Weihnachten bei 30 Grad

Weihnachten fällt in Australien mitten in die Sommerferien: Eine ganz neue Erfahrung für den Neuenrader Schüler.

ADELAIDE/NEUENRADE ▪ Der Neuenrader Schüler Robert Kaluza verbringt ein Jahr am St. Peter’s College im australischen Ort Adelaide und berichtet in unserer Zeitung regelmäßig von seinen Erfahrungen und Erlebnissen.

Inzwischen sind seit meiner Ankunft hier in Adelaide und der „Einschulung“ in das laufende neunte Schuljahr vier Monate vergangen und der Schulalltag ist für mich eingekehrt. Der Sommer kommt, es gab bereits Tage mit Temperaturen von 33 Grad. Das Schuljahr ist hier in Australien in vier „Terms“ unterteilt. Es endet bald und die „Final Exams“ stehen an.

Der Stress für uns alle steigt dadurch enorm an. Alle Lehrer versuchten auf den letzten Drücker ihren Schülern (St. Peter´s College ist eine reine Jungenschule) noch den Stoff beizubringen, den sie für die Prüfungen benötigen. In Australien haben die Schüler nämlich nur jedes halbe Jahr „Exams“, also die Abschlussprüfungen: Einmal bevor die Winterferien beginnen und dann noch einmal kurz vor den Sommerferien. Man kann es sich wie die Prüfungen an einer Universität vorstellen, denn es wird der ganze Stoff des letzten Halb- oder des ganzen Jahres abgefragt. Diese Prüfungen sind auch sehr wichtig für die Schüler, da in Australien die mündliche Beteiligung im Unterricht nur sehr gering gewichtet wird und die „Exam“ Note 70 Prozent unserer Schuljahresnote ausmacht.

Am St. Peter´s College sind auch viele Schüler aus dem Asiatischen Raum. Daher gibt es neben dem regulären Englischunterricht auch noch das Fach „ESL“ (Englisch as Second Language), an welchem ich selbstverständlich auch teilnehme. In diesem Fach wurde bereits der Bereich Textverständnis abgeprüft. Wenn ich zuhause in Deutschland weiterhin so gut im Englischunterricht abschneide wie jetzt, dann hat sich der Aufenthalt in Australien schon gelohnt.

Der Sport hat am College einen großen Stellenwert. Je nach Jahreszeit bietet die Schule viele unterschiedliche Sportarten an. Von Adelaide ist es bis zum nächsten Gewässer nicht weit und so wird auch Segeln als Sportart angeboten. Da das Sauerland nicht grade als Segelgebiet bekannt ist, habe ich die Gelegenheit genutzt und den Kursus belegt. Jeden Samstag starten wir um 10 Uhr morgens, indem wir unsere Boote fertig machen. Danach haben wir manchmal ein wenig Theorieunterricht und dann geht es ab aufs Meer.

Vormittags üben wir zum Beispiel Starts oder einen bestimmten Kurs zu fahren. Dies wiederholen wir immer und immer wieder, damit wir bei der nächsten Regatta die Schnellsten sind. Der interessantere Teil des Tages ist für mich aber der Nachmittag, an welchem jeweils zwei Rennen stattfinden. Ein Rennen dauert etwa 45 Minuten und macht richtig Spaß. Segeln ist ein großartiger Sport, da es niemals dasselbe ist: Der Wind und die Strecke sind immer anders. Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Sport hier betreiben kann.

Vor einigen Wochen ist einer der wichtigsten Tage in diesem Schuljahr für die älteren Schüler des Colleges gewesen: Der sogenannte „Blue and White“. Der „Blue and White“ ist der Abschlussball an unserer Schule, zu welchem aber nur die Elf- und Zwölfklässler gehen dürfen. Man hat keine Probleme eine Partnerin für diesen Abschlussball zu finden, da dieser Schulball als der beste in ganz Adelaide gilt. Das ist auch der Grund, warum schon Wochen vorher Friseurtermine gebucht werden.

Es braucht eine Woche um alles für diesen Schulball aufzubauen, da nicht nur die Schulaula dekoriert wird. Auch Zelte und sogar ein Karussell, welches in der Nacht mit bunten Lichtern als Fotomotiv dient, müssen aufgebaut werden. In diesem Jahr wurde das Thema Karneval umgesetzt und die Schulhalle entsprechend dekoriert.

Bevor die Schüler überhaupt zum „Blue and White“ gehen, treffen sie sich mit der Gruppe, mit der sie dann gemeinsam zum Ball gehen. Es wird etwas gegessen und die ersten Fotos werden geschossen. Die Veranstaltung an sich ist gar nicht einmal das Wichtigste. Wesentlich wichtiger sind die Fotos mit Freunden und Lehrern. Nachdem der Schulball dann um Mitternacht vorüber ist, gehen die Schüler mit der gesamten Jahrgansstufe zu einer After-Party, die meistens in der Stadt stattfindet und privat organisiert wird.

In meinen australischen Sommerferien besucht mich meine Schwester Katharina. Wir werden eine Wohnwagentour entlang der Westküste unternehmen. Es wird bestimmt sehr interessant, Weinachten bei 30 Grad zu erleben. Zum Jahreswechsel fliegen wir nach Sydney, wo wir uns das Feuerwerk an der Harbour Bridge anschauen werden. Weil wir in Sydney zehn Stunden vor Deutschland den Jahreswechsel begehen, können wir dann unseren Eltern berichten, ob der angekündigte Weltuntergang wirklich stattfindet.

Von Robert Kaluza

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