Archivar auf Zeitzeugen-Suche

„Feuer und Flamme für alte Fotoaufnahmen“ ist der Stadtarchivar und erkundet gerne die Geschichte hinter Bildern. J Foto: Finger

Neuenrade - „Es brennt mir echt auf der Seele herauszufinden, unter welchen Umständen das historische Dokument entstanden und wer auf der Aufnahme zu sehen ist“, sagt Dr. Rolf-Dieter Kohl und zeigt ein altes, restauriertes Foto.

Dieses hatte der Stadtarchivar kürzlich aus dem Nachlass eines Neuenraders bekommen. Nun sucht Kohl Bürger, die ihm bei der Recherche hilfreich sein können.

Deutlich zu erkennen ist das Neuenrader Rathaus sowie eine Fahne mit dem Neuenrader Stadtwappen. Daneben flattert auch eine Hakenkreuz-Fahne, was Kohl zu dem Schluss bringt, dass das Bild definitiv in die Zeit nach der Nationalsozialistischen Machtübernahme fällt. „Meine erste Annahme war, dass es sich um das Jahr 1933/34 handeln könnte“, vermutet Kohl, der sich irritiert zeigt, dass relativ wenig Insignien der Nationsozialisten zu sehen seien. „Normalerweise wehten später mehr Hakenkreuzfahnen auf öffentlichen Plätzen oder es hätten mehr Menschen in Uniform zu sehen sein müssen“, so Kohl über das Bild, auf dem die Kinder Blumengestecke in der Hand haben und in den Haaren tragen. Kohl vermutet, dass einer der Jungen im Hintergrund - mit Militärmütze und umgeschnalltem Riemen - ein Mitglied der Hitlerjugend sei. Zudem erkenne er am Rand der Aufnahme Mitglieder eines historischen Kriegervereins, vermutet der frühere Kreisarchivar.

Erste Hinweise bekam der Stadtarchivar von Neuenrade bisher von Dirk Ahrens. Dieser vermutet auf der Aufnahme seine Mutter - die 1927 geborene Gerda Ida Ahrens, geborene Teutemann. Auf weitere solche Hinweise aus der Neuenrader Bevölkerung hofft Kohl jetzt nach seinem Aufruf: „Es ist nicht unwahrscheinlich, da die abgebildeten Kinder teils sehr jung sind, dass jemand davon noch lebt und sich selbst wieder erkennt. Die Qualität der Aufnahme ist wirklich gut. Man erkennt die Gesichtszüge sehr detailliert“, meint der heute 75-Jährige.

Wer Kohl Hinweise geben kann - oder eventuell selbst Verwandte, Freunde oder Bekannte auf dem Bild erkannt hat - kann sich unter Tel. 0 23 92/69 31 20 mit dem Stadtarchivar in Verbindung setzen. Auch eine direkte Begutachtung des Dokumentes ist, in Absprache mit dem ehemaligen Kreisarchivar, möglich. Zudem ist Kohl auch für Spenden offen und freut sich auch über zufällige, alte Dachboden-Funde mit Neuenrade-Bezug.

Von Benny Finger

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