Einblick in das Justizsystem

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Rechtsanwalt Ulrich Schorner stand den Schülern der Klasse 9 Rede und Antwort.

Neuenrade - Das Recht des Angeklagten, Kleiderordnung in der Justiz, typische Fälle für einen Rechtsanwalt, Tötungsdelikte, Rechte und Pflichten von Verteidigern, Angeklagten, Staatsanwälten, Richtern und überhaupt. Ein gutes Dutzend Schüler der Gertrudenschule hatten am Mittwoch Rechtsanwalt Ulrich Schorner zu Gast. Der stand den Schülern Rede und Antwort und informierte nach Kräften.

Zum Hintergrund: Die Neuntklässler der Gertrudenschule konnten sich im Rahmen des Projektunterrichtes für Themen anmelden. Und etliche Schüler meldeten sich eben für den Bereich „Jugend und Recht“. Hier bekommen sie in diesen Tagen ein umfassendes Informationspaket, das jeweils mit Vorbereitungsunterricht für einen bestimmten Themenbereich beginnt und dann durch eine Art Praxisteil abgerundet wird. So stellten sie im Vorfeld des Rechtsanwaltbesuches einen Fragenkatalog zusammen, dann bekamen sie am Mittwoch eben einen leibhaftigen Rechtsanwalt zu Gesicht. Auch eine Gerichtsverhandlung am Altenaer Amtsgericht werden sich die Schüler noch anschauen. Einen Referenten der Kriminalpolizei hatten sie schon. Sozialarbeiter Thorben Schürmann und Schulleiter Hans-Jürgen Stracke bieten dieses Info-Paket schon seit Jahren an. Ziel sei es dabei, den Jugendlichen das wahre Leben zu zeigen, und dazu gehöre eben auch das Justizsystem Deutschlands.

Rechtsanwalt Ulrich Schorner jedenfalls machte sein Sache gut, beantwortete die Fragen der Schüler umfassend und zeigte durchaus Humor. Erzählte vom beleidigenden Ausraster eines Mandaten der gerade eben wegen Beleidigung vor dem Kadi saß.

Das Gespräch hangelte sich an dem von den Schülern erarbeiteten Fragenkatalog entlang. Dazu gehörte auch die Verschwiegenheitspflicht des Anwaltes, der Gleichbehandlungsgrundsatz für alle Angeklagten und das sinnvolle Recht des Angeklagten zu schweigen. Auch Interessantes zu Ritualen und Kleiderordnungen vor Gericht konnte Ulrich Schorner erzählen: So gebe es tatsächlich eine Kleiderordnung für Richter – die müssen demnach einen weißen Langbinder tragen. Rechtsanwälte müssten mit einer schwarzen Robe erscheinen. Der Grund: Der schwarze Umhang müsse teure Kleidung verdecken, damit niemand davon beeinflusst werden könne.

Natürlich fragten die Schüler auch nach den schlimmsten Fällen, die Rechtsanwalt Schorner bislang zu betreuen hatte. Da hörten sie eher Betrübliches: So hat Schorner häufiger mit vielen schweren Körperverletzungen zu tun und zwar derart, dass den am schon am Boden liegenden Opfer noch ein paar Mal ins Gesicht getreten wird. Auch weitere schlimme Sachen wie Menschhandel im Zusammenhang mit Prostitution hatte Schorner zu behandeln. Der Rechtsanwalt ließ dabei auch durchblicken, dass es da so manchen Fall gibt, der ihn auch menschlich belastet hat.

Übrigens hat er häufiger mit dem Thema illegales Herunterladen und Tauschen – sprich Urheberrechtsverletzung zu tun. Da schien auch der eine oder andere Schüler im Thema zu sein.

Durchaus philosophisch wurde es im Verlauf des Gespräches. Grenzen der Justiz wurden aufgezeigt. Da ging es um das Problem der Zwillinge, von denen einer einen Mord begangen hat und vom jeweils anderen vor Gericht gedeckt wird. Am Ende muss ein Mörder freigesprochen werden... . So ist es mit der Gerechtigkeit nicht immer so ganz einfach. Angesichts mancher Urteile oder juristischen Gewichtungen hat der Rechtsanwalt Bedenken, ob der Gerechtigkeit auch immer Genüge getan werden kann.

Ziemlich zum Schluss wollten die Schüler denn auch wissen, was ein Rechtsanwalt denn so verdient. Auch hier war die Antwort von Ulrich Schorner, der rund 300 Fälle im Jahr betreut, eher philosophisch-diplomatisch: „Es reicht um zu leben, es reicht nicht um reich zu werden“.

- Von Peter von der Beck

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