Segelfliegen ist ein Mannschaftssport

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Günter Schmidtchen startet im Rahmen der Schnupperwoche zu einem Alleinflug. „Eine tolles Angebot“, sagt der 60-Jährige.

KÜNTROP - Die Schnupperwoche beim Luftsportverein Sauerland neigt sich ihrem Ende und hat den Erfahrungsspeicher der Teilnehmer mit einer Fülle unvergesslicher Kapitel bereichert. Drei Teilnehmer aus zwei Generationen haben das Angebot des LSV mit Sitz am Flugplatz in Neuenrade-Küntrop genutzt und sich perfekt ergänzt.

Neben den beiden 14-jährigen Schülern aus Werdohl und Dahle, Marwin Nübold und Florian Peschen, stieß am Montag noch ein Erwachsener zum Kursus. Günter Schmidtchen machte wie die beiden Einsteiger als Jugendlicher seine ersten Erfahrungen mit dem Sportgerät Segelflugzeug. „Mit 14 Jahren habe ich meinen ersten Alleinflug absolviert“, erinnert sich der heute 60-Jährige an die Anfänge seiner FliegerKarriere. Jetzt habe er wieder mehr Zeit, begründete Schmidtchen, warum er trotz seiner fliegerischen Erfahrung nochmals an einem Schnupperkurs teilnimmt. „Das Angebot des LSV finde ich super“, drückt er seine Begeisterung aus. „Das Segelfliegen ist zeitaufwändiger und man benötigt ein Team“, weiß er, der viele Jahre mit motorgetriebenen Flugeräten in die Luft gegangen ist und den Segelflug aus eben diesen Zeit- und Personalgründen vernachlässigte. Das wolle er jetzt nachholen, sagt der 60-Jährige, in dessen leuchtenden Augen sich die Faszination widerspiegelt. Beim Segelflug stelle sich ein Teamgefühl ein – wie in anderen Sportarten auch. Erinnerungen an seine Jugend würden wach, „ein ausgesprochen schönes Gefühl, ich genieße es“, sagt Günter Schmidtchen. Zudem sei der Kontakt zu den jungen Leuten wie ein Jungbrunnen. „Es begeistert, das zu beobachten“, meint er und wird von seinen Fluglehrern Ludwig Fellenberg und Christoph Gauss bestätigt. Jugendliche benötigen häufig nur die Hälfte der Starts und Flugstunden, um ihre Erfahrungen auf dem Weg zum ersten Alleinflug zu machen. Die älteren Generationen hätten es da deutlich schwerer.

Das schreckt Schmidtchen aber nicht ab. Er schöpft aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz und möchte lediglich wieder mehr Zeit im Team der Segelflieger verbringen. „Der Segelflug ist – was das Fliegen angeht – die Königsklasse. Das ist mit dem Segeln und einem Motorboot vergleichbar“, erklärt Schmidtchen. Lediglich beim Start sind die High-Tec-Kunststoffgeräte auf fremde Hilfe angewiesen. Anschließend vertrauen sie auf Mutter Natur und ihr eigenes Können – kein Vergleich zum Motor-Flugzeug.

„Heute bin ich zum ersten Mal länger als eine Stunde in der Luft gewesen“, sagt der 14-jährige Marwin Nübold und konkretisiert dann: „Eine Stunde und sechs Minuten um genau zu sein“. Es sei gar nicht so einfach, so lange die Konzentration aufrecht zu halten, musste der Schüler erfahren. Fluglehrer Gauss brachte seinen Schülern an diesem Tag verschiedene Fluglagen näher. „Extrem lustig“, titeln die beiden Youngster. Wenn sich der Flieger in einem so genannten Thermik-Bart, einem lokal beschränkten atmosphärischem Aufwind befindet, sind Turbulenzen an der Tagesordnung. Und plötzlich befand sich die Nase unterm Horizont, erklärte Gauss im Fachjargon. Angst verspürten die Schüler bisher nicht, auch wenn ihnen an einem Tag ziemlich flau im Magen war. „Recht windig“, bergündeten sie ihre Reaktionen. Trotzdem sei das Segelfliegen in der Realität ein tolles Erlebnis. „Viel besser als erwartet“, bestätigen beide übereinstimmend. Erstaunlich sei es, dass das Fliegen von Kurven leichter sei als das Geradeausfliegen. „Und immer schön darauf achten, dass der Wollfaden gerade anliegt“, geben sie die Anweisungen ihrer Fluglehrer wieder. Nur wenn der Faden auf der Cockpitkanzel gerade liegt, wird das Flugzeug sauber angeströmt und bietet der Atmosphäre den geringsten Widerstand – wichtig für lange Flüge.

Nachdem die drei Teilnehmer geduldig jede Frage beantwortet haben, steht wieder Teamarbeit auf dem Plan. „Flugzeug putzen, denn jede Fliege, jeder Schmutzpartikel kostet Leistung“, sagen Fellenberg und Gauss und schicken die Kursteilnehmer wieder an die Arbeit. Schließlich wartet anschließend noch ein geselliger Abend an der Halle auf die große Flieger-Familie.

Von Markus Jentzsch

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