So sieht die Zukunft der Hönnequell-Schule aus: Interview mit Jörg Leiß und Eva Päckert

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Die Hönnequell-Schule in Neuenrade.

Neuenrade - Die Gemeinschaftsschule in Neuenrade hat für das laufende Schuljahr nur 41 Anmeldungen erhalten und muss nun einen Jahrgang zwei- statt dreizügig fahren. Daraufhin war Krisenstimmung in der Stadt, zumal Konsens besteht, dass die weiterführende Hönnequell-Schule (HQS) eine der wichtigsten gesellschaftlichen Bausteine Neuenrades ist.

Zudem besteht angesichts sinkender Schülerzahlen Konkurrenz zu umliegenden Schulen. Hinzu kommt angeblich allgemein sinkendes Vertrauen in staatliche Schulen. Zu dem Themenkomplex sprach Redakteur Peter von der Beck mit Eva Päckert, Abteilungsleiterin für die Jahrgänge 8 bis 10, und dem didaktischen Leiter, Jörg Leiß.

Die Lehrer des Kollegiums engagieren sich über das normale Maß hinaus, es gibt interessante Projekte, die Schule ist bestens ausgestattet. Wenn es dennoch Kritik gibt an der Arbeit der Hönnequell-Schule – wie gehen sie damit um? Geht Ihnen das nicht auf den Geist? 

Jörg Leiß: „Natürlich nervt das. Vor allem, was Äußerungen in sozialen Netzwerken anbelangt und sich dann bei der Recherche herausstellt, dass Vorwürfe unsachlich und sogar erfunden sind. So entsteht ein falsches Bild, das teilweise kritiklos so angenommen wird. So etwas ist auch sehr schwer wieder einzufangen. Wir haben alles Menschenmögliche getan, um ein realistisches Bild von unserer Arbeit zu zeichnen.“ 

Eva Päckert: „Der beste Weg ist bei Kritik: Immer mit uns das Gespräch suchen. So werden viele Dinge ausgeräumt. Und vieles an Ärger entsteht erst gar nicht.“ 

Leiß: „Und noch eines möchte ich ergänzen: Die vielen zufriedenen Eltern hört man nicht.“ 


Privatschulen erfahren einen hohen Zulauf, wie erklären Sie sich das? 

Leiß: „Aus unserer Sicht ist das nicht nachvollziehbar. Wir leisten ja keine schlechte Arbeit. Und meiner Kenntnis nach erreichen auch Abgänger, die zu Privatschulen gehen, auch nicht mehr Kompetenzen als Schüler auf unserer Schule. Da haben öffentliche Schulen vielleicht ein schlechtes Image. Aber solche Dinge wie Lehrermangel – das trifft auf unsere Schule hier gar nicht zu. Wir sind voll besetzt. Und was die Zusammensetzung der Schülerschaft anbelangt, so bieten wir eben einen Querschnitt. Schüler mit Migrationshintergrund oder andere Gruppen sind bei uns nicht überproportional vertreten. Und Kinder an Privatschulen in ein Vakuum zu sperren, das geht an der Realität vorbei.“ 

Päckert: „Wir bereiten eben die Kinder auf die Realitäten der Gesellschaft vor.“ 

Es geht also nicht nur um das Unterrichten? 

Päckert: „Das ist eben der Erziehungs- und Bildungsauftrag, der uns am Herzen liegt. Das ist das Grundgerüst unserer Arbeit.“ 

Erklären Sie das Besondere einer Gemeinschaftsschule. Was ist zum Beispiel anders als an einer Gesamtschule? 

Leiß: „Wir haben kleine Klassen, die auf maximal 25 Schüler gedeckelt sind. Wir bieten Klassenräume und Differenzierungsräume. Wir haben also gute Möglichkeiten für Projektarbeit und das kooperative Lernen.“ 

Päckert: „Wir haben eine Schule für alle Schüler mit allen Möglichkeiten. Zudem haben wir den Vorteil klein zu sein. Jeder kennt jeden. Die Schüler-Lehrer-Relation ist sehr gut. Wir können den Schülern daher viele unterschiedliche Angebote machen – nach Stärken, Interessen und Leistungsvermögen.“ 

Leiß: „Die Kinder bleiben auch im Klassenverbund und sind in Erweiterungs- und Grundkurse aufgeteilt.“ 

Alles super also in der Gemeinschaftsschule? Haben Sie dazu Daten und Fakten? 

Leiß: „Wir haben uns die Mühe gemacht und unsere beiden Abschlussjahrgänge unter die Lupe genommen. Dabei sind wir auf die ursprünglichen Empfehlungen der Grundschulen für unsere Schülerinnen und Schüler gestoßen und haben das dann mit dem in Relation gesetzt, was sie tatsächlich dann bei uns erreicht haben.“ 

Päckert: „Bei jedem Jahrgang plus 20 Prozent, was die Berechtigung fürs Gymnasium anbelangt. Also hat sich die Leistung der Schüler verbessert.“ 

Leiß: "Zudem haben wir von unseren schulischen Partnern wie dem Burggymnasium gehört, dass die Schüler bislang keine Übergangsprobleme hatten und gut auf das Gymnasium vorbereitet wurden.“

Päckert: „Wer will, kann sich an unserem Tag der offenen Tür am kommenden Samstag auch mit ehemaligen Schülern unterhalten, die wir rekrutiert haben, damit sie den Eltern Rede und Antwort stehen.“ 

Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Schulen aus? 

Leiß: „Wir arbeiten eng mit der Burgschule zusammen, wir haben außerdem unsere schulischen Kooperationspartner, mit denen wir uns austauschen. Mit den Viertklässlern gab es ein naturwissenschaftliches Projekt zum Thema Magnetismus. Wir pflegen Kontakte zur Waldorfschule.“ 

Inzwischen kontaktieren Sie auch Grundschulen anderer Städte und Gemeinden? 

Päckert: „Ja. Das ist dort gut angekommen. Wir waren bei Grundschulen in der näheren Umgebung und haben Informationsmaterial hinterlegt.“ 

Wie ist der Zusammenhalt an der Hönnequell-Schule? 

Leiß: „Was uns in diesem Jahr gut gelungen ist, dass Elternvertreter, Schulleitungsteam und Ehemalige gut zusammenarbeiten. In dieser Hinsicht hat sich die Schule weiterentwickelt.“ 

Päckert: „Das Gefühl für die Gemeinschaft ist vermehrt da. Es gibt auch irgendwie eine Aufbruchstimmung.“ 

Der Tag der offenen Tür findet am Samstag, 24. November, von 10 bis 14 Uhr statt. Los geht es um 10 Uhr mit einer kurzen Einführung in der Aula. Anschließend können Eltern unter anderem die Fachunterrichte besuchen.

Von Peter von der Beck

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