Dienstreisende und Food to go

So manövriert sich renommiertes Hotel-Restaurant durch die Pandemie

Kaisergarten-Pächter Engelbert Groke in seiner Küche.
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Kaisergarten-Pächter Engelbert Groke in seiner Küche.

Das Gastgewerbe gehört bisher zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie. Wochenlange Öffnungsverbote bringen viele Betriebe in Existenznot. Ein traditionsreiches Haus versucht, irgendwie durch diese Krise zu kommen. Dabei wollte der Inhaber eigentlich schon längst das Feld geräumt haben.

Neuenrade ‒ Es ist nicht mehr lange hin, dann läuft der Pachtvertrag für Engelbert Groke ab. Am Freitag, 30. April wird er wohl ein letztes Mal die Eingangstür zum Kaisergarten aufschließen. Einen Tag später könnte er den Schlüssel – theoretisch – an den oder die Nachfolger übergeben. Doch da scheint noch nichts Konkretes in Sicht. Kämmerer Gerhard Schumacher ist einer der Geschäftsführer der Kaisergarten GmbH, eine 100-prozentige Tochterfirma der Stadt. Er sagte auf Nachfrage, dass es „Interessenten genug“ gebe: „Doch vor dem Hintergrund der Pandemie sind Verhandlungen und Gespräche erschwert.“ In der nächsten Zeit werde man die Angelegenheit im zuständigen Gremium erörtern.

Derweil kümmert sich Engelbert Groke weiter ums Geschäft. Das bedeutet in diesen Tagen „Food-to-go“ und sich um die Hotelgäste kümmern. Mehr geht nicht. Restaurant und Veranstaltungssaal sind wegen Corona stillgelegt. Da bleibt nur der Hotelbetrieb. 18 Zimmer hat der Kaisergarten. Und ein paar Gäste gibt es wenigstens. Da ist jene Mannschaft, die bei der Brandschadenbeseitigung bei Tyrolit hilft, und eben andere Besucher, die aus beruflichen Gründen in Neuenrade weilen müssen.

Groke ist von den Verantwortlichen der Stadt im vergangenen Jahr quasi breitgeschlagen worden, doch noch ein Jahr weiter zu machen, weil man noch keinen Nachfolger gefunden hatte. Er blickt auf ein für die Branche dramatisch schlechtes Jahr zurück. An finanziell ähnlich schlechte Zeiten kann sich Engelbert Groke nicht erinnern. Nicht einmal zur Finanzkrise 2008/2009 sei es so schlecht gewesen.

Und nun: Wenig Umsatz. „Food-to-go“ unter der Woche sei nicht der Bringer, am Wochenende schon eher. Aber im Grunde sei es auch nur der Versuch, im Gespräch zu bleiben. Seine Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, die Kosten müsse er vorfinanzieren, zumal die staatlichen Zuschüsse mit entsprechenden Abzügen immer mit viel Verspätung kommen würden. Für den Großteil der Aushilfen hat er zudem keine Arbeit. Wenigstens Azubi Melina Gaentzsch hat „immer was zu tun“, wie die junge Frau selber sagt.

Groke kann auch schon jetzt sagen, dass er das Jahr „mit einem Minus“ abschließt. Dabei sei man ihm in Sachen Pacht noch entgegen gekommen, sagte er. Nun weiß der 62-Jährige noch nicht so recht, wie es nach Auslaufen des Pachtvertrages weitergeht, da gebe es eine Reihe von Überlegungen. Klar sei für ihn allerdings, dass er „nicht wie Kollege Helmut noch mit 80 aktiv als Gastronom tätig“ sein möchte. Als Selbstständiger mit dem gewaltigen Druck, Großveranstaltungen im Kaisergarten zu bewältigen, möchte er das nicht unbedingt.

Das sollte aber der Nachfolger. Da müsse ein echter Gastronom her, der sich zudem mit großen Veranstaltungen auskenne und auch die neuen Medien nutzen könne. Und nicht zuletzt sei Qualität das A und O. „Wenn die stimmt, dann kommt alles andere von alleine.“ Für die Zukunft der Branche wünscht sich Groke jedenfalls, dass es „gut weitergeht und dass die Leute wieder essen“ gehen. Er glaubt, dass sich auch die Zahl der Geschäftsessen wieder auf normalem Niveau einpendele – trotz Videokonferenzen. „Das Persönliche kann dadurch nicht ersetzt werden.“

Groke scheint Optimist zu sein. Er glaubt auch, dass wohl der Großteil der Gastronomen die schlimme Zeit überstehen. Er jedenfalls verzeichne Anfragen für die zweite Jahreshälfte. Und rückblickend kann Engelbert Groke der Coronazeit auch etwas Gutes abgewinnen: Weniger Stress hätten er und seine Frau gehabt. „Solch ein ruhiges Weihnachten hatte ich noch nie.“

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