Viel Arbeit, aber kaum Einnahmen

So versucht ein Reitbetrieb die Corona-Krise zu meistern

Susanne Appelhans kümmert sich täglich um 38 Pferde, so dass sie zusammen mit Sohn Finn auch in der Zeit des Teil-Lockdowns im November mehr als gut zu tun hat.
+
Susanne Appelhans kümmert sich täglich um 38 Pferde, so dass sie zusammen mit Sohn Finn auch in der Zeit des Teil-Lockdowns im November mehr als gut zu tun hat.

Die Corona-Krise macht vielen Unternehmen schwer zu schaffen, auch dem Reitbetrieb von Susanne Appelhans in Küntrop. Sie hat 330 Kunden, aber für die darf sie im Momet keine Reitstunden anbieten. Versorgt und bewegt werden müssen die Pferde dennoch. Das macht Arbeit und kostet Geld, gleichzeitig fehlen aber die Einnahmen.

Küntrop ‒ „Nachholen können wir das, was jetzt gerade an Reitstunden ausfällt, im nächsten Jahr nicht“, sagt Pferdewirtschaftsmeister Finn Appelhans. „Wir können die unseren etwa 330 Kunden entgangenen Stunden ja nicht sprichwörtlich auf dem Rücken unserer 38 Pferde austragen.“

Auf dem 17.000 Quadratmeter großen Gelände an der Grevener Straße in der Nähe der Küntroper Schützenhalle sind insgesamt 55 Stuten und Hengste beheimatet. Die 17 Rösser, die nicht der Familie Appelhans gehören, werden von ihren Besitzern selbst beschäftigt. „Einige sind einmal in der Woche da, andere auch täglich“, erklärt Reitausbilder Finn Appelhans.

Seine Mutter, in deren Reitbetrieb er beschäftigt ist, fügt an: „Das sind die einzigen, die wir seit Monatsbeginn noch auf das Gelände lassen dürfen. Dass die Besitzer an ihre Pferde kommen,ist derzeit noch durch das Tierschutzgesetz gesichert.“

Möglich macht dies ein digitaler Besuchsplan, den die Eigentümer der Pferde zuhause vorab aufrufen müssen, um sich dort einzutragen. „Die maximale Verweildauer pro Tag liegt bei 90 Minuten“, ergänzt Susanne Appelhans. Die Reiterhof-Inhaberin erklärt: „Und das ist auch die Zeit, die jedes Pferd pro Tag beschäftigt werden sollte.“ Sohn Finn ergänzt: „In freier Wildbahn legt ein Pferd am Tag zwischen 30 und 50 Kilometer zurück.“

Dass Musikschulen nun wieder unterrichten dürfen, wir aber nicht, dafür habe ich kaum Verständnis.

Susanne Appelhans, Reitbetrieb-Inhaberin

Seine Mutter wie auch er sind ihren Kunden überaus dankbar. „Die haben uns nicht hängen lassen und beim ersten Lockdown im Frühjahr sogar die Hälfte ihrer Beiträge gezahlt“, sagt Susanne Appelhans. „Im Moment buchen wir bei unseren Reitern aber nichts vom Konto ab“, fügt ihr Sohn an.

2007 hat die Sunderanerin Susanne Appelhans sich mit ihrem eigenen Reitbetrieb selbstständig gemacht, zunächst in Wocklum. Seit nunmehr fünf Jahren residiert das Unternehmen in Neuenrade-Küntrop am heutigen Standort. „Unsere Kunden stehen hinter uns. Für ihre Unterstützung haben wir uns dann auch bedankt - mit einem kostenlosen Reitertag und Theorieunterweisungen, die sie nicht bezahlen mussten.“

Im Sommer seien viele Reitbegeisterte aus dem Sauerland nicht in den Urlaub gefahren und hätten dem heimischen Unternehmen somit nach den ersten Lockerungen auch wieder Einnahmen beschert. „Doch die Einbußen, die wir hatten, sind trotzdem erheblich“, verrät Susanne Appelhans. „Da wir gleichwohl etwas verdient haben in den vergangenen Monaten, ist auch noch nicht ganz sicher, ob uns eine Coronahilfe zusteht“, hofft ihr Sohn auf Unterstützung vom Staat.

Immerhin seien die meisten Kunden dem Betrieb treu geblieben. „Nur zwei oder drei haben uns gekündigt“, sagt Inhaberin Susanne Appelhans erfreut. Sogleich kritisiert sie aber auch: „Dass Musikschulen nun wieder unterrichten dürfen, wir aber nicht, dafür habe ich kaum Verständnis. Denn hier auf der weitläufigen Anlage kann man sich doch gut aus dem Weg gehen.“ Die meisten Aktivitäten fänden ohnehin unter freiem Himmel statt. Und für die Halle habe sich bereits im Frühjahr eine „Einbahnstraßen-Regelung“ etabliert.

Wir stellen sicher, dass die Pferde ausreichend Bewegung bekommen und so ihren Trainingszustand erhalten.

Finn Appelhans, Pferdewirtschaftsmeister 

Nach den Lockerungen der Lockdown-Einschränkungen gab es zunächst einen Betrieb auf halber Flamme, irgendwann war sogar der Regelbetrieb wieder hergestellt. Und nun wiederholt sich für die Familie Appelhans die Corona-Zwangspause. Finn Appelhans zuckt mit den Schultern und sagt: „Wir beschäftigen uns mit den Tieren.“ Zudem hätten sie die zurückliegenden Monate für Renovierungsarbeiten auf dem Gelände sowie an der Internetseite genutzt.

„Von den Tieren kommt soviel zurück. Das hilft uns auch. Da sind wir mal von den Sorgen abgelenkt“, sagt Susanne Appelhans. Zeit, um aufgrund der Situation niedergeschlagen zu sein, sei da kaum gegeben. „Enttäuscht bin ich aber schon, wenn ich Spaziergänger, etwa Großeltern mit ihren Enkeln, wegschicken muss, die hier vorbeischauen, um die Pferde zu streicheln.“

Trotz der Zwangspause „ist unsere Kostenstruktur nahezu unverändert“, sagt Susanne Appelhans. Durch die Trockenheit der vergangenen Jahre seien die Futterkosten sogar angestiegen. Das habe zwar mit Corona nichts zu tun, „doch auch durch Kurzarbeitergeld sparen wir derzeit nichts ein, es muss ja trotzdem weiter gehen.“

Die aktiven Reiter – vor allen die Kinder – litten allerdings schon. „Am Telefon bekommen wir mit, dass die Mädchen und Jungen todtraurig sind und nicht verstehen, warum sie zwar in die Schule müssen, aber nicht zu ihren Tieren dürfen“, zeigt Susanne Appelhans großes Verständnis.

Noch in der zweiten Herbstferienwoche haben 65 Kinder ihre Reitprüfungen absolviert. Jetzt müssen Susanne und Finn Appelhans ihre 38 Pferde selbst beschäftigen, sei es an der Longe, also an der Leine, oder freilaufend auf dem Paddock, sprich dem Außengelände. Der Pferdewirtschaftsmeister erklärt: „Wir stellen sicher, dass sie ausreichend Bewegung bekommen und so ihren Trainingszustand erhalten.“ Richtige Trainingseinheiten sind derzeit verboten. Doch durch die Ersatzmaßnahmen bleiben die Pferde auch so fit.

„Unter dem Strich ist es einfach eine schwierige Situation“, sinniert die Reiterhof-Inhaberin. Ihr Sohn weiß: „Doch auch viele unserer Kunden sind ja beruflich selbst belastet durch Corona. Aber irgendwann geht es ja wieder weiter!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare