Wirtschaft

Firma SDC sorgt für Null-Fehler-Quote

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Geschäftsführer Björn Bender und Entwicklungsingenieur Franz Gödde vor dem Roboter.

100 Prozent Qualität, null Prozent Ausschuss, und sei das Teil auch noch so kompliziert. Dass zum Beispiel in Autos Teile eingebaut werden, die keine Fehler aufweisen und einwandfrei funktionieren – dazu leistet ein Neuenrader Unternehmen seinen Beitrag.

Neuenrade – Der Dienstleister und Maschinenbauer SDC vermisst und prüft in Küntrop Bauteile aus allem möglichen Material. Von der Unterlegscheibe über Sicherheitsfedern bis hin zu Tiefziehteilen aller Art. Kompliziert kann SDC besonders gut: „Wir sind spezialisiert auf extravagante Teile“, sagt Geschäftsführer Björn Bender, der gemeinsam mit Markus Haarmann die Geschicke der Firma leitet. Zu finden sind die geprüften Komponenten überwiegend in Autos.

Auch für andere Branchen ist SDC aktiv. Doch zu mehr als 80 Prozent wird in Küntrop für die Automotiv-Industrie geprüft und gemessen. Es sind Chargen von zigtausenden Teilen, die durch die selbst gebauten Maschinen laufen, jedes einzelne Teil wird auf verschiedene Art und Weise gecheckt: Winkel, Abstände, Grate, Durchmesser von Bohrungen, Radien – eben Maße aller Art werden dort geprüft und nur die einwandfreien Teile werden zugelassen. Einst geschah das „händisch“ Bauteile wurden in Messvorrichtungen eingelegt oder auf Förderbänder für weitere Prüfungen gebracht. 

Neuartiger Roboter als Eigenbau

Doch diese Zeiten sind so gut wie vorbei: Inzwischen baut SDC selbst Roboter, die weitgehend personalfrei 24 Stunden lang sieben Tage in der Woche Teile dem Prüfvorgang zuführen. Der Entwicklungsingenieur Franz Gödde hat den Zuführungsroboter gebaut, der die komplizierten Tiefziehteile eines Neuenrader Herstellers auf Passgenauigkeit checkt. „Wir sind nun schneller, wir sind effizienter,“ sagt Gödde. Und so funktioniert die Konstruktion: Die zu begutachtenden Teile liegen auf einer Art Rüttelplatte, der Roboter erkennt, wenn die Teile richtig liegen, greift sie und positioniert sie auf die plane Arbeitsplatte eines Rondells, die Teile werden fotometrisch begutachtet. 

Dieses Prüfteil muss auf allerlei Parameter geprüft werden.

Und nach dem Prinzip „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“, werden die IO-Teile („In Ordnung“) und die NiO-Teilen („nicht in Ordnung“) getrennt und per Druckluft in die richtigen Behälter geblasen. Das korrekte Positionieren ist dabei für die Messvorrichtung wichtig. Auch das erspart erneute Prüfung und Wiedervorlage – und am Ende eben Zeit. Und Zeit ist gerade bei einem Dienstleister dieser Art Geld. Zwei Roboter mussten inzwischen gebaut werden, um die Stückzahlen zu schaffen. Diese Roboter gibts in der Branche so noch nicht.

Digitalisierung bei dem Unternehmen im MK

 Ingenieur Gödde nennt schon mal die nächsten Trends: „Mit künstlicher Intelligenz arbeiten, auch die 3D-Technik kommt immer mehr auf.“ Warum ein Teil nun fehlerhaft ist, kann alle möglichen Gründe haben: Das Werkzeug ist abgenutzt und die Toleranzen stimmen nicht mehr, bei einem anderen Arbeitsschritt wurden Teile verbogen. SDC sortiert das aus: Am langen Ende bekommt der Automobilhersteller fehlerfreie Teile und ist zufrieden. Denn die aktuelle Politik ist die der Null-Fehler-Quote. Oder wie es in Branche so schön heißt: 0 PPM (Parts per Million). Dafür sorgt SDC. Bender: „Wir sind das Gütesiegel des Kunden.“

Ziel ist, in den Herstellungsprozess des Kunden integriert zu werden. Trotz Corona und eines Umsatzeinbruchs von 50 Prozent will man bei SDC weiter in die Zukunft investieren. Das werde gelingen, ist Björn Bender überzeugt. Er verweist auf den vollzogenen Generationswechsel in dem Unternehmen. „Wir haben ein junges, dynamisches Team, Alle sind total motiviert.“ 260.000 Euro werde man in MDE (Maschinen-Daten-Erfassung) investieren. „Das System, das Konzept steht“. Es gehe hierbei um die Vernetzung der Anlagen, am langen Ende um Transparenz für den Kunden.

SDC im MK: "Automatisierung und Maschinenbau – das wird weiter gepusht"

Jederzeit könne der Bearbeitungsstatus abgerufen werden. Der nächste Schritt sei die weitere Automatisierung. „Unser Gesicht wird sich ändern. Automatisierung und Maschinenbau – das wird weiter gepusht. Ein paar händische Prozesse werden dabei sicher wegfallen“, sagt Bender. Es entstehe aber auch Neues und die Zahl der Mitarbeiter könne sicher gehalten werden. Rund 100 sind es derzeit. SDC ist reichlich mit Sortieranlagen bestückt: Derzeit sind 50 Anlagen im Einsatz und alles sind Eigenkonstruktionen.

Überall stehen die Maschinen mit den vibrierenden Zuführtöpfen und allerlei Bauteilen, deren Funktion der Laie nur erahnen kann. Viele davon sind sicherheitsrelevante Bauteile, wie Ringfedern für Airbags oder Teile von Sicherheitsgurten, die nicht jedem Dienstleister anvertraut werden. Wichtig ist, dass die Teile so genau vor der Kamera positioniert werden, dass sie möglichst akkurat geprüft werden können. Manchmal sind es 15 bis 20 Merkmale, die gemessen werden. Und so rappelt und zischt es in der großen Halle ununterbrochen. 

SDC: "Wir sind mit der größte Dienstleister"

In welcher Liga SDC spielt, weiß Geschäftsführer Bender mit gesunden Selbstbewusstsein zu beantworten. „Wir sind mit der größte Dienstleister in dem Sektor in Europa.“ Und demzufolge ist auch die Kundschaft europaweit verbreitet. Natürlich: SDC ist von Corona schwer gebeutelt. Kurzarbeit muss gefahren werden. Und Björn Bender ist froh und dankbar, dass die Belegschaft mitzieht. „Mein Kompliment an die Mitarbeiter. Es ist toll, wie die sich einbringen und uns voll unterstützen.“

Auch wenn sich SDC umschaut und andere Aufträge an Land zieht – für Björn Bender bleibt Automotive nach wie vor die Zukunft. Man werde sich eben mehr an Baugruppen orientieren, die nichts mit dem Motor zu tun haben, sondern mit der Karosserie. Gewachsen ist SDC (Service- und Dienstleistungscenter) in den vergangenen Jahren enorm: 1997 gegründet, ist das Unternehmen stetig gewachsen und verfügt nun über zwei Werke mit einer Produktionsfläche laut Homepage von 7500 Quadratmetern. Auch Verpacken und Kommissionieren ist möglich. SDC baut natürlich auch Sortier- und Prüfanlagen und hat auch einen Vertrieb für Zuführ-Anlagen. Mit der Zahl der Mitarbeiter und dem gewaltigen Maschinenpark ist man in der Lage, auch große Mengen zu bewältigen. Das sind nicht nur „geometrische Prüfaufgaben“ sondern auch Riss- und Härtegrad kann abgefragt werden.

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