Schulstandort: Im Verbund gegen den Trend

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Das Publikum im Kaisergarten verfolgte die Ausführungen des Referenten aufmerksam. ▪

NEUENRADE ▪ Wenn scheinbar nichts mehr geht, müssen neue Wege beschritten werden. Genau das haben zwei Schulen in den münsterländischen Gemeinden Horstmar und Schöppingen gemacht – mit Erfolg. Sie gründeten eine so genannte Verbundschule mit Modellcharakter. Schulleiter Hubertus Drude war am Dienstagabend auf Einladung der SPD zu Gast im Kaisergarten und stellte das Konzept vor.

Die Erfolgsgeschichte der 2008 gegründeten Verbundschule, die aus zwei eigenständigen Hauptschulen entstand, ist nicht eins zu eins auf andere Schulen beziehungsweise Gemeinden übertragbar, waren sich der Referent und das Publikum einig. Dennoch lebt das Projekt von einigen revolutionären Ansätzen und sollte zu einem generellen Umdenken im Schulwesen anregen.

Absolutes Neuland in Sachen Schulpolitik

An den Lehrinhalten rütteln auch die Pädagogen in Horstmar/Schöppingen nicht. Was die Methoden angeht, haben sie indes absolutes Neuland betreten. Sie stellten sich die Frage, wie eine optimale individuelle Förderung von Kindern aussehen könnte. Was kann ein Pädagoge leisten, was nicht und wer könnte in diesen Bereichen einspringen? Grundsätzliche Fragen auf dem Weg zu einem völlig neuen Ansatz. Kooperation lautete die Antwort, die zu einer Win-win-Situation führen muss, wie Drude erklärte. Aus der einen, reinen Hauptschule ist eine Hauptschule mit integrierter Realschule entstanden, die äußerst differenziert auf die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Schülers eingeht. Wohin es führt, wenn alle über einen Kamm geschoren werden, ist bekannt. Aus der anderen Hauptschule hat sich eine Dependance eines benachbarten Gymnasiums entwickelt. Dadurch gelang es, die aufgrund rapide sinkender Anmeldezahlen von Schließungen bedrohten Schulen mit neuem Leben zu füllen. Mittlerweile muss Schulleiter Drude Interessenten bereits zurückweisen.

Weitere Fachkräfte

Im Schulzweckverband in Horstmar/Schöppingen kümmern sich Spezialisten um die facettenreichen Aufgabenbereiche in einer Schule. Die Pädagogen beschränken sich auf die Vermittlung der Lehrinhalte, während sich zum Beispiel medizinisch-therapeutische Fachkräfte um verhaltensauffällige Schüler kümmern. Dass Drude die ortsansässige Wirtschaft mit an seinen Tisch holte, sei ein wichtiger Schritt gewesen. Die Unternehmen hätten über einen Mangel an Auszubildenden geklagt. Logische Konsequenz für Drude: Daran arbeiten wir gemeinsam.

Konzept nicht einfach übertragbar

Jetzt wirken Mitarbeiter der Unternehmen aktiv im Unterricht oder an Projekten mit. So wird frühzeitig eine regionale Bindung aufgebaut. Rund eine halbe Millionen Euro kostet den Staat ein nicht ins Arbeitsleben vermittelter Schüler. Allein deshalb ist das in Horstmar/Schöppingen investierte Geld bestens angelegt. Welche Aspekte auf die Hauptschule in Neuenrade, die ebenfalls mit Problemen zu kämpfen hat, übertragbar sind, muss im Einzelnen beurteilt werden. Unter http://www.verbundschule.com ist die Verbundschule im Internet zu finden. ▪ Markus Jentzsch

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