Greening

Im Auftrag des Umweltschutzes: EU sorgt für Senf-Anbau in Neuenrade

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Noch kürzlich blühte eingangs Affeln der Senf. Die Pflanze wird im Rahmen von EU-Vorschriften von den heimischen Landwirten angebaut. 

Neuenrade - Was in diesen Tagen noch in gelber Pracht in Affeln blühte, ist nicht etwas Raps, sondern Senf. Und der wurde dort pflichtgemäß ausgesät. Hintergrund der Blütenpracht ist keineswegs der Klimawandel und eine damit einhergehende verzögerte Blüte, sondern hier ist die EU verantwortlich.

Und am Ende geht es tatsächlich auch um Umweltschutz. Das erläuterte Ortslandwirt Ulrich Peterschulte jetzt auf Nachfrage. Demnach sind alle Betriebe, die EU-Zahlungsempfänger sind – also gefördert werden – verpflichtet, nach der Getreideernte auf einem Teil seiner Flächen bestimmte Pflanzen auszusäen, um die Bodenqualität zu verbessern. 

Es geht dabei um das sogenannte Greening oder, wie es die Landwirtschaftskammer in ihren Veröffentlichungen formuliert: „Dem Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden“. Auch Gewässerschutz spielt dabei eine Rolle. Denn bewachsener Boden hält der Erosion durch Wind und Wetter besser stand. 

Greening-Prämien als Ausgleich

Als Ausgleich für den Aufwand gibt es für die Landwirte unter genau festgelegten Bedingungen dann nämlich die sogenannten Greening-Prämien. Zwei Betriebe in Neuenrade erhalten Greening-Geld. Insgesamt sind das gut 11 000 Euro, die zum Beispiel 2017 überwiesen wurden. 

Bepflanzt werden zum Beispiel Randstreifen oder eben auch ganze Felder. Die Bewirtschaftung erfolgt dabei im Herbst, um den Boden zu schonen. Senf eignet sich dabei offenbar gut, auch die sogenannte Bienenweide soll für eine Verbesserung der Bodenökologie etwas bringen, heißt es in den diversen Veröffentlichungen. Peterschulte erwähnte zudem noch Buchweizen. 

Um Greening-Prämien zu erhalten, ist eine umfassende Dokumentation und Antragstellung durch die Bauern erforderlich. Ortslandwirt Peterschulte ist jedenfalls überzeugt, dass Zwischenfrüchte einen ökologischen Erfolg bringen: „Das lockert den Boden auf, es ergibt sich eine sehr gute Bodengare.“ Inzwischen seien die Greening-Flächen auch für die Futternutzung freigegeben, dafür müssten aber bestimmte Grassorten angepflanzt werden, sowie Weiß- und Rotklee. 

Flächen werden überprüft 

Das Greening ist zudem ein zentrales Element der EU-Agrarreform von vor fünf Jahren. Im Rahmen des Greenings sind Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerfläche dazu verpflichtet, fünf Prozent ihrer Äcker als ökologische Vorrangflächen vorzuhalten und entsprechend zu bewirtschaften. 

Dass die Bauern auch entsprechend der Vorschriften handeln, wird was die Flächen anbelangt überprüft. Zum Einsatz kommt dabei der technische Prüfdienst der EU-Zahlstelle. „Bei den Flächenkontrollen wird geprüft, ob die Angaben im Förderantrag richtig und vollständig sind und ob sämtliche Fördervoraussetzungen eingehalten werden“, heißt es in der Veröffentlichung der Landwirtschaftskammer NRW. 

Außerdem würden alle Flächen auf Lage, Größe, Nutzung und etwaige Auflagen geprüft. Dies wird entweder vor Ort oder per Fernerkundung durchgeführt. Bei der Fernerkundung würden die beantragten Flächen anhand aktueller Satellitenbilder oder Luftbildaufnahmen kontrolliert, so die Landwirtschaftskammer. 

Kritik an der Greening-Praxis

An der Greening-Praxis gibt es allerdings auch durchaus Kritik: Zwischenfrüchte anzubauen gehöre zur fachlich-bäuerlichen Praxis, wird in einer Veröffentlichung des NDR ein Experte zitiert. Zusätzliche Umweltleistungen können Kritiker nicht erkennen. 

Zudem gibt es Umweltschützer, die kritisieren, dass der Anbau von Zwischenfrüchten der Artenvielfalt nicht viel bringen würde. Pufferstreifen und Landschaftselemente würde in dieser Hinsicht weitaus mehr bringen, das sei aber für die Landwirte teurer und arbeitsintensiver, heißt es zum Beispiel in der Zeitschrift „Natur und Landschaft“, die vom Bundesamt für Naturschutz mit Sitz in Bonn herausgegeben wird.

von Peter von der Beck

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