So soll ein Neuenrader jede Menge Waren ergaunert haben

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Neuenrade - Sollten sich die zahlreichen Anklagepunkte eines Strafverfahrens bestätigen, so muss ein 29-jähriger Neuenrader im Zeitraum von November 2017 bis Januar 2019 äußerst virtuos mit Urkundenfälschungen, Zahlungsmanipulationen und betrügerischen Warenangeboten im Internet operiert haben.

Die Vorwürfe waren allerdings derart komplex, dass selbst der Staatsanwalt im Amtsgericht Altena eine Vertagung der Verhandlung zur umfassenden Aufklärung für geboten hielt: „Ich bräuchte mehr Informationen, um das verstehen zu können“, erklärte er. Richter Dirk Reckschmidt schloss sich dieser Einschätzung an.

Laut Anklage hatte sich der Neuenrader auf unbekannten Wegen Personaldaten verschafft und diese 16 Mal für Internetbestellungen missbraucht, die er selber entgegennahm. Teilweise ließ er sich die Waren auch an Packstationen schicken – unter anderem in Werdohl und Balve.

Auf diese Weise soll er sich unter anderem zwei Apple-i-Phones für je gut 800 Euro, ein Notebook für 1700 Euro und ein „MacBook“ für 1900 Euro verschafft haben. Aber auch Sportbekleidung, Bücher und Elektronikzubehör soll der Angeklagte auf diese Weise finanziert haben. In einigen Fällen blieb es beim Versuch, weil die Personen zu den angegebenen Namen schnell auf entsprechende Mitteilungen der Lieferfirmen reagierten.

Geklaute Daten missbraucht?

In weiteren 19 Fällen soll der Angeklagte ebenfalls Daten anderer Personen „unter Überwindung der Zugangssicherung erlangt und Datenverarbeitungsprozesse manipuliert“ haben. Diese Daten soll der Angeklagte dann missbraucht haben, um Geld auf ein anderes Konto zu transferieren oder Wetteinsätze bei Sportwetten im Internet zu finanzieren.

In mehreren Fällen soll es ihm gelungen sein, Beträge von fremden PayPal-Konten abzubuchen. Auch in dieser Liste befinden sich größere Anschaffungen – unter anderem ein Fahrzeugdiagnosesystem für 2000 Euro, das der Angeklagte sich angeblich von anderen bezahlen ließ.

Angeklagter streitet Taten nicht ab

In einer ersten Stellungnahme stritt der 29-Jährige die Taten nicht ab. Aber auch er war mit Stellungnahmen zu den jeweiligen Vorgehensweisen bei 35 Taten mit einer hohen vierstelligen Gesamtschadenssumme zunächst überfordert. Immerhin soll sich das Geschehen über 15 Monate hingezogen haben.

Das „volle Programm“, das Richter Dirk Reckschmidt für das Verfahren ankündigte, könnte eine umfangreiche Beweisaufnahme mit Zeugen aus ganz Deutschland bedeuten. Und auch zu den technischen Fragen der dem Angeklagten vorgeworfenen Manipulationen gibt es noch viele offene Fragen.

Verglichen damit dürfte ein weiterer Anklagepunkt schnell geklärt sein: Am 27. Juli soll der Angeklagte um 3.45 Uhr erhebliche Mengen Cannabis und Amphetamin im Blut gehabt haben, als er mit einem Fahrrad in Schlangenlinien die Eulengasse befuhr. Dabei soll er sich „bedenkenlos über sämtliche Verkehrsregeln hinweggesetzt haben“.

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