Seltenes Dankeschön

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Gertrud Janko (Mitte) schrieb einen Dankesbrief an die Werdohler Polizei. Polizeioberrat Bernd Scholz (l.), stellvertretender Wachleiter Franz-Josef Iwan (hintern li.), Eike Scholz (Opferschutzbeauftragte) und Wolfgang Sudhaus, Leiter der Polizeiwache Werdohl, waren von dem Schreiben der Rentnerin gerührt. ▪

NEUENRADE ▪ Polizeioberrat Bernd Scholz gestand: „Beim Lesen des Briefes musste ich mehrfach schlucken.“ Unter der üblichen Weihnachtspost stach in diesem Jahr eine Sendung ganz besonders heraus – das bewegende Dankesschreiben von Gertrud Janko. Hintergrund: Die 91-jährige Neuenraderin wurde Ende Oktober Opfer von Kleinkriminalität. „Die Polizei war mir eine so große Hilfe. Das fand ich so toll, da musste ich mich einfach bedanken“, begründete die Rentnerin ihren Brief.

Als Gertrud Janko Ende Oktober in einem Werdohler Schuhgeschäft ein neues Paar anprobierte, stellte sie ihre Handtasche mit dem Portemonnaie direkt an ihre Beine. „Weil ich ein gebranntes Kind bin, passe ich immer auf.“ Doch als die Rentnerin zur Anprobe aufstand, griff eine vermeintliche Kundin zu. Zunächst bemerkte niemand das Verschwinden der Tasche – kurz darauf reagierte die 91-Jährige aber sofort, rief bei der Polizei und ihrer Bank an, und ließ das Konto sperren. Allerdings war die Diebin schneller – nur wenige Minuten nach dem Diebstahl räumte sie das Konto der Neuenraderin nahezu leer. „Ich habe es nicht glauben können. Für mich brach eine Welt zusammen“, erinnert sich Gertrud Janko, der bei dieser Erinnerung Tränen in die Augen steigen, zumal sie vor ein paar Jahren schon einmal Opfer eines Handtaschenraubes wurde. „In Rouen kamen zwei junge Burschen von hinten an mich heran gerannt. Ich bekam einen Schlag auf die Schulter und sie rissen an meiner Handtasche. Seitdem kann ich es nicht ertragen, wenn jemand neben oder hinter mir geht. Ich bleibe stehen und lasse jeden vorbei“, schilderte die Rentnerin ihre Gefühlswelt.

„Diese Erlebnisse traumatisieren“, sagte Bernd Scholz. Nicht zuletzt deshalb wurde Gertrud Janko auch in Kontakt mit der Opferschutzbeauftragten der Werdohler Wache Eike Scholz gebracht. Sie unterstützt die Neuenraderin nach wie vor und nahm sogar Kontakt mit der Bank der Geschädigten auf, weil der Verlust bislang noch nicht ersetzt wurde. Auf ihr Geldinstitut ist die 91-Jährige seit dem Vorfall nicht mehr gut zu sprechen. „Das ist doch kein Kundenservice“, klagte sie. Mit der Arbeit der Polizei ist sie dafür umso zufriedener und findet durchweg lobende Worte. „Jeder hat mir gesagt ‚Wenn Sie nicht zurecht kommen, dann melden Sie sich, und ich helfen Ihnen’. Das hat mir so gut getan.“

Noch ist der Diebstahl nicht aufgeklärt. Doch Bernd Scholz zeigte sich angesichts der guten Fotos, die am Geldautomat gemacht wurden, recht zuversichtlich. ▪ sr

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