Löhrmann-Ausstellung in der Stadtgalerie

Rolf Löhrmann.

NEUENRADE ▪ Bewusstes individuelles Sehen und die Erkenntnis, dass hinter jeder Wahrheit eine weitere liegt: Rolf Löhrmanns Gemälde, Fotografien und Druckgrafiken zeichnen sich durch ihre Vielschichtigkeit aus. Diese erlaubt es dem Betrachter nicht, mit einem einzigen Blick das Dargestellte zu erfassen. Ab Donnerstag, 4. Oktober, sind Löhrmanns Werke in einer Ausstellung in der Stadtgalerie Neuenrade zu sehen.

Der seit 2007 in Nordrhein-Westfalen lebende Maler und Grafiker Rolf Löhrmann ist inzwischen zu einem festen Bestandteil der deutschen Kunstlandschaft geworden. Er reagiert mit seiner künstlerischen Arbeit auf die nach seiner Auffassung immer eindimensionaler werdende Informationskultur der Massenmedien, eine Tendenz, die er zwar schon seit langem verfolgt, die ihm aber zunehmend aufstößt.

Schon zu Zeiten seines Kunststudiums hatte er mit Freunden in Berlin die Galerie 70 gegründet und dort Ausstellungen organisiert wie z. B. „Spiegel-Titelseiten“, bei der nicht nur die tatsächlich veröffentlichten Titelseiten des Spiegel der 70er Jahre gezeigt wurden, sondern auch all die Entwürfe der Grafikabteilung, die letztlich nicht veröffentlicht wurden. Schon damals habe man sehr gut nachvollziehen können, wie gesamtgesellschaftliche oder wirtschaftliche Probleme visuell auf eine Person oder einen Aspekt reduziert wurden, um ,verstanden‘ zu werden. Löhrmann, 1950 geboren und aufgewachsen in Hannover, wurde schon während seiner Schulzeit durch den Maler Ernst Marow künstlerisch gefördert. 1972 zog er nach Berlin, wo er bis 1980 an der Hochschule für bildende Künste Kunstpädagogik studierte. Nach seinem Studium unterrichtete er an verschiedenen Schulen und organisierte dort auch Ausstellungen. Im Gegensatz zu seinen künstlerischen Anfängen sind Löhrmanns Arbeiten heute nicht mehr vordergründig politisch motiviert. Er will nicht belehren. „Das habe ich 25 Jahre an der Schule gemacht, das reicht“, sagt er selbstkritisch. Was er mit seinen Arbeiten erreichen will, ist die Wiederbelebung des bewussten individuellen Sehens: „Jeder Mensch verfügt über einen ganz eigenständigen Schatz an visueller Erfahrung, der ihn befähigt, Wahrgenommenes zu deuten“, sagt er. 2011 wurde er für seine druckgrafischen Arbeiten mit dem Sonderpreis der 33. Holfelder Kunstaustellung ausgezeichnet.

Die Vernissage in der Neuenrader Stadthausgalerie beginnt am Donnerstag, 4. Oktober, um 19 Uhr. Der Künstler wird anwesend sein und steht den Besuchern gern für Fragen zur Verfügung, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Ausstellungseröffnung wird musikalisch begleitet mit einem besonderen Hörgenuss: „Two for the Road“, für Neuenrade neu formiert mit Dimitry Telmanov (Trompete) und Felix Krampen (Gitarre). Die beiden Vollblutmusiker spielen „Jazz Standards vom Feinsten“, heißt es in der Ankündigung. ▪

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