Vandalismus reißt nicht ab: Scheiben von sieben Läden eingeworfen

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Polizeiabsperrungen prägen momentan das Stadtbild an der Bahnhofstraße.

Neuenrade/Affeln - Vandalen sind derzeit immer wieder in Neuenrade unterwegs. Nun hat das Ausmaß eine neue, erschreckende Dimension erreicht.  

Die einen sind fassungslos, die anderen wütend. Allen gemeinsam ist aber das fehlende Verständnis: „Was bringt Menschen dazu, das Eigentum anderer mutwillig zu zerstören?“ 

In der Nacht auf Montag, kurz nach Mitternacht, haben vier dunkel gekleidete Personen an der Bahnhofstraße gewütet. Sie schlugen an mindestens sieben Ladenlokalen Schaufensterscheiben ein. Welchen Gegenstand sie dazu benutzt haben, ist noch unklar. Am Tatort ist jedenfalls nichts zurückgeblieben. 

„Dank einer Zeugenaussage wissen wir zumindest, dass es vier Täter waren“, erklärt Polizei-Pressesprecher Marcel Dilling. Der Zeuge, der durch laute Knallgeräusche geweckt worden sei, habe sich vorbildlich verhalten – und sofort die Polizei alarmiert. Die Beamten seien umgehend zur Bahnhofstraße gefahren. „Leider haben sie aber keinen der Täter mehr erwischen können“, sagt Dilling. Sie sollen in Richtung Küntrop davongelaufen sein.

Vier Täter flüchten in Richtung Küntrop

Dennoch könnte es eventuell gelingen, die Randalierer ausfindig zu machen. „Möglicherweise haben Anwohner vor oder nach den Taten verdächtige Personen beobachtet. Wir hoffen jetzt auf weitere Zeugenaussagen“, stellt der Polizeipressesprecher fest. 

In welcher Höhe sich der Sachschaden bewegt, konnte Dilling gestern noch nicht sagen. Er sprach aber von „mehreren tausend Euro“. Wahrscheinlich ist, dass sich der Schaden deutlich im fünfstelligen Bereich bewegt. Denn die wenigsten Geschäftsleute hatten „Glück“ – und müssen nur eine Scheibe austauschen. 

Fünf Schaufensterscheiben des Blumenfachgeschäftes Schmitt sind beschädigt worden. Inhaber Ewald Schmitt ist fassungslos.

Besonders schlimm hat es das Blumenfachgeschäft Schmitt getroffen. „Wir müssen fünf Schaufensterscheiben ersetzen“, berichtet Inhaber Ewald Schmitt. Er erzählt: „Als ich am Montagmorgen ins Geschäfts gekommen bin, wusste ich noch nichts. Ich habe die Polizeiabsperrung gesehen und konnte es nicht glauben.“ 

Im Fachgeschäft EP:Schröder sind nicht nur die Scheiben zerstört worden. Die herumfliegenden Glasscherben haben ein hochwertiges Fernsehgerät und einen teuren Lautsprecher beschädigt. Von defekter oder zumindest beschädigter Schaufensterauslage berichten auch andere Anlieger der Bahnhofstraße –beispielsweise die heimischen Künstler, die sich in der Kreativwerkstatt zusammengeschlossen haben.

Ob die Täter eventuell auch für die Vandalismusschäden in der Altstadt verantwortlich sind, wird sich möglicherweise während der Ermittlungen herausstellen. Dort wurde in der Nacht auf Sonntag erneut ein „Gassenwächter“ beschädigt, eine der Holzstelen, die Kinder und Jugendliche der Kunstwerkstatt gestaltet hatten: Randalierer haben den Gassenwächter in der Püttegasse, am ehemaligen Kino, aus der Erde gehebelt, dem Kunstwerk den Kopf abgerissen und diesen zerschlagen.

Gassenwächter ohne Kopf

„Bisher haben wir vier von acht Gassenwächtern aufgestellt. Keine der Stelen steht mehr, zwei wurden beschädigt“, erzählt Irmhild Hartstein resigniert. Die Leiterin der Kunstwerkstatt bezweifelt, dass weitere Verschönerungsaktionen in der Altstadt sinnvoll sind: „Wir müssen noch überlegen, was wir machen. Die Stelen einfach wieder aufzustellen, ist jedenfalls keine Lösung“, meint Hartstein. 

Sie weiß aus Gesprächen: „Jeweils freitags, samstags und sonntags wird es seit einiger Zeit abends oder nachts zumindest immer richtig laut in der Stadt. Aber dabei bleibt es ja leider nicht.“ 

Bereits vor zwei Wochen waren die Skulpturen in der Altstadt von Vandalismus betroffen. Und nach wie vor gibt es für diejenigen, die Hinweise auf die damaligen oder die aktuellen Täter geben können, eine Belohnung in Höhe von 200 Euro. Wer Hinweise geben kann, sollte sich per E-Mail an mail@kunstwerkstatt-neuenrade.de oder unter Tel 01 51/11 24 27 34 melden. 

Vandalismus Schäden waren auch am Philipp-Neri-Haus entdeckt worden: Dort hatten Unbekannte zwei Fenster mit Steinen eingeworfen. Und an einem Buswartehäuschen an der Bundesstraße 229 an der Einmündung Rote Mütze hatten die Täter gleich fünf Scheiben zerstört. 

SGV-Hütte in Affeln vermüllt und beschädigt

Doch nicht nur in Neuenrade sind Vandalen unterwegs – auch die Dörfer bleiben nicht verschont: An der Hütte der SGV-Abteilung Affeln haben bisher Unbekannte offenbar eine wilde Party gefeiert – ihren Müll hinterlassen und ihre Zerstörungswut ausgelebt: Die Täter trampelten nicht nur mit schlammigen Schuhen über sämtliche Holztische, sondern entzündeten auch Feuer darauf. Auch eine der stabilen Tisch-Bank-Kombinationen ist zerbrochen. „Dafür ist schon ein enormer Kraftaufwand notwendig“, erklärt SGV-Hüttenwart Rainer Kemper, der die Bescherung am Freitag entdeckt hat. 

Die Schäden seien vermutlich am späten Dienstagabend oder in der Nacht verursacht worden. Der Vorstand der SGV-Abteilung bittet die Affelner, die in der Nähe der Hütte wohnen, dringend um Mithilfe: „Wer insbesondere in der Woche Musik oder Lärm von dort hört, sollte uns unbedingt anrufen.“ Denn vermietet sei die Hütte in der Regel nur an Wochenenden oder an Feiertagen. Hüttenwart Kemper ist unter Tel. 02394/8287 erreichbar. 

Polizei-Pressesprecher Dilling empfiehlt grundsätzlich jedem, der von Vandalismus betroffen ist, Anzeige zu erstatten. „Manchmal melden sich unabhängig davon bei der Polizei Menschen, die etwas Verdächtiges beobachtet haben, was in Zusammenhang mit Sachbeschädigungen stehen könnte. Wenn uns dann aber kein Fall bekannt ist, können wir keinen Zusammenhang herstellen und die Täter kommen davon. Deshalb ist eine Anzeige auf jeden Fall sinnvoll.“

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