Solarstrom: Zig Arbeitsplätze gefährdet

NEUENRADE ▪ All jene, die aktuell mit der Produktion von Solarelementen unmittelbar oder mittelbar Geld verdienen, laufen derzeit Sturm gegen ein gemeinsames Vorhaben von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und Umweltminister Norbert Röttgen zur Photovoltaik. Mit den Vorschläge, die sie auf Basis einer EU-Effiziensrichtlinie verwirklichen wollen, soll bei der Photovoltaikförderung die Zubaumenge und die Kosten gebremst werden. Massiv.

Etliche Unternehmer sehen die gesamte Branche und damit jede Menge Arbeitsplätze direkt und indirekt betroffen und gefährdet. Geradezu empört sind die Unternehmer darüber. Auch Stefan Hilleke, Geschäftsführer bei Schürmann & Hilleke Umformtechnik GmbH, kann sich kaum beruhigen: „Da will man mit einem Federstrich all das zunichte machen, was eine Branche in Deutschland innerhalb von zwölf Jahren sorgsam aufgebaut hat. Die fahren die Betriebe vor die Wand“. Er hat auch Zahlen parat, kennt sich nach eigenen Angaben bestens aus, er sei seit über einem Jahrzehnt damit geschäftlich befasst. So beziffert er die Zahl der akut bedrohten Arbeitsplätze mit 100000 und weitere 150000 Jobs, die mittelbar betroffen sind.

Hilleke ist überzeugt, dass durch das Vorhaben allein die Interessen der stromproduzierenden Großkonzerne bedient würden. Die Dezentralisierung der Energieversorgung werde damit einfach torpediert. Und gerade die Solarbranche habe gut Gewinne erwirtschaftet. Selbst hier im Sauerland würden Renditen zwischen drei und sieben Prozent erwirtschaftet, In anderen, sonnigeren Regionen sei das viel mehr. Und durch die geplanten, kurzfristeigen Kappungen bei Menge und Vergütung werde das für Großinvestoren und Privatinvestoren völlig unrentabel. Das wäre dasselbe, als würden innerhalb von 14 Tagen die Spritpreise um zwei Euro pro Liter angehoben, da würde sich auch niemand ein neues Auto kaufen.

Mit einer Reduzierung habe auch jeder in der Branche gerechnet und kalkuliert. Doch dieses gnadenlose, schnelle Handeln von den beiden Bundesministern sei bewusst inszeniert. Da könne in der Branche niemand reagieren und so kurzfristig seine Einkaufspolitik umstellen. „Da brauchen sie mindestens ein halbes Jahr Einkaufsvorlauf“, sagte Stefan Hilleke. So wäre der Branche schon geholfen, wenn das Vorhaben zeitlich erheblich gestreckt werden würde. Doch laut Pressemitteilung von Rösler/Röttgen „steht die zügige praktische Umsetzung der Beschlüsse zur Energiewende im Vordergrund“. Die Vergütungssätze würden gegenüber 2009 halbiert und vor dem Hintergrund des in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegenen Ausbauvolumens, diene die Förderungskürzung dem Zweck, die Erneuerbare-Energien-Gesetzes-Umlage für den Verbraucher stabil zu halten. In verschiedenen Veröffentlichungen spricht Röttgen auch von einer Über-Förderung.

Hilleke bestreitet all das. Für ihn ist das ganze sozusagen eine erneute Kehrtwende zugunsten von Großkraftwerken und gegen eine Dezentralisierung. Der Geschäftsführer bei Schürmann & Hilleke Umformtechnik GmbH macht dort aktuell „zwei Prozent Umsatz“ mit entsprechenden Produkten (Befestigungselemente für Solarmodule). Vier Jobs bei der Vertriebsgesellschaft in Süddeutschland seien mit vier Mitarbeitern betroffen und er weiß von weiteren 40 Mitarbeitern im näheren Umfeld „bei Kooperationsfirmen“, deren Arbeitsplätze durch dieses Vorhaben massiv gefährdet seien. ▪ Peter von der Beck

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