Ekstasen in der Kulturvilla

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Sebastian Lohse. ▪

NEUENRADE ▪ Zum Glück für das offenbar mit nur einer Hand verlesene Publikum blieb am Samstagabend im nur spärlich besuchten Saal der Villa am Wall genügend Raum für das gewaltige Klangspektakel, das Sebastian Lohse und sein Pianist Matthias Krüger veranstalteten.

Ludger Heitmann vom veranstaltenden Forum Neuenrade, der an der Verpflichtung des außergewöhnlichen Sängers und Entertainers maßgeblich mitgewirkt hatte, war schon vor den ersten Tönen regelrecht zerrissen. „Lohse zählt wohl zu den am besten ausgebildeten Sängern, die in den letzten 30 Jahren hier aufgetreten sind“, sagte Heitmann. Gleichzeitig war er maßlos enttäuscht, dass sich nicht mal zehn Interessierte von den Qualitäten des in Dresden wohnenden Künstlers persönlich überzeugen wollten. Diejenigen, auf eine namentliche Aufzählung wird an dieser Stelle bewusst verzichtet, die den Weg in die Villa gefunden hatten, waren restlos begeistert. Die Aufforderung des Publikums an die Presse, etwas Schönes zu schreiben, war überflüssig.

Lohse und Krüger waren den Besuch und die Vorschusslorbeeren, die Heitmann über dem Duo ausgeschüttet hatte, mehr als wert. Was Sebastian Lohse mit seiner Stimme anstellte, wurde an Klangvielfalt und Reinheit nur noch von Krügers Klavier-Ekstasen übertroffen. Er brachte nicht nur den Flügel zum Beben, sondern eroberte sich durch sein schieres Können die Herzen des kleinen, aber feinen Publikums im Sturm. Dabei waren es keineswegs nur die lauten Töne, mit denen er staunende Mienen hervorrief, sein feines Spiel stand dem in nichts nach. Und Lohse sang und schauspielerte mit einer derartigen Hingabe, dass der Eindruck entstand, er würde vor einem Millionenpublikum auftreten – ein Hochgenuss. ▪ Markus Jentzsch

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