Sensationelle Interpretationen ein Genuss

Die Solistin Leonor Amaral krönte im zweiten Teil ein ohnehin schon sensationelles Konzert des Musikvereins Gerlingen. - Fotos: Jentzsch

NEUENRADE - 20 Jahre sind seit dem ersten Auftritt des Musikvereins Gerlingen in Neuenrade mittlerweile vergangen. Kein echtes Jubiläum, aber darauf kam es den Verantwortlichen auch nicht an, die das außergewöhnliche Ensemble unter der Leitung des Musikalischen Leiters, Matthias Reißner, für die Abschlussveranstaltung der Kultursaison 2012/2013 gebucht hatten. Ausverkauft! Wie hätte es anderes sein können, wenn die Gerlinger die Bühne des Kaisergartens stürmen und auch noch eine Solistin im Gepäck haben, die die Latte des zu erwartenden musikalischen Niveaus nochmals ein Stückchen höher legt.

Schade nur, dass das Auditorium fast zwei Stunden warten musste, ehe die Sopranistin Leonor Amaral ins Rampenlicht trat. Dabei hätten sich die Protagonisten, die Solistin auf der einen, die Gerlinger auf der anderen Seite, wunderbar ergänzt und nicht zwangsläufig gegenseitig die Schau gestolen. Wie dem auch sei, das Konzert kam einem Hörgenuss gleich, wobei es den Gerlingern wieder einmal gelang, auch mit eher unbekannten Stücken zu brillieren.

So zum Beispiel am Ende des ersten Teils. Dirigent Matthias Reißner wählte ein Werk des jungen Schweizer Komponisten Julien Roh aus, der sich einer besonderen Herausforderung gestellt hatte: der Vertonung des Märchens Pinocchio. Keine leichte Aufgabe, die Geschichte einer Kinderbuchfigur orchestral zu interpretieren. Roh gelang dieses Kunstsück und nun lag es an den Gerlingern, diese Leistung des Komponisten in den Kaisergarten zu übertragen. Selbst wenn die detaillierten Ausführungen des Moderators Rainer Dornseifer nicht zur Verfügung gestanden hätten, man wäre vielleicht auf das Leben der kleinen quirligen Holzfigur gekommen. So sensationell spielte sich das Reißner-Ensemble in die Thematik ein.

Genau dieser Hang zur Perfektion, der das sinfonische Blasorchester aus Gerlingen auszeichnet, zog sich wie ein Roter Faden durch das Programm. Unabhängig, ob Reißner den Jubelfest-Marsch aus der Feder von Johann Strauß anstimmte, eine Verdi-Ouvertüre spielen ließ oder im zweiten Teil einem Musical-Potpourri Leben einhauchte – die Gerlinger verzauberten den Saal. Als dann endlich die Solistin Leonor Amaral in ihrem weißen Abendkleid die Bühne betrat, bekamen die vielen Gäste den musikalischen Bonus eines ohnehin schon sensationellen Konzerts geboten.

Von Markus Jentzsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare