Spektakuläre Musikgeschichte im Kaisergarten

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Die Tanzrevue „Don’t stop the Music“ wurde am Sonntag im Kaisergarten aufgeführt.

Neuenrade - Ohne Schweiß kein Preis: Dieser alte Grundsatz schimmerte auf, als am Sonntag im Kaisergarten die ersten spanischen Kommandos den 16 Tänzern der Show „Don’t stop the music - The Evolution of dance“ Beine machten.

Choreographin Maricel Godoy träumte 2013 noch davon, aus Holguín, der drittgrößten Stadt Kubas, die Tanzhauptstadt der Insel zu machen. Nun reisen ihre Tänzer und Choreographien durch Europa und erzählen die Geschichte der Tanzstile des 20. Jahrhunderts. 

Die Rahmenhandlung dieser Erzählung stellte einen Radioempfänger in den Mittelpunkt – neben anderen Konserven und wahrhaftigen Auftritten von Musikern für lange Zeit das zentrale Medium zur Verbreitung der Musik des 20. Jahrhunderts. Zur technisch hochwertigen Musik aus der Konserve kamen elf Tänzer und fünf Tänzerinnen – ein überraschendes Verhältnis in einem Kunstgenre, das zumeist weit mehr Frauen anzieht. 

Es mag am Alter des Berichterstatters liegen, dass die in großen Schritten erzählte Geschichte des Tanzes als ein trauriger Niedergang erschien: Der Weather-Report-Klassiker „Birdland“ eröffnete den munteren Tanzreigen mit einem Blick auf jenen legendären Club in Manhattan, in dem Jazzgeschichte geschrieben wurde. Bilder aus New York und wildgewordene Comic-Trompeten grundierten das Geschehen. Louis Armstrong und Ella Fitzgerald schmachteten sich in himmlischen Gefilden an, während ein Paar mit Regenschirm in idyllischem Ambiente und unter Sternenhimmel einen romantischen Pas de Deux zu „Heaven“ hinlegte. 

"Alles ist bedeutungslos, wenn du nicht den Swing hast"

Das Benny-Goodman-Orchester machte Louis Primas mitreißenden Klassiker „Sing, sing, sing“ berühmt. Die Tänzer kamen in der Abteilung Stepptanz und Charleston an. „It don’t mean a thing, if you ain’t got that Swing“, verkündete die Stimme aus dem Off. „Alles ist bedeutungslos, wenn du nicht den Swing hast.“ Dessen Bedeutung als Widerstandsakt gegen das schwachköpfige Nazi-Verdikt gegen die „Negermusik“ brachte ein bisschen Politik in die Geschichtserzählung. 

Mit „Don’t stop the Music“ möchte Choreographin Maricel Godoy die Geschichte der Tanzstile des 20. Jahrhunderts erzählen.

Und hinein ging es in die Nachkriegszeit, zu Bill Haleys „Rock around the clock“ und Elvis Presleys „Jail house rock“. Die Kleiderordnung änderte sich einmal mehr dramatisch, was die Akteure zu permanentem Umziehen zwang. Das Ergebnis war ein Fest für die Augen, denn es gab immer wieder anders gewandete Tänzer zu bewundern. 

Kleinere Besetzungen verschafften die nötigen Atempausen – so auch ein schicker Solotänzer zum Beatles-Klassiker „Let it be“. Die Bee Gees brachten mit ihrem „You should be dancing“ die Disco-Tänzer auf Trab. Die feinen Formen begannen zu bröckeln. Michael Jackson führte mit seinem Moonwalk noch einmal ganz neue Tanzbewegungen ein: „Remember the Time“. Die für Madonnas „Holiday“ zuständige Tänzerin gab ein goldiges Schnuckelchen mit dazugehörigen Nymphen. Whitney Houstons „I will always love you“ bot erneuten Anlass für einen ruhigen Paartanz, der Zeugnis ablegte von der klassischen Ausbildung der Tänzer. 

Abschluss mit Lady Gaga und Rihanna

Danach wurde es lauter und hektischer auf der Bühne: Hiphop und Breakdance boten immerhin noch Gelegenheit für sehenswerte Akrobatik, der anschließende „Death Punk“ zweier weißgeschminkter Gesichter im Taucheranzug klang wie die akustische Vorbereitung der Kriege des 21. Jahrhunderts. 

Nach der Nummer waren selbst Lady Gagas schön getanztes „Pokerface“ und das Rihanna-Finale irgendwie erholsam: Rihanna wiederholte das Motto einer insgesamt sehr unterhaltsamen Show, die mit getanzten Perlen der Musik des 20. Jahrhunderts geglänzt hatte: „Don’t stop the music“.

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