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Windräder: Kreis prüft den 24-Stunden-Betrieb

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Von: Peter von der Beck

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Die Windenergieanlagen auf dem Kohlberg laufen nur im Winter rund um die Uhr. Im Frühjahr und Sommer dürfen sie aktuell nur nachts zwischen abendlicher und morgendlicher „bürgerlicher Dämmerung“ laufen.
Die Windenergieanlagen auf dem Kohlberg laufen nur im Winter rund um die Uhr. Im Frühjahr und Sommer dürfen sie aktuell nur nachts zwischen abendlicher und morgendlicher „bürgerlicher Dämmerung“ laufen. © Peter von der Beck

Neuenrade – Der Geschäftsführer von SL Windenergie baut Druck auf: „Wir sehen keinen Grund, warum sich die Anlagen tagsüber nicht drehen sollen. Trotzdem haben wir keine Rückmeldung vom Kreis.“

Milan Nitzschke spielt bei der Präsentation einer der Windräder auf dem Kohlberg für das SPD-Landtagsmitglied Inge Blask in der vergangenen Woche auf das Einreichen weiterer Unterlagen beim Märkischen Kreis an (wir berichteten). Dabei ging es um verbesserte und zusätzlich Unterlagen zur Betriebsgenehmigung der Anlagen.

Derzeit nur nachts in Betrieb

Derzeit sind die sechs Windräder zwischen 15. Februar und 31. Oktober „zwischen morgendlichem Beginn und abendlichem Ende der bürgerlichen Dämmerung“ abzuschalten. Strom wird daher nur nachts produziert. Der Hintergrund ist: Zugvögel wie der Rotmilan weilen dann wieder im Lande und könnten durch die Flügel möglicherweise gefährdet sein. Das dem auf dem Kohlberg aber nicht so ist, werde eben durch die überarbeiteten Unterlagen dokumentiert. SL Naturenergie beantragt mit diesen Unterlagen, die mit Änderungsbescheid angeordnete Betriebsbeschränkung aufzuheben.

Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen

Auf die Kritik des Geschäftsführers reagiert man beim Kreis mit dem Verweis auf die Fristen. Schließlich habe man innerhalb eines Zeitraums zunächst die Vollständigkeit der Unterlagen zu prüfen. Das müsse unverzüglich geschen, doch habe man in der Regel nach Eingang des Antrags vier Wochen Zeit und könne in begründeten Ausnahmefällen noch um zwei Wochen verlängern. Da der Antrag am 19. April eingereicht wurde, liege man im gesetzlichen Zeitplan. Und es seien noch „Rücksprachen mit anderen Behörden notwendig“, heißt es vom Kreis. Zudem befinde sich der Kreis noch in der Phase „der Umweltverträglichkeitsvorprüfung“.

Seitens der Behörde heißt es: „Es ist derzeit nicht absehbar, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Denn die Vollständigkeit der vorgelegten Unterlagen wurde noch nicht bescheinigt. Zudem steht das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsvorprüfung noch aus.“

SL-Windenergie-Geschäftsführer Nitzschke ist auch sehr guten Mutes, was die noch ausstehende Klage der Windradgegner gegen die Betriebsgenehmigung beim Oberverwaltungsgericht in Münster angeht. Nitzschke glaubt ziemlich sicher, dass das Verfahren zu gunsten seines Unternehmens ausgehen werde.

Potenzial für viel mehr Windräder im Kreis

Dennoch ist das Thema Klage aktueller denn je. Davon sind noch nicht einmal Konzentrationszonen für Windenergie gefeit. Auch die Fläche auf dem Kohlberg ist eine solche Zone. Und die werden derzeit gerne auch beklagt. Das bestätigt Marcus Henninger, Bauamtsleiter der Stadt Neuenrade. Er verweist auf formale Fehler wie nicht ausreichende Kennzeichnung, die andernorts zum Ende der Vorrangzonen geführt haben. Davon sei die Kohlberg-Fläche allerdings nicht betroffen. Doch es ergeben sich etliche andere Ansatzpunkte für Juristen: „Dabei muss jedoch der Privilegierung der Windenenergie im Außenbereich Rechnung getragen werden und sichergestellt sein, dass der Windenergie substanziell Raum verschafft wird. Die Frage, was ,substanziell’ konkret bedeutet, lässt sich pauschal nicht beantworten und ist stets im Einzelfall zu prüfen“, heißt es beim Lanuv (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz).

Nicht von ungefähr sind jede Menge nicht zimperliche Projektierer derzeit auch in Neuenrade unterwegs, um sich hier Flächen für weitere Windenergieanlagen zu sichern. Im Visier: Angeblich Flächen im südlichen Umfeld von Affeln.

Kalamitätsflächen nutzen

Die Politik schafft hier die Rahmenbedingungen, um das bundesweite Ziel, zwei Prozent der Gesamtfläche für alternative Energien zu Verfügung zu stellen, zu erreichen. Schon jetzt hoffen Windenergieanlagenbetreiber wie SL Naturenergie auf den Fall der 1000-Meter-Abstands-Regelung zwischen Windrädern und einer Bebauung. Zudem gibt es sogar reichlich Signale aus der NRW-CDU, die für die Bereitstellung von zehn Prozent Kalamitätsflächen für Windkraftanlagen plädieren. Das zumindest will man seitens der Lobbyisten gehört haben.

In Waldreichen Gebieten wie Altena und Plettenberg Einzelfallprüfung

Der aktuelle Bericht des Lanuv zeigt allein für den Märkischen Kreis erhebliches Potenzial auf. Ohnehin wird in der Studie klar gesagt, dass auch im Wald Windräder möglich seien. Generell auf Kalamitätsflächen. Bestimmte Voraussetzungen – geknüpft an die Qualität des Waldes – müssen allerdings gegeben sein. So fallen selbst waldreiche Gemeinden wie Altena, Plettenberg oder Sundern nicht aus dem Raster. Hier ist eine Einzelfallprüfung möglich, vor allem bei Kalamitätsflächen und Nadelwaldflächen. Es ist unter anderem vorgesehen, auf Kalamitätsflächen für die Windenergie eine befristete Nutzung von bis zu 30 Jahren bei anschließender Renaturierung zu ermöglichen.

Im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg sind laut der Lanuv-Potenzialstudie Windenergie bis 2030 sogar im besten Fall mehr als 900 Windräder möglich, im Märkischen Kreis sind es 45. Es gibt auch ein sogenanntes Restriktionsszenario. Da werden es erheblich weniger Anlagen, denn die Einzelfallprüfungsflächen werden bei der Berechnung dann ausgeschlossen.

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