Im Segelflugzeug über Neuenrade

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Im Vordergrund Küntrop, im Hintergrund die Kernstadt Neuenrade. ▪

NEUENRADE ▪ Noch ist der Himmel größtenteils blau. Das soll sich heute Nachmittag aber ändern. Bis zu meinem nächsten Termin, der Spendenwanderung mit dem Bischof am Waldstadion, ist noch genügend Zeit. Also nehme ich die Einladung zu einem Schnupperflug nur allzu gerne an. Der Luftsportverein Sauerland hat an diesem Wochenende Interessierten die Möglichkeit geboten, das Gefühl von Freiheit in einem Segelflugzeug live zu erleben.

Der erste Schnupperflieger war am Morgen der 14-jährige Constantin Mühling aus Balve. 27 Minuten Flugzeit hatte der Jugendliche mit Segelflug-Ausbildungsleiter Ludwig Fellenberg in der Luft verbracht und unvergessliche Eindrücke gesammelt. Angst habe der Sohn des Balver Bürgermeisters keine gehabt. „Kein Vergleich zu einer großen Linienmaschine“, meinte Constantin, nachdem er sicher wieder auf Neuenrader Stadtgebiet gelandet und dann auf Balver Boden ausgerollt ist. Denn: Die Grenze zwischen den benachbarten Gemeinden führt durch die Start- und Landebahn am Flugplatz in Küntrop. Jetzt habe ich mir aber genügend Informationen von anderen besorgt, die Zeit ist reif, selbst in die Luft zu gehen.

Ich lege mein Leben in die erfahrenen Hände von Fluglehrer Frank Beckmann, der mir auch hilft, den Fallschirm für den Notfall anzulegen. Dann gilt es, sich geschickt und ohne irgendwo anzuecken, in das Cockpit gleiten zu lassen. Man sitzt, oder liegt vielmehr, durchaus bequem, trotz Cockpit-Ausmaßen auf Formel 1-Niveau. Wichtig: Anschnallen und Gurte festziehen. Thermik ist nicht zu unterschätzen und kann ein Flugzeug – je nach Wetterlage – ordentlich durchschütteln. Es folgt eine kurze Einweisung. Höhen- und Querruder werden mit dem Steuerknüppel bewegt, das Seitenruder mit den Fußpedalen. Das Armaturenbrett ist überschaubar bestückt, fast wie im Auto. Geschwindigkeits- und Höhenmesser liegen direkt im Fokus, ein Variometer zeigt an, wie schnell wir steigen oder sinken und sendet ein akustischen Signal aus. Kreiselkompass und Funk runden das Equipment ab.

Mittlerweile hat die Zugmaschine schon vor uns Stellung bezogen, das Schleppseil ist an der Nase unseres Zweisitzers mit der Kennung D-2149 angekoppelt und Frank gibt das Zeichen für den Start.

Der Schub ist zwar nicht mit einem Linienflieger vergleichbar, dafür ist das Gefühl für die Maschine, die Piste und die Aktionen des Piloten hinter mir umso intensiver. Ich merke, wie Frank ständig an den Rudern die Lage korrigiert und gebe mir Mühe, meine Arme und Beine weit genug von den Steuerungselementen fernzuhalten. Nach kurzer Zeit verlieren wir zum ersten mal den Bodenkontakt, tippen dann noch einmal kurz auf, ehe sich das Gespann endgültig gegen die Schwerkraft durchgesetzt hat. Zügig gewinnen wir an Höhe bis wir uns auf etwa 450 Metern über Grund abkapseln.

Es fällt relativ leicht, sich zu orientieren, obwohl die Aussicht so ungewohnt ist. In Windeseile sind wir über Werdohl, ein kleiner Schwenk und der Sorpesee ist schon zu sehen – die Sicht ist wirklich gut. Am Horizont steigt Qualm auf, Berge und Hügel sind dort nicht mehr zu erkennen. „Das Kraftwerk in Hamm“, klärt mich Frank auf und stellt mich anschließend auf die Probe. „Übernimm mal“, sagt er und lässt mich meine erste Kurve fliegen. Als sehr direkt bezeichne ich die Steuerung. Frank ist aber anderes gewohnt und schwärmt von modernen Einsitzern, die wie Sportwagen in der Luft liegen.

Nach etwa 15 Minuten zeigt der Höhenmesser 200 Meter an. Zeit, den Landeanflug einzuleiten. In einem weichen Bogen richtet mein Pilot die Maschine auf die Landebahn aus, kommt unglaublich weich herein und setzt den weißen Kunststoffflieger butterweich auf. „Vielen Dank“ sage ich und bin wieder um eine Erfahrung reicher. „Laut Wetterbericht regnet es hier schon in Strömen“, meint ein Fliegerkollege von Frank im Startbereich, während er die Wetterdaten auf seinem Tablet-Rechner checkt. Man muss auch mal Glück haben.

Ein allgemeines Schnupperangebot hat der LSV Sauerland übrigens ständig im Programm. Im Festpreis von 150 Euro sind acht Starts enthalten, die die meisten über vier Wochen verteilen. Wer Lust bekommen hat, seine eigenen Erfahrungen zu sammeln, findet auf der Homepage des LSV Sauerland unter http://www.lsv-werdohl.de alle nötigen Informationen. ▪ Von Markus Jentzsch

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