Viel Unterstützung für Seniorin

Selbstlose Hilfe für Flutopfer

Auch der kleine Garten musste leiden. Hier floss vor kurzem noch die Hönne.
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Auch der kleine Garten musste leiden. Hier floss vor kurzem noch die Hönne.

Flutopfer Gitta Jaske sitzt ein wenig verloren auf ihrem Sofa, der Teppich fehlt, ein Schrank ist abgebaut, im Zimmer steht ein Trocknungsgerät, die Spuren der Überschwemmung sind auch noch auf dem kleinen Stück vor der Terrassentür gleich neben der Hönne zu sehen.

Niedergedrücktes Gras, ein wenig Schwemmgut und ein paar Sandsäcke zeugen ebenfalls davon. Die Flut ist nun vorbei, das Schlimmste überstanden, doch die 73-Jährige ist noch immer „ganz gerührt von der Hilfsbereitschaft der Neuenrader“. Selbst ihr völlig unbekannte Menschen halfen, die ersten Tage zu überstehen.

Hinter den Häusern an der Bahnhofstraße plätschert die Hönne jetzt wieder als harmloser Bach entlang und ist gerade einmal eine Handbreit tief. Das war in der Überschwemmungsnacht völlig anders. Die Hönne schwoll durch den Starkregen gewaltig an und trat bei der Feuerwehr trotz des tief liegenden Bachbettes über das hohe Ufer, flutete an der Bahnhofstraße unterhalb der Feuerwache die Gärten und die Keller der angrenzenden Häuser und drang auch noch in die unteren Wohnungen der Häuserreihe an der Bahnhofstraße 46a ein. Der Hinterhof mit den geparkten Autos wurde ebenfalls geflutet. „Bis zum Einstieg meines Autos stand das Wasser“, erinnert sich Gitta Jaske. Und die Feuerwehr habe alle Anwohner evakuieren wollen, die blieben jedoch.

Für 16 Stunden keinen Strom

In der Nacht zu Mittwoch, als es mit der Flut erstmals voranging, wurde sie um 1.30 Uhr morgens geweckt. Da schellte jemand bei ihr an der Tür und der Nachbarshund, „der Angst vor Wasser hatte“, bellte fleißig. Alle Bewohner wurden aus ihren Betten geschmissen, die Feuerwehr stand parat und musste erst einmal Pumpen besorgen, weil die vorhandenen anderweitig im Einsatz waren. Gitta Jaske reagierte flott und drehte die Sicherungen raus. Wenig später wurde der Strom auch offiziell abgestellt – für 16 Stunden. Um überhaupt weiter erreichbar zu sein, mussten die Handys bei Bekannten aufgeladen werden.

Witwe Gitta Jaske wird mit den Schäden aus der Flutkatastrophe sicher noch eine ganze Weile zu kämpfen haben. Gottlob ist sie versichert.

Im Keller war nichts zu retten: Aus den Kabelschächten lief das Wasser. Die Waschmaschinen standen bis zur Hälfte im Wasser. In der Wohnung unternahm Jaske erste Trocknungsaktionen. Der Teppich war durchnässt. Alte Handtücher sorgten zunächst für erste Linderung, jemand half mit alten Bettlaken aus, die aus Balve herangekarrt wurden. Ansonsten verbrachten die Bewohner die Nacht im Flur.

Viele Menschen helfen

Fantastisch war die Hilfe, die Jaske in den beiden Fluttagen und der Zeit danach erfuhr. Da ist die Nachbarin, die immer wieder zu Bekannten fuhr und thermoskannenweise Kaffee lieferte oder Pizza besorgte. Praktische Hilfe gab es durch Bekannte und Freunde, die einsprangen und die Wäsche wuschen. Auch einen Aufruf in den sozialen Netzwerken startet die Rentnerin, fragte nach, wer den Teppich herausreißen könnte. Prompt meldete sich jemand, der das nötige Handwerkzeug hatte. „Der fragte, wann er wo sein sollte. Dann hat er mit uns den Teppich in kleinen Stücken herausgerissen, ins Auto gepackt und gleich entsorgt.“ Jemand brachte belegte Brötchen aus Blintrop. Ein ehemaliger Neuenrader aus Finnentrop half einen Schrank auseinanderzunehmen, ein Hänger war zur Stelle und ein Lagerplatz auch gleich vorhanden. Ein Fremder half den Keller auszuräumen. Sogar 20 Euro wurden ihr geschenkt, damit sie sich „was Schönes“ kaufen sollte. „Und niemand wollte etwas für die Hilfe haben, noch nicht einmal einen Kasten Bier“, sagt Jaske begeistert. Auch Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) meldete sich bei Gitta Jaske, bot Hilfe an und verwies auf die Soforthilfe des Landes NRW und die kostenlose Sperrmüllentsorgung.

Ein Trocknungsgerät ist bei Gitta Jaske nahezu ununterbrochen im Einsatz.

Der Schaden bei der Witwe ist groß. Gottlob ist sie versichert. Denn erst vor gut zwei Jahren hatte sich ein Versicherungsvertreter bei ihr gemeldet und gefragt, ob sie nicht die Hausratversicherung aktualisieren wolle, sie könne zum Beispiel Elementarschäden hinzunehmen. „Ich wohne an der Hönne, da habe ich das eben mit aufgenommen.“

Ein Maurer wird noch gebraucht

Hilfe von einem Maurer können die Hausbewohner an der Bahnhofstraße noch gebrauchen. Jaske wies darauf hin, dass man die Waschmaschinen auf Podeste stellen wolle, dann würden sie „bei der nächsten Flut“ sicher intakt bleiben.

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