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Sorgen um Personaldecke: CDU will PIA-Ausbildung in Kitas

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Von: Peter von der Beck

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In der privaten Einrichtung Villa mittendrin gibt es mit Leonie Schnelle schon eine angehende Erzieherin, die gemäß PIA ausgebildet wird. 
In der privaten Einrichtung Villa mittendrin gibt es mit Leonie Schnelle schon eine angehende Erzieherin, die gemäß PIA ausgebildet wird.  © Peter von der Beck

Erzieherinnen und Erzieher, sowie Pädagogen aller möglichen Richtungen sind derzeit gesuchte Fachkräfte.

Wer bei Stellenangeboten der Arbeitsagentur nachschaut, wird gewahr, dass von der Ergänzungskraft bis hin zur Kindergartenleitung in Neuenrade (St. Georg) und in der näheren Umgebung Fachkräfte gesucht werden: Mehrere in Balve, aber eben auch in Neuenrade oder Dahle. Dabei gab es schon einmal ganz andere Zeiten. Da konnte sich glücklich schätzen, wer einen Job in der Kita ergattern konnte. Die Zeiten ändern sich, auch mehr Konkurrenz ist da.

Angesichts dieser Entwicklung will die Neuenrader CDU-Fraktion gegensteuern. Denn nach der sicher begründeten Auffassung der CDU ist die „Personaldecke in den städtischen Kitas sehr dünn“. Die Fraktion will daher die Personalsituation in den Einrichtungen verbessern und stellt einen Antrag, die sogenannte PIA-Ausbildung – die praxisintegrierte Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher – einzuführen.

Orientiert an Ausbildung in Industrie und Handwerk

Im Gegensatz zur dreijährigen schulischen Ausbildung mit angeschlossenem Praxisjahr will man nun PIA den Vorzug geben: Das ist eine ähnlich der dualen Ausbildung in Industrie und Handwerk orientierte Fachausbildung. Dabei durchlaufen die angehenden Erzieher eine dreijährige Ausbildung. Praxis und Schule wechseln sich ab. Die Auszubildenden profitieren von den jeweils frischen Erkenntnissen, können das theoretisch Erlernte sofort umsetzen und umgekehrt. Im Unterschied zur herkömmlich-schulischen Ausbildung werden die Auszubildenden von Anfang an – ähnlich wie bei einer Lehre – bezahlt.

Wie das geht, macht die private Kita Villa mittendrin der Stadt bereits vor. Hier absolviert mit Leonie Schnelle (19) eine junge Frau eine derartig gestrickte Ausbildung und scheint bislang sehr zufrieden damit. Gerade auch das Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis gefällt hier. Villa-Geschäftsführerin Nina Kersting-Dunker sieht mit diesem Ausbildungsangebot persönlich auch eine Möglichkeit, um dem künftig noch schärfer werden Wettbewerb auf dem Pädagogen-Markt etwas entgegenzusetzen. Zudem ist die Ausbildung auch um ein Jahr kürzer als die herkömmliche Variante – und von Anfang an bezahlt.

Abwanderung in Nachbarkommunen

Die CDU-Fraktion weist darauf hin, dass Erzieher- und Erzieherinnen, die bislang die klassische Variante durchlaufen haben, in der Regel auch von der Stadt übernommen würden, aber eben keinen festen Arbeitsvertrag oder nur einen Teilzeitvertrag erhielten – und so in Nachbarkommunen wechselten, obwohl sie in Neuenrade verwurzelt seien. Das wollen die Christdemokraten geändert wissen, zumal in den umliegenden Städten die PIA-Ausbildung auch schon PIA praktiziert werde.

Mit dem neuen Ausbildungsangebot will die CDU zusätzliche Zielgruppen für die Ausbildung in den städtischen Kitas gewinnen. Und um die jungen Leute dann an die Stadt zu binden, sollen „feste Arbeitsverträge in Aussicht gestellt werden“. Und auch in der Übergangszeit sollen den aktuellen Auszubildenden Verträge angeboten werden. Dass das natürlich Mehrausgaben für den städtischen Haushalt bedeutet, ist der CDU-Fraktion bewusst. Dabei verdienen die Erzieher-Azubis im ersten Jahr 1140 Euro, im zweiten Jahr 1202 Euro und im dritten Jahr 1303 Euro. Die CDU-Fraktion ist überzeugt, dass mit dieser Umstrukturierung der Ausbildung höhere Chancen für die Stadt bestehen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu binden, um die personelle Situation an den Kitas zu entspannen. Klare Sache, dass sich die CDU hier eine Refinanzierung über das Kinderbildungsgesetz erhofft. Zumindest soll die Verwaltung das prüfen. Die CDU beantragt in der nächsten Ratssitzung jedenfalls dieses Thema als Aufwand im neuen Haushalt abzubilden.

Arbeitsmarkt wird noch mehr aufgemischt

Denn es pressiert. Durch den elterlichen Rechtsanspruch für ihr Kind auf die Offene Ganztagsschule wird der Arbeitsmarkt für Pädagogen noch mehr aufgemischt. Zumindest wird es schwieriger, Erzieher auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Die nächste Sitzung des Stadtrates findet am Mittwoch, 24. November, ab 17 Uhr im Saal des Hotels Kaisergarten statt.

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