Erfahrungen aus dem ersten Lockdown sollen helfen

Schulen und Kitas in Neuenrade bereiten sich auf den Start nach den Ferien vor

An der Hönnequell-Schule ist man vorbereitet.
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An der Hönnequell-Schule ist man vorbereitet.

Die Verlängerung des harten Lockdowns betrifft natürlich auch den Schul- und Kindergartenbetrieb in Neuenrade: Die Einrichtungen bereiten sich auf die kommende Woche und den Start nach den Ferien vor.

An der Hönnequell-Schule (HQS) geht es mit dem Unterricht auf Distanz erst am Mittwoch, 13. Januar, los. Für die Notbetreuung ist gesorgt: Das Ministerium hat am Donnerstagmittag die offizielle Verordnungsmail verschickt, die auch ein Antragsformular dazu enthält. Die Betreuung erfolgt durch sozialpädagogische Kräfte.

Schulleiterin Eva Päckert hatte sich am Mittwoch mit dem Schulleitungsteam schon mal besprochen. „Wir haben vorgedacht, haben ja Erfahrung durch die Woche vor Weihnachten.“ Nun gelte es organisatorische Dinge zu erledigen: Accounts einzelner Schüler ans Laufen bringen, vorhandene iPads an Schüler verleihen. „Da müssen wir mit dem arbeiten, was wir haben.“

Lieferengpässe: Immer noch noch genug iPads

Denn: Wegen Lieferengpässen stünden noch immer nicht genügend iPads zur Verfügung, sodass man priorisieren müsse. So würden beispielsweise Schüler aus Abschlussjahrgängen bevorzugt. Grundsätzlich funktioniere das Distanzlernen, 95 bis 98 Prozent der Schüler hätten einen Digital-Zugang. Die HQS nutzt die Lernplattform Schoolfox. Ein System, auf das mittlerweile viele Schulen setzen. Es gibt dazu Apps, auch eine Browserversion ist vorhanden.

Grundsätzlich meint Eva Päckert, dass der Lockdown Spuren bei den Schülern hinterlässt. Doch gerade in einem „so durchlässigen System, wie es in der HQS praktiziert“ werde, wo Gymnasiast und Förderschüler gemeinsam lernten, könnten etwaige Defizite kompensiert werden. Was die Abschlussklassen anbelangt, so habe das Ministerium ja verkündet, dass „das letzte Wort noch nicht gesprochen“ sei. Schade sei, dass Praktika und berufliche Orientierung nicht so wie sonst möglich gewesen seien. Bei all diesen Rahmenbedingungen sagt Päckert: „Neuenrade ist eine Kleinstadt mit guten Strukturen. Hier achtet man aufeinander.“ Das sei in sozialen Brennpunkten sicher anders.

Lernpakete werden zusammengestellt

Auch an der Burggrundschule sind Schulleiter Awerd Riemenschneider und sein Kollegium auf den Start nach den Ferien vorbereitet. Momentan werden die Lernpakete zusammengestellt. Ab Montag sind sie für die Eltern abholbereit. Die Pakete enthalten einen Wochenplan, in manchen Fällen einen Zwei-Wochen-Plan mit Arbeitsblättern zu den Kernfächern Deutsch, Mathematik, Sachkunde und Englisch. Es gebe zudem den Zugriff auf die digitale Plattform Padlets, auch Apps würden eingesetzt. Man gehe davon aus, dass nicht alle Kinder Tablets haben oder daheim drucken können. Aber auch die Notbetreuung könne man dafür nutzen, wenn zuhause die Möglichkeit fehle, sagt Riemenschneider. Auch an der Burgschule seien noch nicht genug iPads vorhanden.

An der Freien Waldorfschule Neuenrade war schon am Donnerstagmittag alles geregelt: Die Notfallbetreuung für die Klassen eins bis sechs ist organisiert. Die Erst- bis Viertklässler erhalten die Aufgaben per E-Mail oder per Post. Die Schüler der Klassen fünf und sechs haben jeweils eine digitale Stunde mit dem Klassenlehrer, zudem fremdsprachlichen Unterricht. Alle höheren Klassen haben Digitalunterricht nach Stundenplan. Schulmanager Klaus Giljohann berichtet zudem von der Kunstfigur Clown Pippo. Der hat eine eigene E-Mail-Adresse. An den können sich die Kinder (Zielgruppe Klasse 1 bis 6) wenden, wenn sie zum Beispiel Kummer haben. „Das ist als Ventil gedacht“ sagt Giljohann.

Eltern ein bisschen Entlastung gewähren

Die Verantwortlichen in den Kitas greifen auf die bisher gemachten Erfahrungen mit der Pandemie zurück. In der Kita Wirbelwind hat sich Leiterin Monika Batusha schon mal mit dem Team besprochen und Vorkehrungen getroffen, wie man Eltern ein bisschen Entlastung gewähren könne. Da gebe es schon Familien, die an ihre Grenzen kämen. Problematisch sei sicher auch der hohe Medienkonsum der Kinder in den Lockdown-Zeiten. Entlastung könne es zum Beispiel für Berufstätige geben, wenn das Kind satt nach Hause komme und die berufstätige Mutter nach der Arbeit nicht noch Essen zubereiten müsse.

Für die katholischen Kita-Einrichtungen im Bistum Essen heißt es von der Fachberatung, dass man auf die offizielle Regelung des Ministeriums warte. Doch eine Reduzierung der Betreuungszeiten und feste Settings in den Kitas habe es ja schon im vergangenen Jahr gegeben. Auf die damals erarbeiteten Konzepte könnten die Kitas erneut zurückgreifen und gegebenenfalls Korrekturen vornehmen. Unterstützend stelle man den Einrichtungen zusätzlich eine Handreichung zur Verfügung.

Eltern fragen ungeduldig nach

Auch im Katholischen Kindergarten St. Georg (der zum Bistum Paderborn gehört) werde man von den bisher gemachten Erfahrungen profitieren, sagt Anja Wilsdorf. Auch sie konnte allerdings noch nichts Konkretes sagen, die entsprechenden Informationen aus dem Ministerium fehlten. Auch zum Verdruss der Eltern, die im Verlauf des Donnerstags immer wieder nachgefragt hätten.

Im evangelischen Familienzentrum verweist Leiterin Danny Bexten auf die fehlenden Informationen der Fachberatung. Dort wiederum wartet man auf die offizielle E-Mail aus dem Landesamt. So bereitet sich Bexten intern soweit wie möglich auf Basis der ersten Lockdown-Erfahrungen vor. Eltern sollten ihre Kinder nur im Notfall bringen. Schnelltests werde man in der Einrichtung vornehmen. Bexten geht aber davon aus, dass rund die Hälfte der Belegschaft immun gegen das Virus sei. Schließlich war die Kita im vergangenen Jahr wegen Corona-Fällen zeitweise geschlossen, auch Erzieherinnen hatten sich infiziert.

Nicht alle Eltern können sich das Equipment leisten

Bleibt die Elternseite. Kerstin Braselmann, Mutter zweier Schulkinder, nimmt die Situation mit Humor. Mit Blick auf ihr Kind am Burggymnasium in Altena sagt sie: „Ich denke manchmal, ich mache mein Abitur nochmal.“ Sie und ihr Mann seien Doppelverdiener und könnten sich das technische Equipment für den Onlineunterricht der Kinder leisten. Das sei nicht in jeder Familie selbstverständlich.

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