Schafe als Unkraut-Inspektoren in Küntrop

Claudius Schulte in seiner Plantage in Küntrop. Um das Unkraut zwischen den Bäumen möglichst klein zu halten, aber keine Pestizide einsetzen zu müssen, hat er sich Shropshire-Schafe zugelegt.
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Claudius Schulte in seiner Plantage in Küntrop. Um das Unkraut zwischen den Bäumen möglichst klein zu halten, aber keine Pestizide einsetzen zu müssen, hat er sich Shropshire-Schafe zugelegt.

Wenn in diesem Corona-Jahr auch in der Weihnachtszeit Vieles anders läuft als gewohnt, gibt es doch Grundfesten auf die sich die Menschen verlassen können. Eine davon ist der Weihnachtsbaum, der überall eine besondere Bedeutung hat und meist sehr individuell dekoriert wird.

Dass dies auch 2020 möglich ist, dafür sorgt unter anderem Claudius Schulte mit seiner Familie. In Neuenrade-Küntrop betreibt der 42-Jährige eine besondere Weihnachtsbaum-Plantage. Denn Schultes Ziel ist es, diese komplett nachhaltig zu betreiben.

Deshalb verzichtet der Küntroper auf den Einsatz von Pestiziden, also Chemikalien, die zur Vernichtung von Unkraut eingesetzt werden. „Klar, kann man Unkraut wegspritzen, dann werden die Flächen braun und man hat seine Ruhe. Aber es sind auch oft Blumen auf den Wiesen, die wiederum Bienen anlocken. Das sind Ökosysteme, die nicht einfach zerstört werden sollen. Deshalb haben wir uns stark dafür gemacht, dass Pestizide bei uns gar nicht erst zum Einsatz kommen. Wir haben lange darüber nachgedacht“, erzählt Schulte.

Weihnachtsbaumverkauf in dritter Generation

Die vielen Überlegungen haben schlussendlich zu einem Ergebnis geführt: Auf dem Hof in Küntrop gibt es jetzt lebendige Unkraut-Inspektoren und Rasenmäher: Denn Claudius Schulte, der den Weihnachtsbaumverkauf gemeinsam mit seinem Bruder Christian in dritter Familiengeneration betreibt, hat sich Shropshire-Schafe zugelegt. „Wir haben jetzt noch einen Schafbock dazu geholt, damit wir selbst Schafe heranziehen können“, erzählt Schulte. Die Schafe stammen von einem Züchter aus Lennestadt, ursprünglich kommt die Rasse aber aus dem Gebiet Shropshire in England. Daher auch ihr Name.

Zur Person: Das ist Claudius Schulte

Familienvater Claudius Schulte ist 42 Jahre alt und arbeitet als Verkaufsleiter Innendienst bei Balver Zinn. Schulte ist bei etlichen Neuenrader Angelegenheiten involviert, zum Beispiel beim Wallbrett-Projekt oder bei dem stadtunabhängigen Verein Kulturfluter. Festivals wie Rumot Tripod oder May Perlorama finden in der Schulteschen Scheune statt. Er gehört auch zum Pfadfinder-Umfeld, die der Natur zugewandt sind und nachhaltig agieren wollen.

Seine Douglasien-Schonung könne er durch die Shropshire-Schafe und einen Hochgrasmäher sauber halten. Auf den Mäher habe er eigentlich komplett verzichten wollen, dieser Plan sei aber nicht ganz aufgegangen, weil die Tiere das Gras nicht gleichmäßig genug abfressen. „Aber wir müssen ihn deutlich seltener einsetzen. Das erleichtert die Arbeit schon, denn das Mähen ist sehr zeitaufwendig“, sagt Schulte. Aus wirtschaftlichen Gründen habe er die Schafe ohnehin nicht angeschafft, denn dass Unterbringung, Futter, Wasser und auch der Tierarzt Geld kosten, sei klar. „Wir wollten keine Pestizide in der Schonung haben. Man muss die Chemikalien mit bestimmten Vorkehrungen lagern, da wollten wir nichts riskieren. Vor allem, weil wir auch unsere Kinder hier auf dem Hof haben.“

Schafe rühren die Bäume nicht an

Die Schafe bekämpfen das Unkraut effizient, rühren aufgrund ihres angeborenen Fressverhaltens die Weihnachtsbäume aber nicht an. Aber nicht nur das: „Ich habe auch gelesen, dass sie einen positiven Effekt bei der Vermeidung eines Schädlingsbefalls haben sollen“, sagt Schulte. Zudem sorgten sie durch ihr Körpergewicht beim Umherlaufen dafür, dass der Boden verdichtet wird. „Dadurch bekämpfen sie Wühlmäuse, die ihre Gänge in der Regel nah an der Erdoberfläche graben. Wühlmäuse können auf Weihnachtsbaumplantagen große Schäden anrichten, weil sie die Wurzeln der Bäume anfressen.“ Sogar die Wolle der Schafe komme zum Einsatz. Sie wird als Verbissschutz an der Spitze der Setzlinge festgemacht. „Normalerweise kommt auf die Spitze Plastik, auf das man so verzichten kann“, erklärt Claudius Schulte.

Den Mäher muss Claudius Schulte mittlerweile nur noch selten einsetzen. In seiner Schonung halten die Schafe das Unkraut kurz. Zusammen mit seiner Familie möchte Schulte die Rasse nun auch züchten.

Seine Schonung in Neuenrade-Küntrop ist vergleichsweise klein. „Wir haben einige hundert Bäume, die wir selbst verkaufen. Weitere kaufen wir von einem Händler zu, bei dem wir wissen, dass er sie nachhaltig anbaut“, erklärt Claudius Schulte. Ziel sei aber, künftig den gesamten Bedarf selbst zu produzieren. „Wir arbeiten daran, die Effizienz zu steigern und uns konzeptionell so aufzustellen, dass wir den gesamten Bedarf selbst decken können.“

Schonung liegt direkt am Hof der Familie

Dass die Schonung direkt am Hof der Familie liegt, macht die Bewirtschaftung mit Schafen überhaupt erst möglich. Denn täglich müsse nach den Tieren gesehen werden. Vor nicht allzu langer Zeit wurde die kleine Herde zum Beispiel von einem wilden Hund erschreckt. Die größeren Tiere liefen dabei ein junges Lamm um, das stürzte, überrannt wurde und sich dabei ein Bein brach. „Da war nichts mit gemütlichem Familiensonntag, sondern wir mussten zum Tierarzt nach Brilon fahren, der sich um das Lämmchen kümmerte“, berichtet Schulte. „Man muss sich schon um die Tiere kümmern.“ Außerdem brauchten sie eine Beherbergung, die sich in der Nähe des Hofs schnell und gut einrichten ließ.

Die Weihnachtsbäume der Familie Schulte können am Breitenbruch 1 in Neuenrade-Küntrop erworben werden. Rund 16 Euro werden pro Meter fällig, beziffert Claudius Schulte. Der kleine Weihnachtsmarkt, den es in den Vorjahren an der Schonung gab, muss dieses Jahr coronabedingt ausfallen, bedauert die Familie. Der Verkauf läuft täglich von 9 bis 17 Uhr.

Bäume können auch online bestellt werden

Wer im Neuenrader Stadtgebiet wohnt, hat bei Schulte auch die Möglichkeit, einen Baum online zu bestellen (www.weihnachtsbaum-neuenrade.de) und sich nach Hause liefern zu lassen. „Wir haben darüber nachgedacht, dass Menschen, die in Quarantäne sind oder das Haus nicht verlassen wollen, sonst im schlechtesten Fall dieses Jahr gar keinen Baum kriegen. Deshalb haben wir die neue Homepage aufgesetzt“, erläutert Schulte, der durch das Online-Angebot so vielen Menschen wie möglich ein schönes Weihnachtsfest ermöglichen will. Für den Lieferservice im Stadtgebiet wird eine Gebühr von 7 Euro fällig.

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