So hat sich das Klima in Neuenrade und Werdohl schon verändert

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Die Schneetage, wie hier im bislang letzten Winter am Kohlberg, werden immer weniger. Das geht aus den Daten der Wetterstation deutlich hervor.

Neuenrade - Wer über den Klimwandel spricht - oder, wie wir derzeit, darüber berichtet – stellt fest, dass es Skeptiker gibt. Sie weisen darauf hin, dass es schon immer Wetter- und Klimaschwankungen gegeben hat. Doch wie sieht es tatsächlich aus, wenn wir die vergangenen 100 Jahre betrachten? Hat sich das Wetter vor unserer Haustür tatsächlich verändert? Und was lässt sich daraus ableiten?

Ein Blick auf die Daten der Meteorologischen Station am Staberg in Lüdenscheid gibt Aufschluss über die Veränderungen in den vergangenen fast 120 Jahren. Die Station ist eine der nächstgelegenen Einrichtungen, die schon seit so vielen Jahren Daten aufzeichnet, die somit einen Klimavergleich ermöglichen.

Hinzu kommt, dass die Lage der Lüdenscheider Wetterstation auf 444 Metern Höhe durchaus mit den topografischen Gegebenheiten in Werdohl und Neuenrade vergleichbar ist: Den höchsten Punkt erreicht die Stadt Werdohl mit 475 Metern über dem Meeresspiegel im Bereich des Hofes Wäsche an der Stadtgrenze zu Herscheid. Der tiefste Punkt mit 162 Metern ist das Flussbett der Lenne an der Stadtgrenze zu Altena.

In Neuenrade ist der 513,7 Meter hohe Kohlberg mit dem Quitmannsturm die höchste Erhebung. An der der Mündung der Höllmecke befindet sich mit 197 Meter der tiefste Punkt im Neuenrader Stadtgebiet.

Lufttemperatur

Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist im langjährigen Mittel seit 1900 von 7,3 auf 8,8 Grad Celsius gestiegen. Bis zum Jahr 2018 entspricht das einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius. Dabei ist seit Beginn der 1980er- Jahre aus dem linearen ein eher exponentieller Anstieg geworden – das bedeutet: Der Temperaturanstieg hat sich beschleunigt. So fielen acht der zehn heißesten Jahre im Betrachtungszeitraum auf die Zeit nach 2000. Das heißeste Jahr war 2018 mit einem Mittelwert von 10,5 Grad Celsius.

Das kälteste Jahr liegt lange zurück: 1956 wurde eine Jahresdurchschnittstemperatur von gerade einmal 6,3 Grad Celsius gemessen.

Warme Tage

An einem meteorologischen Sommertag klettert die Temperatur auf mindestens 25 Grad Celsius. An einem sogenannten heißen Tag sogar auf mindestens 30 Grad Celsius – im Schatten.

In beiden Kategorien gab es in den vergangenen fast 120 Jahren deutliche Steigerungen. Im langjährigen Mittel verdoppelte sich fast die Zahl der heißen Tage – von 1,8 auf 3,5. 2004 war das letzte Jahr ohne einen einzigen heißen Tag.

In den 14 Jahren seitdem gab es 72 heiße Tage. In den 41 Jahren von 1950 bis 1990 waren es nur 46. Im Durchschnitt gibt es im Bereich der Wetterstation heute fünf Sommertage mehr als im Jahr 1900 – nämlich 21.

Im vergangenen Jahr wurde mit 65 Sommertagen ein neuer Allzeit-Rekord aufgestellt. Dabei ist es auch weniger bewölkt. Im langjährigen Mittel beträgt die Sonnenscheindauer heute täglich 36 Minuten mehr als noch im Jahr 1900 – im Durchschnitt rund vier Stunden und 18 Minuten.

Kalte Tage

Hier unterscheiden die Meteorologen zwischen den so genannten Frost- und Eistagen. An einem Frosttag muss die Temperatur unter 0 Grad Celsius fallen. An einem Eistag steigt sie generell nicht über die Gefriergrenze.

Der Vergleich der Werte aus fast 120 Jahren zeigt in beiden Kategorien deutliche Rückgänge. So ging die Zahl der Frosttage im langjährigen Mittel um 22 Tage auf weniger als 70 zurück. Zudem gab es im Mittel sechs Eistage weniger – im Durchschnitt sind es heute noch 21 Tage.

Niederschlag

Im Bereich der Wetterstation gibt es deutlich mehr Niederschläge als im bundesdeutschen Durchschnitt von knapp 765 Millimetern im Jahr. Dennoch zeigt die Näherungs-Kurve seit dem Jahr 1900 auch hier leicht nach unten. Der Jahresdurchschnitt ging von 1250 auf 1200 Millimeter zurück.

Dabei fiel mit den Jahren tendenziell weniger Schnee. Die Zahl der Tage mit geschlossener Schneedecke ging im Durchschnitt von fast 58 auf etwas mehr als 49 zurück. Die gemessene maximale Schneehöhe „schmolz“ im Jahresmittel von 42 auf knapp 25 Zentimeter.

Sturm/Wind

Ausgewertet wurden die Zahl der Sturmtage pro Jahr sowie die schnellste gemessene Windböe eines Jahres. An einem Sturmtag hat der Wind eine Stärke von Beaufort 8, also eine Geschwindigkeit von mindestens 76 km/h.

Heute gibt es im Durchschnitt zwei Sturmtage weniger als noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts – nämlich etwas weniger als 50. Die stärksten Windböen in einem Jahr haben sich im Durchschnitt nur minimal gesteigert. Zuletzt lag der Wert bei 118 km/h.

Die stärkste jemals gemessene Böe erreichte 1990 eine Geschwindigkeit von 166 km/h.

Fazit

Das lokale Klima hat sich im Verlauf von fast 120 Jahren deutlich verändert. Es wurde dabei nicht nur wärmer. Der durchschnittliche Temperaturanstieg war begleitet von einer längeren Sonnenscheindauer und mehr Sommertagen. Analog dazu wurden die Winter milder, was dazu führte, dass auch weniger Schnee fiel.

Letzteres haben übrigens auch die Skifans in Werdohl zu spüren bekommen: 2013 hat die Skiabteilung im TuS Jahn Werdohl festgestellt, dass es sich nicht mehr lohnt, den Skilift am Aschey weiterhin zu betreiben. Unter anderem hatten nicht nur steigende Tüv-Gebühren sondern auch die Tatsache, dass immer weniger Schnee fällt – und dann auch nur eine kurze Weile liegen bleibt – die Sportler zur Aufgabe ihres Skilifts veranlasst. Der Lift am Neuenrader Kohlberg dagegen ist noch in Betrieb.

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