Verstöße während der Bewährung / Berufung

Schwarzfahrten führen zur Haft

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Mehrfach verstieß der Angeklagte gegen seine Bewährungsauflagen.

Neuenrade - Mit drei Schwarzfahrten gefährdete ein 39-jähriger Neuenrader gleich zwei Bewährungsstrafen. Nur eine Berufungskammer des Landgerichts könnte ihn derzeit noch davor bewahren, zwei Jahre wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln und einen Monat wegen eines Diebstahls geringwertiger Sachen absitzen zu müssen.

Dazu kommen zwei Monate „ohne“ wegen der drei Beförderungserschleichungen, wie Juristen die sogenannten „Schwarzfahrten“ zu nennen pflegen. 

Geringer Schaden

Die Strecken waren übersichtlich, der Schaden hielt sich in Grenzen: Insgesamt 28,80 Euro hätte der Angeklagte für die drei Fahrten zwischen Neuenrade und Fröndenberg bezahlen müssen. 

Der Anlass für die Ausflüge war ein ernster: Nur in Fröndenberg konnte der 39-Jährige seinen Arzt aufsuchen, der ihm regelmäßig den Ersatzstoff „Methadon“ zur Verfügung stellte. „Solange das Hartz-IV-Geld reicht, bezahle ich die Fahrkarten“, erklärte der Angeklagte. 

Seit 20 Jahren sei sein Mandant drogenabhängig, erklärte sein Anwalt und verwies auf den relativ geringen Schaden. Er beantragte eine Bewährungsstrafe für den „nicht einschlägig“ Vorbestraften: „Weder meinem Mandanten, noch der Gesellschaft ist damit gedient, wenn die beiden Freiheitsstrafen vollstreckt würden.“ Das war nicht abwegig. 

Andererseits sind Bewährungsstrafen nicht dazu da, um gesammelt und am Tag X zu einer vieljährigen Haftstrafe addiert zu werden. Angesichts von zwei offenen Bewährungsstrafen könne die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden, sagte der Staatsanwalt. 

Er verwies darauf, dass der Angeklagte die erste der drei angeklagten Fahrten nur drei Tage nach seiner letzten Verurteilung unternommen hatte. 

Anwalt legt Berufung gegen das Urteil ein

Auch Richter Dirk Reckschmidt sah keinen Anlass, die wegen der drei Schwarzfahrten verhängten zwei Monate Haft erneut zur Bewährung auszusetzen, weil sich im Leben des 39-Jährigen „nichts tut“. Mit einem Therapieplatz in der Tasche sehe das vor einer Berufungskammer des Landgerichts möglicherweise schon anders aus. 

Der Anwalt des 39-Jährigen nahm den Ball auf und legte noch im Gerichtssaal Berufung gegen das Urteil ein, um die allerletzte Haltestelle vor einer vollstreckbaren Haftstrafe zu nutzen.

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