Schlechte Bezahlung der Grund? Jugendzentrum sucht Bufdi

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Jugendzentrumsmitarbeiter Felix Oblotzki, Vivien Skora und Jugendzentrumsmitarbeiterin Mandy David. Skora wird ihr Bufdi-Engagement vorzeitig beenden, da sie eine schulische Ausbildung beginnt.

„Sie hat sich hier ein gutes Standing erarbeitet!“ Felix Oblotzki und auch Mandy David, die beiden hauptamtlichen Kräfte im Jugendzentrum Neuenrade sind voll des Lobes über Vivien Skora.

Die 16-jährige hat im Jugendzentrum Bundesfreiwilligendienst geleistet – und ihren Job offensichtlich gut gemacht. Skora hat hinter der Theke gestanden, die Kinder und Jugendlichen mit beaufsichtigt, hat sich bei der Mädchengruppe eingebracht und auch organisatorische Aufgaben erledigt. Eigenständig hat sie zum Beispiel die Sommerausflüge des Jugendzentrums geplant. Spaß gemacht hat ihr der Job, doch würde sie ihren potenziellen Nachfolgern empfehlen, als Bufdi im Jugendzentrum erst einzusteigen, wenn man volljährig ist. Es sei ihrer Erfahrung nach auch hilfreich, wesentlich älter als die Kundschaft zu sein, wenn es darum gehe, eine Ansage zu machen. 

Aber es war auch nicht alles toll: So hat die junge Skora beim abendlichen Austausch auf einem Bildungsseminar erfahren, dass andere Bufdis wesentlich mehr Geld im Monat erhielten. Klar, sei der Dienst freiwillig. Dennoch könne sie diese unterschiedliche Handhabung bei der Aufwandsentschädigung nicht verstehen. Auch Oblotzki und David sind deshalb irritiert. Skora arbeitet 39 Stunden pro Woche und bekommt etwa 170 Euro „Taschengeld“ dafür. Zuschläge in Höhe von 30 Euro gibt es, wenn die Strecke zwischen Arbeitsort und Wohnort 3,5 Kilometer überschreiten würde. Auch Fahrgeld gibt es gegebenenfalls. Indes: Wesentlich mehr könnte gezahlt werden. Der Maximalbetrag liegt bei 402 Euro, erläuterte Bufdi-Zentralreferent Peter Schlossmacher, zudem könne man ja verhandeln. Auch Kleidergeld oder sogar Wohngeld seien drin. Doch laut Gesetz sei es eben ein unentgeltlicher Dienst. Eine Bezahlung kann, muss aber nicht erfolgen. Zuweilen hänge das sicherlich auch mit den Marktbedingungen zusammen. Dort, wo es wenige Bufdis gebe, da werde sicher auch mehr gezahlt, zudem hänge es vom Budget der Einrichtungen ab. 

Stadt Iserlohn koordiniert

Das ist wohl der Knackpunkt: Organisatorisch und was die pädagogische Begleitung anbelangt, koordiniert die Stadt Iserlohn seit 2014 auch einige Stellen für Bufdis in Neuenrade, Hemer und Menden. Was die Bezahlung anbelangt, orientiere man sich an Iserlohn, hieß es von Margarete Kind von der Neuenrader Verwaltung. Und die Stadt Iserlohn deckelt den Bufdi-Verdienst, weil vom Bund 250 Euro (für Taschengeld und Sozialabgaben) erstattet würden. „Wir wollen da nicht draufzahlen“, sagt Petra Langhals von der Stadt Iserlohn. Der Grund sind die Sozialabgaben, die zu zahlen sind. 

Der entsprechende Anteil wird abgezogen, sodass den Bufdis in Neuenrade am Monatsende 170 Euro bleiben. Mehr Geld gebe es nicht. Mittlerweile bietet die Stadt Iserlohn 50 Einsatzstellen in den vorgenannten Bereichen sowie im Bereich Kinder-Jugend-Schule an. Auch Seminare gibt es, eine pädagogische Betreuung und Fortbildungen. In Iserlohn weist man auf die relativ geringere Aufwandsentschädigung hin. „Ich sage jedem, dass er es sich gut überlegen soll und dass andere Träger besser bezahlen“, sagte Langhals. Viele würden die Bufdi-Jobs auch als Praktikum nutzen. Und es gebe ja noch den Vorteil, dass man das Kindergeld behalte. Den städtischen Bufdis mehr Aufwandsentschädigung zu bezahlen, ginge ohne Weiteres. Das wäre eine politische Entscheidung durch den Iserlohner Rat, die als freiwillige Leistung im städtischen Haushalt gebucht würde. 

Bufdis und Stellen sind begehrt

Bufdis sind begehrt, Bufdi-Stellen ebenfalls: Aktuell sind nach Angaben von Peter Schloßmacher, beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, im Märkischen Kreis 158 Bufdis im Dienst (92 Frauen, 66 Männer). Der Großteil – 137 – ist jünger als 27; älter als 27 Jahre sind 24 Bufdis. Bundesweit sind aktuell rund 38 500 Bufdis aktiv. 

Für das Jugendzentrum Neuenrade wird nun eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Bufdi Vivien Skora gesucht. Sie verkürzt ihr Engagement, weil sie eine schulische Ausbildung als Sozialassistentin beginnen wird. Dafür waren die Erfahrungen im Jugendzentrum hilfreich.

Weitere Informationen zur Bufdi-Stelle im Jugendzentrum unter Tel. 0 23 92 /6 26 07.

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