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Schwere Zeiten für die Baubranche

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Von: Carla Witt

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Im Bereich der Hausverwaltung ist die Nachfrage groß: Veit und Ulrich Werdes mit zahlreichen Akten, die gesichtet werden müssen.
Im Bereich der Hausverwaltung ist die Nachfrage groß: Veit und Ulrich Werdes mit zahlreichen Akten, die gesichtet werden müssen. © witt

Für die Baubranche sind schwere Zeiten angebrochen. Die Immobilienfachleute Ulrich und Veit Werdes berichten.

Neuenrade – Viele Jahre lief es gut für die Baubranche: Eine zufriedenstellende Konjunktur, niedrige Arbeitslosenzahlen und niedrige Zinsen sorgten dafür, dass sich auch in Neuenrade viele Häuslebauer ihren Traum vom Eigenheim erfüllten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Steigende Bauzinsen, immer höhere Materialkosten und obendrein Fachkräftemangel schrecken viele Bauherren ab.

Preise sind explodiert

Das bestätigt auch der Neuenrader Immobilienkaufmann Veit Werdes, der gemeinsam mit seinem Vater Ulrich unter anderem Ansprechpartner für die Planung und den Bau von Favorit-Massivhäusern ist: „Die Preisexplosionen haben zu einem starken Rückgang geführt.“ Wer jetzt ein Einfamilienhaus bauen wolle, der müsse im Vergleich zu den Preisen vor etwa drei oder vier Jahren mit einer deutlichen Kostensteigerung rechnen. Veit Werdes: „Ein Einfamilienhaus mit etwa 140 Quadratmetern Wohnfläche, dazu ein Grundstück mit rund 600 Quadratmetern und sämtlichen Baunebenkosten kann dann je nach Ausstattung um die 450 000 Euro liegen.“

Und: Etwa zehn Prozent dieses Betrags, so rät der Fachmann, sollten Bauherren noch als Puffer in der Hinterhand haben; für den Fall, dass unvorhergesehene Kosten entstehen.

Lieferprobleme und längere Bauzeiten

Doch nicht nur steigende Rohstoffpreise seien das Problem, auch mit deutlich längeren Bauzeiten müsse man rechnen. „Es gibt an vielen Stellen Lieferprobleme“, sagt Werdes. „Vor einem Jahr war es zum Beispiel Holz. Das hat sich zum Glück wieder reguliert. Dafür sind es jetzt Teile für den Innenausbau, die zum Teil in der Ukraine und Russland gefertigt werden.“

Dazu kommt noch, dass die Zahl der Firmenpleiten im Baugewerbe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes deutlich gestiegen ist. Eine halbwegs verlässliche Zeitplanung sei momentan deshalb eher die Ausnahme, sagt Werdes.

Bestandsimmobilien: Handel läuft „relativ gut“

Dagegen sei der Handel mit Bestandsimmobilien in diesem Jahr „relativ gut“ gelaufen. „Während der Corona-Pandemie haben wir ja einen echten Boom erlebt“, blickt Veit Werdes zurück. Er stellt fest: „Den positiven Trend gibt es seit etwa drei Jahren bei uns im Büro, er lässt aber seit circa zwei Monaten etwas nach.“ Bisher „hatten wir manchmal fünf bis acht Immobilien-Anfragen täglich, querbeet – Einfamilienhäuser, Eigentumswohnungen und Kapitalanlagen“.

Für die derzeitige Entwicklung hat der Neuenrader eine einleuchtende Erklärung: „Eigentümer ziehen momentan weder gern aus, noch irgendwo anders ein, weil sie mit Blick auf die Energiekrise die Preise für ihre derzeit bewohnte Immobilie viel besser einschätzen können und eine neue Immobilie natürlich in Bezug auf den Verbrauch nicht so gut eingeschätzt werden kann.“

Drittes Standbein: Hausverwaltung

Die derzeitige Krise fällt aber nicht nur auf Bauherren und Unternehmen der Baubranche zurück, sondern auch auf diejenigen, die in der Immobilienbranche mitmischen. Ulrich Werdes ist seit 1985 in der Hausverwaltung tätig, hat sich 1995 in diesem Segment selbstständig gemacht, die daraus resultierenden Immobiliengeschäfte ausgeweitet und als drittes Standbein schließlich noch den Favorit-Massivhaus-Vertrieb dazugenommen. „Diese Mischung kommt uns jetzt zugute“, erklären Vater und Sohn unisono. Veit Werdes erläutert: „Immobilienmakler, die nur noch von der reinen Vermittlung von Immobilien leben, werden es schwerer haben. Wir sind daher froh, dass wir auch auf unser Standbein in der Hausverwaltung bauen können.“

Anfragen häufen sich

Denn die Anfragen von Wohnungseigentümergemeinschaften häuften sich seit etwa sechs Monaten sehr stark. „Es sind allein seit September diesen Jahres acht neue Gemeinschaften in Werdohl und Neuenrade übernommen worden“, weist Veit Werdes auf eine mehr als gute Auslastung in diesem Bereich hin. Zumal der eingangs erwähnte Fachkräftemangel natürlich auch die Immobilienfachleute aus der Hönnestadt betrifft: „Fachpersonal ist schwer zu finden. Mit Glück konnten wir im März einen Buchhalter einstellen.“

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