Viele Fragen offen

Schließung des Einzelhandels: Große Unsicherheit in Neuenrade

Viele Händler in Neuenrade, wie der Baumarkt Arens & Hilgert, hängen in der Luft, weil eine offizielle Verordnung am Montag noch fehlte.
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Viele Händler in Neuenrade, wie der Baumarkt Arens & Hilgert, hängen in der Luft, weil eine offizielle Verordnung am Montag noch fehlte.

Weiß ich nicht, vielleicht, kann sein, ich habe noch nichts gehört – dieses Vokabular gehörte am Montag zum Standardrepertoire von vielen Einzelhändlern und Dienstleistern in Neuenrade. Sogar aus dem Ordnungsamt verlautete Ähnliches.

Alle Befragten hatten ihre Informationen zum Lockdown ab Mittwoch, 16. Dezember, und ob sie betroffen sind oder nicht, aus den Ansprachen von Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag.

Anrufe beim Ordnungsamt waren nicht von Erfolg gekrönt, eben weil bis Montagnachmittag auch dort noch keine Durchführungsverordnungen angekommen waren. So hingen Jens Hilgert, Geschäftsführer beim Hagebaumarkt Arens & Hilgert, Ewald Schmitt von Blumen Schmitt oder Waldemar Kuschmiersz von Gaumenreiz in der Luft.

Häufig ein gemischtes Programm

Der Grund liegt zum Teil darin, dass viele Einzelhändler eben auch ein gemischtes Programm haben. Trennscharf nur dringend notwendige Dinge des täglichen Bedarfs sind weder bei den Discountern noch im Baumarkt unbedingt auszumachen. So wusste Hilgert nicht, ob er in seinem Geschäft eben die üppige Abteilung Tierbedarf offen halten darf. Auch andere Fragen stellten sich ihm: „Ich hatte bange Anfragen von Handwerkern, die Material benötigen und die nachfragten, wie lange ich denn geöffnet habe.“

In der Tat stellt sich hier die Frage, was dringender Bedarf für einen Handwerker ist, der zum Beispiel in einem Notfall zu agieren hat. Außerdem lässt Hilgert Zweifel durchblicken, was den Sinn der Maßnahmen anbelangt. Er glaubt, das vielmehr Schulen eine große Rolle bei der Pandemie spielten. Von seinen zehn Lehrlingen habe der Großteil zwischendurch in Quarantäne gemusst. Und wenn Mitarbeiter wegen Quarantäne ausgefallen seien, hätten die wiederum schulpflichtige Kinder gehabt. Aber er sei kein Virologe und müsse es so nehmen, wie es kommt.

Was ist mit Deko und Schmuck?

Waldemar Kuschmiersz sagte jedenfalls: „Wir dürfen aufhaben, wir haben Lebensmittel.“ Davon geht er aus. Aber etwas Offizielles hatte er noch nicht. „Wir sind da komplett in der Schwebe. Ob wir, da ohnehin geöffnet, auch Deko und Schmuck verkaufen können, weiß ich nicht“, so Kuschmiersz. Grundsätzlich ist er bislang trotz Pandemie aber zufrieden mit dem Verlauf des Jahres: „Wir werden gut unterstützt von unserer Kundschaft, die Bevölkerung kauft bei uns.“ Zudem verweist er darauf, dass man als Einzelhändler beweglich sein müsse. Es gelte auf die Kundschaft zuzugehen, sich zu bemühen, zu bewegen und zu verkaufen. Natürlich habe man schon Fehleinkäufe getätigt, aber ansonsten funktioniere es.

Bei Möbel Sauerland ist Geschäftsführer Guido Funke gar nicht so schlechten Mutes, was den Lockdown anbelangt. Die kommenden Tage seien generell ohnehin die schlechtesten im Jahresverlauf. Die Leute kauften nur kleine Dinge in Boutiquen und Geschäften, Möbel jedenfalls nicht. Was Funke allerdings nicht so prickelnd findet: Der Lockdown gelte auch für die umsatzstärkste Zeit des Jahres: „Die Tage zwischen den Jahren und die ersten Januarwoche.“ Funke befürchtet zudem, dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird.

Möbelbranche: Umsatz könnte nachgeholt werden

Die Menschen hätten nach den Festtagen Zeit, wüssten, was vom Weihnachtsgeld übrig geblieben ist und würden dieses Geld auch für neue Möbel ausgeben. So beschreibt Geschäftsführer Funke jedenfalls die typische Szene in coronafreien Jahren. Doch der Lockdown werde hoffentlich umsatzmäßig für die Branche keine Gefahr bedeuten. „Der Umsatz wird möglicherweise nachgeholt. Das ist der Unterschied beispielsweise zur Gastronomie“, sagte der Möbel-Sauerland-Geschäftsführer. Zudem sei er mit dem Unternehmen insgesamt bislang recht gut durch das Corona-Jahr 2020 gekommen.

Anders ist die Lage bei Blumen Schmitt an der Bahnhofstraße. Hier hat es im Verlauf des Jahres wegen der Pandemie schon einen erheblichen Umsatzeinbruch gegeben. Zudem liege man in Sachen Zuschüsse mit den Behörden im Clinch. „Anfangs sollten die Zuschüsse auf dem Umsatzrückgang basieren, jetzt plötzlich ist nur von Fixkosten die Rede“, schimpfte Ewald Schmitt. Für ihn ist klar, dass ab Mittwoch das Ladenlokal für den Publikumsverkehr geschlossen ist. Um zu retten, was an Umsatz vielleicht noch zu retten ist, wird er erstmals einen Lieferservice (bis 23. Dezember) anbieten. Kunden hätten bereits angerufen, um nachzuhören, was Sache ist.

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