Bei diesem Event ist das Festival selbst der Star

+
Die Reisegruppe Hardrock spielte in der Scheune 80er-Jahre-Hits wie „Maniac“ von Michael Sembello und „Rebel Yell“ von Billy Idol. Dabei waren die Musiker in Spandexhosen und mit reichlich Flitter und Glitter perfekt im Stile der einstigen Hair-Metal-Bands kostümiert.

Küntrop -  Benja ist ein Jahr alt. Das Rumo Tripot auf dem Küntroper Schultenhof ist ihr erstes Festival. Zufrieden fährt sie mit dem Bobbycar über die Wiese. Dass drinnen gerade die Reisegruppe Hardrock spielt, scheint sie nicht zu interessieren – oder jedenfalls nicht zu stören.

Das Gefährt, auf welchem Benja sitzt, hat viel mehr Bedeutung für sie. Um sie herum wuseln zahlreiche weitere Mädchen und Jungen. Einige spielen auch im Sandkasten, der in diesem Jahr erstmals auf dem Rumo-Tripot-Festival aufgebaut wurde. Andere sitzen am Tisch mit dem Blättern und Malstiften. Dritte belagern eine der unzähligen Couchen, um sich in der Sonne zu fläzen.

Festival-Mit-Organisator Claudius Schulte lächelt zufrieden. „Das Family-Ticket wird sehr gut angenommen“, stellt er fest. Dann rechnet er auf: „150 Karten wurden im Vorverkauf abgesetzt. Aber schon mittags und nachmittags waren 300 Leute hier.“ Dann gesteht er: „In den Vorjahren waren es zu solch früher Stunde bloß 50.“

Rumo-Tripot-Festival 2019 in Küntrop

Am frühen Abend wurde es dann noch voller. Die Reisegruppe Hardrock spielt in der Scheune vor großer Kulisse. Die Münsteraner feuern 80er-Jahre-Hits wie „Maniac“ von Michael Sembello und „Rebel Yell“ von Billy Idol in die überaus begeisterte Menge. Dabei sind die Musiker in Spandexhosen und mit reichlich Flitter und Glitter perfekt im Stile der einstigen Hair-Metal-Bands kostümiert. Was sie bieten, ist eine herrliche Zeitreise.

Claudius Schulte räumte indes ein: „Ganz voll wird es heute wohl nicht - angesichts der großen Konkurrenz, mit der Plewo in Plettenberg und dem Bautz-Festival in Lüdenscheid.“

Wobei das Konzept in Küntrop ein anderes war. Der in diesem Jahr erstmals eingerichtete Backstage-Bereich für die Künstler unterstrich das: Dieses Festival soll ganz bewusst familiär daher kommen. „Und wir bekommen auch von allen Künstler ein positives Feedback“, freut sich Schulte.

Bühne auch für Poetry-Slammer

Während der Umbaupausen in der Scheune ist eben dieser Backstage-Bereich der Auftrittsort für die Poetry-Slammer, die sich beim Rumo Tripot präsentieren. Die Zuschauer setzen sich dem jeweiligen Künstler zu Füßen ins Gras und lauschen, applaudieren und lachen. Claudius Schulte, Mitglied des ausrichtenden Vereins Kulturfluter, hat beobachtet: „Die Leute haben wirklich vernünftig zugehört.“

Michael El-Goehre aus Essen ist einer der Dichter und Schriftsteller, die so vor das Küntroper Publikum treten. Und gleich zu Beginn warnt er die Eltern, dass sein Programm auch „viele schlimme Wörter“ enthalte. Es gelte also, dem Nachwuchs die Ohren zuzuhalten.

Auch die ganz kleinen Besucher konnten sich beim Rumo-Tripot-Festival amüsieren. Zum ersten Mal wurde auch ein Sandkasten aufgebaut.

Und schon legt der gebürtige Ostwestfale los und lobt seine neue Heimat, das Ruhrgebiet. „Ich mag die Arbeiterschicht ohne Arbeit und das offene Bekenntnis zum Alkoholismus an jeder Straßenecke.“ Schon schildert er, wie sich ihm ein nicht ganz nüchterner Unbekannter einfach in den Weg stelle und ihn lallend provoziere. „Dein Versuch, mich zu beleidigen, prallt an mir ab, wie Intelligenz an Donald Trumps Orangenhaus“, hätte er ihm gerne entgegnet, hätte er sich bloß getraut. Stattdessen wundert er sich nun, „dass Blödheit hierzulande immer noch nicht strafbar ist“.

Trompeten und Posaunen

Dann entern auch schon wieder Musiker die Scheunen-Bühne. Die Ska-Punker von Wisecräcker aus Hannover mischen ihren fröhlichen Sound mit Trompeten und Posaunen auf und gehen den Fans von der Bühne sofort ins Blut.

Das kommt sehr gut an. Und es wirkt nicht wie ein Konzert, bei dem Zuschauer und Instrumentalisten durch eine unsichtbare Trennlinie voneinander separiert werden.

So ist der wochenlang angekündigte „Special Guest“, der am Abend auftritt, auch kein Top-Act, der den Fans die Münder ehrfürchtig offen stehen lässt. „Der Special Guest ist das Rumo Tripot selbst“, formulieren es die Organisatoren. Die Mitglieder der unterschiedlichen Bands feiern auf den Brettern, die für manche die Welt bedeuten können, und vor den Zuschauern ein großes Familientreffen.

Nur Benja stellt das Bobbycar nun langsam in die imaginäre Garage. Für sie wird es allmählich Zeit, ins Bett zu gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare