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Spielplatz soll weichen: Grüne versuchen, auf Beschluss einzuwirken

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Von: Peter von der Beck

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Diese Grünfläche soll für Parkplätze weichen, die in der Altstadt knapp sind. An anderer Stelle wird dafür Spielfläche aufgewertet oder neue geschaffen.
Diese Grünfläche soll für Parkplätze weichen, die in der Altstadt knapp sind. An anderer Stelle wird dafür Spielfläche aufgewertet oder neue geschaffen. © von der Beck, Peter

Es erscheint schon als Anachronismus, wenn in Zeiten von Klimawandel, zurückweichender Natur und schwindenden Naturressourcen ein Fleckchen wie der alte Spielplatz an der Ecke Dritte Straße/Neuer Weg Parkplätzen weichen muss.

Neuenrade – Ein Spielplatz mit Rutsche, Wippetier und Sitzbank, groß genug, um eine Handvoll Kinder spielen zu lassen, eingefasst von viel Grün. Doch die Entscheidung ist schon lange gefallen, nach vielen Diskussionen, und sie ist quasi gesellschaftlich ausgehandelt.

Der Platz kommt weg, weil im Zuge der Schmerbeck-Platz-Sanierung dort auch ein Spielplatz entsteht und ein anderer, am Rande der Altstadt, mit Spielgeräten neu bestückt wurde. Durch den Ausbau des Platzes fallen für die Anwohner in der Altstadt Parkplätze weg, weshalb als Ausgleich an Stelle des Spielplatzes Parkraum neu entstehen soll.

Weiterer Parkraum fällt auch weg, wenn „Hinter der Stadt“ gebaut wird. Auch das neue Parkraumbewirtschaftungskonzept könnte dafür sorgen, dass es in der Altstadt für parkende Autos enger wird. Das Ganze ist also ein mühsam ausdiskutierter Kompromiss, bei dem die kleine Oase eben weichen muss. Die Sache schien beschlossen und erledigt – doch bei der jüngsten Bauausschusssitzung grätschten die Bündnisgrünen dazwischen.

Sie nutzten die Einwohnerfragestunde, um das Thema noch einmal zu öffnen. Uli Naumann, erfahrener alter Kämpe bei den Bündnisgrünen und unter anderem Ralf Gäer meldeten sich zu Wort.

Naumann zitierte aus der Untersuchung zum Parkraumbewirtschaftungskonzept und aus der Berichterstattung zum Thema, nach welchen „kein erheblicher Parkdruck im Altstadtbereich existiere“. Könne man da nicht einfach abwarten und die Angelegenheit mit dem Spielplatz ruhen lassen, ließ er durchblicken.

Amtsleiter Marcus Henninger verwies darauf, dass es da unterschiedliche Arten der Bewertung gebe. Bewohner einer Großstadt würden es ganz anders sehen, wenn sie zehn Minuten vom Parkplatz nach Hause laufen müssten, als beispielsweise der Kleinstadtbewohner. Ralf Gäer wies zudem darauf hin, dass es durch das Parkraumkonzept doch eben neue Erkenntnisse gegeben habe und mehr Parkraum daher nicht nötig sei.

In der Runde der Ausschussmitglieder und bei der Verwaltung schien indes niemand geneigt, der Argumentation zu folgen. Bürgermeister Antonius Wiesemann sagte: „Wir haben das Thema hier ausführlich behandelt, die Beschlüsse sind so.“ Gäer sagte, dass man den Beschluss damals zur Kenntnis genommen habe, gleichwohl aber hätten zum Zeitpunkt der Beschlussfassung doch die Erkenntnisse aus dem Parkraumbewirtschaftungskonzept nicht vorgelegen, auch die neue Auswertung liege nicht vor.

Es bestehe zudem die Möglichkeit, Kosten zu sparen. Der Ausschussvorsitzende Mark Hantelmann (CDU) nannte die Grünen augenzwinkernd „professionelle Einwohner“ – die Grünen hatten versäumt, einen entsprechenden Antrag fristgerecht einzureichen, und nutzten nun die Einwohnerfragestunde für den politischen Einwurf.

Bauamtsleiter Marcus Henninger zeigte sich zudem unglücklich über den kurzfristigen Antrag. Während der Bauphase gebe es keine Stellplätze dort und hinterher weniger Parkplätze. Weitere Spielplätze seien nicht nötig. Und wenn der Spielplatz dortbleiben solle, müsste auch dort wieder investiert werden.

FWG-Ausschussmitglied Heinz Friedriszik verwies darauf, dass man die Zahlen aus dem Parkkonzept kenne, aber man ja auch die Realität habe. Die Leute würden keinen festen Parkplatz haben, es gebe sicher Chaos während der Bauphase. „Wir müssen das so durchziehen. Außerdem sind die Anwohner dafür.“

Ludger Stracke (CDU) sagte: Die Beschlüsse sind gefasst. Wir können nicht immer jede Situation berücksichtigen.“ Es gibt keinen Grund, darüber nachzudenken. Die Parkplatzsituation muss akzeptabel sein. Thomas Wette (SPD) verwies noch einmal auf das Bauvorhaben Hinter der Stadt, das ebenfalls Parkplätze koste.

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