Kultgetränk muss umbenannt werden

Buba darf nicht Bitter heißen

Der Buba Bitter heißt jetzt Truden Tropfen: Alexandra Simons, Juliane Papendick und Linda Pietschmann aus dem Team der Gertruden-Apotheke präsentieren eine Flasche mit altem und neuem Etikett.
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Der Buba Bitter heißt jetzt Truden Tropfen: Alexandra Simons, Juliane Papendick und Linda Pietschmann aus dem Team der Gertruden-Apotheke präsentieren eine Flasche mit altem und neuem Etikett.

Der beliebte Kräuterschnaps aus Neuenrade ändert seinen Namen: aus Buba Bitter, der Spezialität zum Gertrüdchen-Volksfest, wird der Truden Tropfen. Apothekerin Alexandra Simons verspricht: „Am Getränk selbst ändert sich nichts und auch der Preis bleibt derselbe wie in den Vorjahren.“

Hintergrund der Umbenennung ist eine Untersuchung des Apothekerlikörs durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe in Münster (CVUA) vom 27. August, welches zu dem Schluss kommt, dass der Buba Bitter einen Geschmack habe, der „alkoholisch, scharf brennend, süß, aromatisch und würzig nach Kräutern“ sei, aber allenfalls „dezent bitter im Abgang“. Deshalb dürfe er nach geltendem EU-Recht nicht die Bezeichnung „Bitter“ tragen. „Likör“ und oder „Halbbitter“ seien indes zulässig.

Dr. Claudia Dyballa vom CVUA erklärt auf Nachfrage: „Das sind Regelungen, die zum größten Teil von der Spirituosen-Industrie selbst entwickelt wurden. Wir setzen das hier nur so um.“ Dass der Buba Bitter seit den 1980er-Jahren des vorigen Jahrhunderts unbeanstandet unter diesem Namen verkauft worden sei, erklärt sie folgendermaßen: „Erzeugnisse, die vor Ort schon sehr lange am Markt sind, bekommen wir ja nicht regelmäßig auf den Tisch.“

Anlässlich des letztlich aber abgesagten Gertrüdchens vor acht Monaten wurde der Traditionslikör auch im Baumarkt Arens & Hilgert angeboten. Dort sei vom Apotheker-Erzeugnis „im Rahmen einer Regelinspektion der Lebensmittelüberwachung“ eine Probe genommen worden.

Diese führte im sechsseitigen CVUA-Gutachten zu drei Beanstandungen: Erstens fehle bei der Adressangabe des Erzeugers, der Neuenrader Gertruden-Apotheke, die Angabe der Postleitzahl. Zweitens fehle der Hinweis „enthält Süßholz“ auf dem Etikett. Schließlich sei die Bezeichnung „Buba Bitter – Likör Halbitter“ ebenso unzulässig wie widersprüchlich. Eine Umbenennung sei deshalb „dringend geraten“.

Dem kam Apothekerin Simons nun nach. Seit dem Wochenende ist das Getränk als „Truden Tropfen“ im Verkauf. Die ersten 288 Flaschen mit neuem Etikett sind im Angebot. Unter dem neu erdachten Namen, der auf Neuenrades Patronin und das Volksfest Gertrüdchen verweist, steht die korrekte Spirituosenbezeichnung „Halbbitter“.

Dr. Dyballa vom CVUA urteilt: „Der neue Name ist doch super. Das klingt klasse.“ Und sie wirbt noch einmal um Verständnis, als sie erläuternd hinzufügt: „Ein Erzeugnis mit dem Namen Bitter muss einen vorherrschenden Bitter-Geschmack aufweisen. Vorherrschend heißt, der Geschmack muss im Vordergrund erkennbar sein. Die Bezeichnung Halbbitter indes ist im Gesetz nicht definiert, hier also zulässig.“

Als Alternative zur Namensänderung, teilt Dyballa mit, hätte es noch „den Antrag auf eine geschützte geografische Angabe“ gegeben. Doch Apothekerin Simons nimmt die nun erfolgte Namensänderung mit Humor: „Wie viele Tester haben wohl ein Pinnchen getrunken, um dann zu dieser fein ausdifferenzierten Beurteilung des Geschmacks zu kommen?“ Sie betont allerdings auch: „Aber es ist ja gut, dass es so etwas gibt, schließlich wollen wir alle, dass unsere Lebensmittel sicher sind.“ Und das CVUA-Gutachten attestiert den Truden Tropfen auch ausdrücklich, sie seien qualitativ „unauffällig“ und „zum Verzehr geeignet“.

Auf dem neu gestalteten Flaschenetikett ist nun die Heilige Gertrude zu sehen. Sie hält in der einen Hand das Neuenrader Stadtwappen und in der anderen ein Pinnchen. Umrahmt wird sie von einem Hufeisen als Erinnerung daran, dass das März-Fest Gertrüdchen einst aus einem Pferdemarkt hervorging. Da auch die 2021er-Auflage des Volksfestes bereits abgesagt wurde, rät Simons, die Truden Tropfen nun als Weihnachtsgeschenk in Betracht zu ziehen, um im kommenden März daheim feiern zu können.

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