: Weiße Hightech-Geräte mit langen Schwingen, ovalen Nasen und Plexiglaskuppeln.

 Nur der rot-gelbe „Erich“ passt nicht ganz ins Bild – das Fluggerät stammt aus einer anderen Epoche. Dass sich so viele Segelflugzeuge auf dem Küntroper Flugfeld tummeln, hat seinen Grund. Das Wetter ist heiß und trocken, die Flieger hoffen auf tolle Thermik, sie wollen möglichst lange in der Luft bleiben, weit fliegen – das ist ihr Ziel.

Ordentlich haben sich die Flieger mit ihren Seglern aufgereiht und warten auf den Schlepper: Das ist eine Propellermaschine mit kräftigem Motor. Sven Listringhaus ist der Pilot – er hat den Schlepperschein – und zieht die Segler mit der einmotorigen Maschine hoch und klinkt sie bei 1000 Metern Höhe aus. Zuvor jedoch checken die Segler ihre Fluggeräte. Die Funktion der Ruder wird überprüft. Christin Schucka baut noch die Batterie fürs Funkgerät ein; Proviant wie Wasser und

Müsli-Riegel werden noch eingepackt und das Handy. Auch Magnesium ist dabei. Denn: Um Krämpfe durch die lange sitzende Haltung zu vermeiden, haben die Flieger auch immer dieses Medikament dabei... Und lange kann es dauern, denn Experten wie Matthias Schucka sind mal eben neun Stunden in der Luft, was für den Laien ungeahnte Umstände mit sich bringen kann: Was den Toilettengang anbelangt muss der Segler kreativ sein.

Da hat jeder seine eigene Methode. „Da gibt es diverse Lösungen“, sagt einer der Flieger. Gern genommen werden chemische Hilfsmittel, wie sie in Windeln zu finden sind. Wie das Prozedere in der Kabine funktioniert – da schweigt des Sängers Höflichkeit. Die Segelflieger – ein lustiges Völkchen, haben immer einen Spruch parat, haben auch einen eigenen Jargon.

 Den Düsenjet nennen sie Glühlampe. Lepo und Leporello heißen die Flugplatzautos, mit denen die Segler transportiert werden. Das waren wohl früher immer Opel „und rückwärts gelesen ist das eben Lepo“, erklärt Jürgen Deubert, der einer der älteren auf dem Platz ist aber nicht mehr fliegen mag und offensichtlich immer noch von Segelfliegervirus befallen ist.

Während ein Segelflieger nach dem anderen in den blauen Himmel gezogen wird, schaut Christin Schucka immer wieder auf ein Handy. Das spielt eine wichtige Rolle, denn vom Boden aus kann verfolgt werden, wo sich gerade die jeweiligen Flieger aufhalten. Die Flieger senden mit Hilfe eines GPS Loggers Signale und Daten aus, die dann mit der passenden App abgelesen werden können. Flughöhe und zurückgelegte Stecke können so ersehen werden.

Segelfliegen ist ein Teamsport, alleine das Fluggerät in die Luft zu bekommen – das geht nicht. Und so hängt ein Kollege das Stahlseil in die Nase des Flugzeuges ein, zwei andere halten die Flügel, dann gibt Sven Listringhaus in seiner Schleppmaschine richtig Gas und nach geschätzten 300 Meter zieht er die Nase hoch, das angehängte Segelflugzeug folgt und wenig später sind die beiden Flugobjekte kaum noch im Himmelblau auszumachen.

Von Peter von der Beck

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