„Sehr kurioses Jahr“ für Landwirte

Auf dem Hof Müller sprachen die Funktionäre des Westfälisch-Lippischen Bauernverbandes über die Ernte in der Region: Matthias Müller, Betriebsleiter und Weihnachtsbaumproduzent, Ulrich Brinckmann, stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender, Ulrich Peterschulte, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Neuenrade, Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis sowie Ludwig Krämer, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes (v. l.).

Neuenrade - „Wir haben überquellende Graslager und dicke Kartoffeln“, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Günter Buttighofer jetzt beim Kreis-Treffen der heimischen Landwirte anlässlich des Erntedankfestes.

„Sehr kurioses Jahr“ für Landwirte

Buttighofer berichtete weiterhin von „allerbester Qualität und weit überdurchschnittlicher Menge“. Er betonte: „Wir wissen bald nicht mehr, wohin mit der Grassilage.“ Er spricht bei seiner Erntebilanz für die Region von einem „sehr kuriosen Jahr“.

Nachdem die Grasernte wohl überaus üppig verlief, sei das Einbringen von Heu problematisch, die Getreideernte wegen des Regens in der Erntezeit schwierig bis nahezu unmöglich, nur bei den Kartoffeln gebe es eine kleine Sensation: Menge und Größe seien überdurchschnittlich gut. Und der Mais, der in den kommenden Wochen reif sei, sehe auch sehr gut aus.

Auf dem Betrieb der Familie Matthias Müller in Neuenrade ließ der Landwirt aus Nachrodt-Wiblingwerde das Bauernjahr Revue passieren: Nach dem sehr milden Winter, in dem die Winterfröste ausgeblieben seien und die Landschaft an nur einem Tag schneebedeckt gewesen sei, waren die Gräser nicht ausgewintert, somit startete die Vegetation zwei bis drei Wochen früher als üblich – im Vergleich zum Vorjahr, in dem alles viel später startete, seien das letztlich mehr als fünf Wochen Unterschied gewesen.

Dass die Landwirte den ersten Schnitt, die wichtigste Ernte für die Milchbauern, weil das Gras am nährstoffreichsten sei, am 3. und 4. Mai ernten konnten, habe Buttighoffer noch nie erlebt: „Und das Wachstum ging das ganze Jahr lang so weiter, wir fahren in den nächsten Tagen sogar einen fünften Schnitt ein.“

Ganz so brillant sei die Heuernte nicht ausgefallen – weil es im Juli, dem „Heuet“, kaum mehrere trockene Tage hintereinander mit Sonnenschein gab, die das Heu aber zum Abtrocknen braucht.

Bei der Getreideernte, die Ulrich Brinckmannn, stellvertretener Kreisverbandvorsitzender aus Iserlohn, näher beschrieb, war es ähnlich katastrophal. „Das Getreide lief sehr gut, Korn und Menge waren optimal, und dann zur Erntezeit dieser Dauerregen: In vielen Regionen gab es keine Möglichkeit, mit den Maschinen aufs Feld zu fahren. Also musste gewartet werden, mit dem Ergebnis, dass vielerorts das Stroh pechschwarz ist.“

Auch der Mais, dessen Ernte in den nächsten Wochen stattfinde, verspricht sehr gutes Rinderfutter zu liefern. Dabei seien – und das freute die Landwirte – die Kolben besser als die Pflanze. Wenn diese gelblich werde, werde gehäckselt.

Die Kartoffelernte im Märkischen Kreis übertraf nach Aussagen der Landwirte alles: Große Kartoffeln in reichlicher Menge seien auf den – wenn auch im Vergleich eher geringeren Anbauflächen – geerntet worden. Dass bei einer so guten Kartoffelernte der sehr sensible Lebensmittelmarkt sofort mit Preissenkunken reagiere, sei üblich, trübe aber „natürlich“ die Freude bei den Kartoffelbauern über die dicken Knollen.

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