Darum wurde ein schauriger Abend der Motte so hinreißend

+
Naelah Aysanoglu spielte auf ihrer Harfe vor der erleuchteten Motte.

Küntrop - Klaus Peter Sasse kokettierte nach 90 Minuten gewaltig, als er dem Publikum dankte. Er bezeichnete den Abend als „Durcheinander und Experiment“. Die gut 50 Zuschauer und -hörer aber waren entzückt vom Erlebten. Sie hatten ein hochwertiges Programm vor einer betörenden Kulisse genossen. Nicht wenige dürften im Bekanntenkreis nun erzählen, wie schön das doch gewesen sei.

Vor der im Dunkeln angeleuchteten Küntroper Motte hatte die bezaubernde Naelah Aysanoglu ihre Harfe gespielt und dabei unter anderem „Paint it Black“ von den Rolling Stones auf ein ganz neues Qualitätslevel gehoben.

Mit ihrem Cello angereist war Frederike Liebermann. Sie interpretierte unter anderem das englische Kirchenlied „Amazing Grace“. Somit entführte sie die Teilnehmer dieses außergewöhnlichen Abends in eine faszinierende Traumwelt.

Die Musik bereitete den Boden für den Ex-Bürgermeister Sasse und seinen kongenialen Partner Veit Henning Krönke. Beide wussten mit ihrem Vortrag, ihrer Intonations-Lust sowie dem warmen Timbre ihrer Stimmbänder ein Publikum zu fesseln, wie es nur wenige können. Sagen und Märchen hatten sie für diesen Anlass ausgesucht. Doch manchmal genügten sie sich auch selbst, nahmen einander aufs Korn und die Zuschauer damit an die Hand auf dem Weg in eine schaurig-schöne Geschichtenwelt.

Klaus Peter Sasse (rechts) und Veit Henning Krönke lasen.

Krönke alberte herum, weil Sasse kurz vor Beginn der Veranstaltung seine Brille verlegt hatte. Dieser wiederum stichelte in Richtung seines Freundes, weil der mit seinem Vortrag eigentlich noch gar nicht an der Reihe gewesen sei. Die mehr als 50 Anwesenden lachten mit den beiden, die sich da so herzlich neckten.

Krönke trug dann „Gäste zur Nacht“ von Alexander Puschkin vor – eine Mär, in welcher es nur so wimmelte vor Untoten und klapperigen Skeletten. Doch kurz, bevor es allzu unheimlich wurde, überließ der Erzähler sein ihm an den Lippen hängendes Publikum den beiden Musikerinnen.

Märchenstunde macht Gänsehaut

Als sich die Gänsehaut bei den Teilnehmern des Abends wieder gelegt hatte, verriet Krönke das Ende der Horror-Story des russischen Dichters. Sasse hingegen hatte „Die zwölf Brüder“ gewählt. Im Klassiker der Gebrüder Grimm wird ein Mädchen zum siebenjährigen Schweigen verdammt, um ihre zwölf verwunschenen Brüder vor dem Tod zu bewahren.

Auch dieses Märchen erzeugte Schaudern im Auditorium. So wollte das ehemalige Stadtoberhaupt seine Gäste jedoch nicht auf den Heimweg entlassen. So wählte er als zweites Grimmsches Märchen, dass er vortrug – jenes vom armen Müllersburschen und dem bunten Kätzchen.

Dieses hatte ein versöhnliches Happy-End zu bieten. Und es gab Gelegenheit, es inhaltlich mit dem überaus gelungenen Abend zu verbinden. Als in der Story einige Katzen zu einem Fest aufspielten, schilderte Sasse das Geschehen derart: „Die eine Katze spielte Harfe, die andere ein Cello.“ Damit hatte Sasse die Lacher wieder auf seiner Seite.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare