Kirchenführungen: Bedeutender Baumeister entwarf St. Georg

Den Adler brachte der schottische Pastor James Douglas in den 1970er Jahren nach Küntrop. - Foto: Jentzsch

Neuenrade- Wie ist es nur möglich, dass einer der bedeutensten deutschen Kirchenbaumeister des 20. Jahrhunderts neben einen Vielzahl von beeindruckenden Kathedralen auch die kleine Küntroper Dorfkirche entwarf? Dominikus Böhm gibt den Küntropern fast 60 Jahre nach seinem Tod noch Rätsel auf. Das änderte aber nichts daran, dass beim ersten Tag der offenen Kirche in den Sommerferien am Sonntagnachmittag einige interessierte Besucher auf ihre Kosten kamen.

Diözesan-Baumeisterin Emanuela von Branca hatte der Gemeinde im Vorjahr einen Besuch abgestattet und dabei ihr weitreichendes Wissen an die Küntroper weitergegeben. Der Affelner Kirchen-Fachmann Friedhelm Grote war einer der ersten Besucher, der sich am zurückliegenden Sonntag die Chance nicht entgehen ließ, den Geheimnissen des Küntroper Gotteshauses auf den Grund zu gehen. „Die Kirche wird unterschätzt“, meinte er abschließend, nachdem ihm Angelika Stracke und Rainer Grünebaum die wahrlich aufschlussreichen Details des Baus näher gebracht hatten. Dabei bezog er sich keineswegs nur auf die vielen geschichtsträchtigen Exponate, die sich innerhalb der denkmalgeschützten Mauern befinden, die architektonischen Besonderheiten seien allemal einen Besuch wert.

Das war auch Emanuela von Branca bewusst, die sich offensichtlich intensiv mit dem Böhm-Bau auseinandergesetzt hatte und auf Details aufmerksam machte, die selbst regelmäßigen Kirchgängern nicht aufgefallen waren.

Dominikus Böhm sei ein Baumeister gewesen, der die Kunst des Gestaltens mit Licht beherrschte. Angefangen von der Position der Fenster bis zur Ausgestaltung des Glases – Böhm zog alle Register, um die zentralen Stellen des Gotteshauses in den Fokus zu rücken, wie zum Beispiel den Altar. Die Farbgebung an der Decke fällt auf, wechselt von schwarzen Teilflächen im Kirchenschiff zu roten im Altarraum und unterstützt die Ausrichtung zum Altar. Zudem ruht die Decke nicht auf störenden Säulen, wie man sie aus vielen anderen Kirchen kennt. Es handelt sich um eine hängende Konstruktion, die ihre Last über den Dachstuhl abträgt. „Details, die auf den ersten Blick verborgen bleiben“, meinte Angelika Stracke.

Erste urkundliche Erwähnung bezüglich einer Kapelle in Küntrop gehen auf das Jahr 1497 zurück. Teile des aktuellen Gebäudes wurden 1777 errichtet, Dominikus Böhm legte dann 1939 „Hand“ an. Seine Signatur ist zum Beispiel in den Fenstern zu finden. Man vermutet, dass der Kontakt zu Böhm über den ehemaligen Pfarrvikar Dr. Rudolf Schumacher zustande kam. Dokumentiert ist dieser Zusammenhang aber nicht, gaben die Kirchenführer an.

Selbst nicht fachkundigen Kirchgängern dürfte der mächtige goldfarbene Adler im Altarraum auffallen. Ein Exponat aus der Ära des Pastors James Douglas. Der Schotte hatte sich in den 1970er Jahren ein Andenken aus seiner Heimat mit nach Küntrop gebracht und seitdem ziert das Tier die Küntroper Kirche. „Untypisch für Kirchen in unserer Region“, erklärten Grünebaum und Stracke den Besuchern.

In dem geschichtsträchtigen Gebäude, das den Gläubigen seit Jahrhunderten als Anlaufstelle dient, gibt es reichlich zu entdecken. In den Sommerferien stehen die Türen der Kirche an jedem Sonntagnachmittag ab 14 Uhr offen. Und es warten noch etliche Details auf die Besucher, die hier keine Erwähnung gefunden haben. Allein die Fenster, auch die kunstvoll verzierten im Innenraum, versprechen reichlich Stoff für architektonische Gesprächsrunden.

- Von Markus Jentzsch

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