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Mit Qualität und Innovation weiter die Nase vorn haben

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Von: Peter von der Beck

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Schniewindt GmbH & Co.KG – auch hier punktet man mit Qualität: „Da haben wir alle die Nase vorn, auch was die Innovation angeht.“
Schniewindt GmbH & Co.KG – auch hier punktet man mit Qualität: „Da haben wir alle die Nase vorn, auch was die Innovation angeht.“ © Peter von der Beck

Heimische Unternehmen haben Sorgen: Die hohen Energiepreise, Lieferkettenprobleme aber vor allen Dingen der Fachkräftemangel. Davon und von Gegen-Strategien berichtet unter anderem Dr. Sarah Schniewindt, stellvertretende Vorsitzende des Märkischen Arbeitgeberverbandes und selbst Firmenchefin.

Keine Schließungen in Sicht

Neuenrade – Noch vor ein paar Wochen hatte die Geschäftsführerin der Schniewindt GmbH & Co KG apokalyptische Szenarien gehört: Da waren die Verhandlungen zu den neuen Stromtarifen noch nicht gelaufen und es gab Unternehmer, die überlegten, vier bis sechs Wochen zu schließen. Dr. Sarah Schniewindt ist nicht nur Chefin des örtlichen Arbeitgeberverbandes, sondern auch stellvertretende Vorsitzende des Märkischen Arbeitgeberverbandes. Ihr Netzwerk ist daher enorm. Gottlob hat sich das Ganze nun etwas relativiert. Die Verhandlungen sind gelaufen und bei der jüngsten Sitzung hörte sich Schniewindt noch einmal um: Schließen wird niemand, gleichwohl hätten viele mit nun fünffach erhöhten Stromtarifen zu tun. Eine gewisse Beruhigung sei eingetreten – auch wegen der politischen Deckelung und möglichen staatlichen Kompensationszahlungen. Dennoch: Schniewindt rechnet mit einer Abwanderung der energieintensiven Betriebe ins Ausland.

Galvaniken weiter unter Druck

Wie Firmen im Detail zu kämpfen haben, zeigt auch das Gespräch mit den Verantwortlichen des Oberflächenveredlers Muschert & Gierse. Hier ist schon mal klar, dass man den Betrieb nicht vorübergehend schließt. Hier ist der Geschäftsführer der Gruppe, Gert Friedrich Middendorf, etwas beruhigter angesichts der politischen Entscheidungen in Berlin zur Deckelung der Energiekosten. Und selbst die bedeutet für diesen energieintensiven Betrieb noch „eine Verdreifachung bei Strom und Gas“. Das führe im internationalen Vergleich natürlich für deutsche Unternehmen zu Wettbewerbsproblemen, sagt Middendorf. In der Galvanik-Branche komme noch hinzu, dass es „eine Verknappung bei Chemikalien und damit eine weitere Verteuerung von Produkten“ gebe.

Amerikaner locken mit günstiger Energie und Subventionen

Vermutlich hätten Hersteller beispielsweise von Salzsäure die Produktion heruntergefahren, weil die Herstellung eben teurer geworden sei. „Das ist schon ein interessantes Potpourri,“ sagte Middendorf zu den Turbulenzen in seiner Branche. Hinzu komme, dass Teile, die zum Beispiel von ihm als Dienstleister hergestellt würden, international verbaut würden. Da könne es passieren, dass diese Teile plötzlich nicht mehr in Deutschland eingekauft würden. Middendorf blickt hier auf die USA, wo Energie billig sei und die Ansiedlung von Industrien subventioniert werde. Dort können dann deutlich günstiger produziert werden. „Da stellt sich die Frage, ob solche Bauteile dann noch in Deutschland hergestellt werden.“

Fachkräfte: Ein Jahr Suche nach einem IT-ler

Die Energiepreise bleiben Thema neben dem anderen großen begrenzenden Faktor: Das ist der Fachkräftemangel. Damit haben nicht nur Verwaltungen zu kämpfen, sondern die gesamte heimische Industrie. Das weiß Schniewindt nicht nur aus ihrer eigenen unternehmerischen Tätigkeit, es werde ihr von den Mitgliedsfirmen auch aus Neuenrade gespiegelt. Der Fachkräftemangel ziehe sich vom fehlenden Azubi bis hin zum dringend benötigten IT-Techniker. „Wenn sie da einen IT-ler benötigen, dann müssen sie schon ein Jahr Suche rechnen.“ Auch mit den Auszubildenden wird es schwierig. So seien viele Stellen für das kommende Ausbildungsjahr unbesetzt. „Bekam man früher reichlich Bewerbungen, so sind es jetzt viel, viel weniger. „Da spielt natürlich der demografische Wandel eine Rolle.“ Und sie befürchtet, dass da „eine große erste Welle“ auf die Wirtschaft zurolle, von deren Ausmaß sich viele noch keine Vorstellungen machen würden. Die geburtenstarken Jahrgänge gingen demnächst in Rente und es könne wegen der Demografie kaum jemand nachfolgen.

Frei werdende Mitarbeiter werden vom Markt aufgesogen

Ein Rezept, um die Lücken zu füllen hat Schniewindt nicht: Die fehlenden Fachkräfte müssten durch „die vorhandenen Mitarbeiter kompensiert“ werden. „Und es ist eigentlich jetzt schon so“, sagt Schniewindt. Um die Dimensionen zu verdeutlichen, verweist sie auf ein größeres Unternehmen in der Region, das mehre hundert Mitarbeiter entlassen habe. „Die wurden vom Markt direkt wieder absorbiert,“ sagt sie. Eine weitere Folge sei der Rückgriff der Unternehmen auf Dienstleister: Könne man keine Mitarbeiter rekrutieren, so müsse man eben auf externe Dienstleister zurückgreifen.

Preisliche Konkurrenz aus Osteuropa

Dr. Schniewindt sieht in dem Fachkräftemangel auf jeden Fall einen konjunkturbegrenzenden Faktor. Wenn man seine Kunden nicht bedienen könne, so verliere man sie eben an die Konkurrenz im Ausland. Und da habe zum Beispiel Osteuropa mit seinem Potenzial durchaus Wettbewerbsvorteile. Da gehe es dann auch um geringere Entlohnung und höhere Arbeitszeiten, um die man konkurrieren müsse.

Qualität und Innovation als Wettbewerbsvorteil

Gleichwohl habe aber die Deutsche Industrie und auch gerade hier in Südwestfalen „einen Wettbewerbsvorteil“: „Das ist die Qualität. Da haben wir alle die Nase vorn, auch was die Innovation angeht.“ Erst jüngst habe sie dazu ein interessantes Kundengespräch geführt, aus dem sie gerne zitiert: „Wenn ein Projektmanager entscheiden könnte, wählt er immer die deutschen Produkte, weil da alles funktioniert und die Produkte lange halten.“ Einkäufer hingegen würden vordergründig auf das Geld – sprich das momentan günstigere Angebot – schauen. Sarah Schniewindt hält das natürlich nicht für die richtige Entscheidung. Sie betont: Im internationalen Wettbewerb seien die deutschen Produkte zwar häufig teurer – aber hätten die höhere Qualität.

Eigenausbildung und schnelle Qualifizierung von Zuwanderern

Grundsätzlich bleibe der Fachkräftemangel eine Gefahr. Das Instrumentarium der Firmen sei hier allerdings begrenzt. die Unternehmen müssten auf „intensive Eigenausbildung“ setzen. Und es sei auch klar, dass der Mangel an heimischen Arbeitskräften durch möglichst qualifizierte Zuwanderung ausgeglichen werden müsse. Es gelte aber auch unbedingt, jegliche Zuwanderer richtig und viel schneller zu qualifizieren. Die Sprache spiele da eine wichtige Rolle, damit die Menschen schneller den Zugang zum Arbeitsmarkt finden könnten. Unternehmer würden hier anregen, das Deutschlernen parallel zur Ausbildung an den Fachschulen zu bewerkstelligen. Generell müsse in Deutschland vieles flexibler und unbürokratischer gestaltet werden.

Es bleiben Unsicherheiten

Vom Grundsatz her optimistisch, scheint Unternehmerin Dr. Schniewindt von den Krisen der jüngsten Vergangenheit wie Corona und Russland-Ukraine-Krieg vorsichtiger zu sein angesichts der politischen Unsicherheiten. „Man weiß nie, was noch passiert.“

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