Kolonien überall!

Ameisen bevölkern den Niederheide-Komplex

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Unter anderem mit Leimbändern versuchte man der Plage Herr zu werden.

Neuenrade - Sie sind überall – ob Bücherei und Zelius, ob Schule oder auch Kellerräume des Hallenbades, in den Waschbecken der Schule oder auch in der Aula turnen sie herum: Ameisen.

Offenbar gibt es an großen Teilen des Niederheide-Komplexes seit mehr als einem Jahr damit ein Problem. Inzwischen sind Spezialisten aus dem Ruhrgebiet am Werk, um der Plage Herr zu werden und dem Schulträger die Herrschaft über den gewaltigen Gebäudekomplex zurückzugeben. „Das ist ein hochinteressanter, spannender Fall,“ sagt Thorsten Gsell, Inhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, das sich auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert hat. Er hat die Ameisenart identifiziert, die eher in südlichen Gefilden vorkommt und sich vermutlich durch die klimatische Veränderung gen Norden ausbreite. Man werde öfter mit dieser Lasius neglectus zu tun bekommen, da ist sich Gsell ziemlich sicher.

Im Ameisenwiki ist vermerkt, dass die Art seit den 1970er Jahren aus Vorderasien nach Europa vordringe. Das Vordringen nach Mitteleuropa erfolge anscheinend durch passiven Transport mit Pflanzen und Erdmaterial. Brückenköpfe seien botanische Gärten und Gärtnereien.

"Wenig beachtete Wegameise"

 „Lasius neglectus“ heißt frei übersetzt die „wenig beachtete Wegameise“ und sie sieht den heimischen Ameisen recht ähnlich. Und Lasius neglectus hat sich eben im oder unter dem Neuenrader Schul-, Kultur- und Sportkomplex weitläufig ausgebreitet. Eine durchaus ernste Sache: Gesell spricht von gut dokumentierten Fällen, bei denen diese Ameisenart einen ganzen Quadratkilometer besetzt hatte. Diese Art hat nämlich nicht nur ein einziges Nest, sondern bildet vollwertige Kolonien, die wiederum untereinander vernetzt seien, so dass eben Verbünde entstünden So könne man zwar mit speziellen Ködern die Königin einer Kolonie abtöten, die übrigen Kolonien würden aber eben weiter existieren. Die Bekämpfung sei daher schwierig.

Gerne tummeln sich die Ameisen in den diversen Waschbecken

Und so hat der Schädlingsbekämpfer einen umfangreichen Maßnahmenkatalog projektiert. Ansatz ist eben, die Nahrungskette zu durchbrechen. Deshalb gab es umfassende gärtnerische Maßnahmen. Da die Tiere sich vor allem von Blattläusen ernähren würden, habe man zunächst etliche Büsche in Gebäudenähe mit Stumpf und Stiel bereits ausgegraben, Birkenstämme wurden mit einer klebrigen Ummantelung versehen, um den Ameisen zu ihren Melkkühen, den Läusen, den Weg zu versperren. Spezielle Köder wurden zudem ausgelegt, die erst bei den Königinnen tödlich wirken. Schlupflöcher in die Gebäude wurden verschlossen und Barrieren mit für Menschen ungefährlichen Insektiziden errichtet.

Bis zu 400.000 Tiere pro Kolonie

Die Ameisenart ist unschädlich, tritt allerdings in großen Mengen auf. Pro Kolonie rechnet Gsell mit dreihundert- bis vierhunderttausend Tieren. Es komme zu Verschmutzungen, weil die Tierchen beim Saubermachen Dämmmaterial und dergleichen aufhäufen würden. Im Sommer seien vor allem die fliegenden Tiere dann höchst lästig. Schädlich seien die Tiere höchstens für Pflanzen wegen der Kooperation mit den Blattläusen.

Die Maßnahmen sind angelaufen und es heißt, dass sich die Zahl der Ameisen wohl schon verringert habe. Wo ganze Ameisenstraßen gesichtet wurden, sind derzeit nur eher Gruppen unterwegs. Auf die Ameisen angesprochen, reagieren alle, die an Schule oder Bücherei mit den Tieren zu tun haben mit genervtem Augenrollen oder amüsieren sich über die Tierchen.

Thorsten Gsell verweist darauf, dass immer mehr invasive Arten in unseren Gefilden vorkommen würden: Tigermücken in den Rheinauen, Pharao-Ameisen, verstärkt Termiten, orientalische Schaben in den Großstädten wie Essen. Nicht ungefährlich seien die Raupen des Eiche-Prozessionsspinners wegen der Nesselhaare der Raupen. Mit deren massenhaftem Vorkommen habe man im Ruhrgebiet zu tun. Gsell erwähnte auch die Kastanienminiermotte, die auch Einfluss auf das Ökosystem nehme, sie gefährde eben Kastanien. Ursachen seien dabei aber nicht immer die klimatischen Veränderungen sondern auch der Welthandel.

 Die Firma Gsell & Gsell Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH ist jedenfalls offenbar gefragt. Das Hauptgeschäft ist allerdings die Schädlingsprophylaxe in der Lebensmittelindustrie. Bundesweit beschäftigt das Unternehmen 35 Mitarbeiter.

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