Das Notrufsystem

E-Call und Co.: Leben retten per Telefon und App

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Ein Disponent in der Kreisleitstelle bei der Arbeit.

Neuenrade – 210-mal haben Bürger 2018 Menschen im Kreis reanimiert   - und sich dabei am Telefon von der Rettungsleitstelle helfen lassen. Bald soll der Notruf per App möglich sein.

Dass ein Sicherheitssystem genau arbeitet, dass Rädchen passgenau ineinandergreifen – das rettet Leben. Die Mitarbeiter der Kreisleitstelle der Feuerwehr haben das 2018 viele Male unter Beweis gestellt. Dass das System bestens funktioniert und dass ständig an der Verfeinerung des Rettungssystems gearbeitet wird, hörten die gut 30 Mitglieder der CDU-Seniorenunion am Montag im Kaisergarten aus berufenem Munde. 

Der Leiter der Leitstelle für Feuerschutz und Rettungsdienst des Märkischen Kreises, Stephan Volkmann, erklärte den Zuhörern insbesondere das Notrufsystem. Der Neuenrader, der auf Bundesebene sogar Mitglied der Expertengruppe Notruf ist, beantwortete Fragen und hatte die eine oder andere Geschichte von besonderen Rettungseinsätzen parat. 

W-Fragen sind überholt

Demnach hat sich das Notrufsystem inzwischen in einer Hinsicht grundlegend gewandelt. So muss der Anrufer nicht mehr unbedingt die W-Fragen parat haben. Volkmann: „Die fünf W-Fragen sind überholt.“ Heutzutage gebe es „die aktive Gesprächsführung“ des Disponenten. Der Anrufer muss schlicht die Fragen beantworten, die in folgender Reihenfolge abgefragt werden: Wo ist etwas passiert, wie lautet die Rückrufnummer, wie ist der Name, was ist passiert?“

Nachdem das alles erledigt ist, kann ein Fragenkatalog abgearbeitet werden, der Leben retten kann – insbesondere, wenn es um den Herz-Kreislauf-Stillstand geht.

210 Reanimationen per Telefon im Jahr 

Dann hat der Disponent die Möglichkeit, den Anrufer zu motivieren und per Telefon anzuleiten, Wiederbelebungsversuche zu unternehmen. So wurden 2018 mit Hilfe der Disponenten der Kreisleitstelle in Lüdenscheid 210 Reanimationen per telefonischer Anleitung unternommen. Dabei geht es vor allem darum, den Kreislauf mit der Herzdruckmassage in Gang zu halten bis professionelle Hilfe kommt. 

Eine Beatmung sollte möglichst von jenen vorgenommen werden, die das können. „Drücken ist das Allerwichtigste“, sagte Volkmann. Natürlich könne man jeden Patienten retten, versuche aber für jeden Fall so viel tun, dass er später wieder möglichst gesund und fit aus dem Krankenhaus herauskomme. 

Ehemann liegt reglos im Bett

Volkmann erzählte die Geschichte einer Hochschwangeren, die ihren Mann, der regungslos neben ihr im Bett lag und nur noch gelegentlich atmete, per telefonischer Anweisung retten konnte, so dass er so gut wie unbeschadet überlebte. Dass die Frau dann beim Besuch ihres Gatten im Krankenhaus Wehen bekam und später eine Etage tiefer das Kind zur Welt brachte, setzte dem Ganzen die Krone auf. 

Dass es nicht ganz einfach ist jemanden via Handy zu orten und man  WhatsApp nutzen müsse, um auch den Mountainbiker aus dem Ruhrgebiet zu lokalisieren, der im Sauerländer Wald einen Unfall hatte und nicht genau wisse, wo er sich befinde, erzählte Volkmann. Hilfreich war auch Volkmanns Tipp, dass bei der akuten Hilfe immer jemand zielgerichtet die Initiative ergreifen müsste – um 112 zu rufen und erste Maßnahmen zu ergreifen. Und wichtig sei es, nach dem Absetzen des Notrufes auf den Disponenten – stets ein erfahrener Feuerwehrmann – zu hören. 

Notruf-App geplant

Auch über die Zukunft des Notrufwesens informierte Volkmann: So verfügen alle ab April zugelassenen Autos über E-Call, bei dem vom Fahrzeug aus nach einem Unfall automatisch ein Notruf abgesetzt wird. Auch eine Notrufapp soll es demnächst geben – hilfreich für Sprach- und Hörgeschädigte, die Notrufe bislang nur per Fax absetzen könnten. 

Personell verfügt die Leitstelle über 22 Disponenten, einen Leiter, eine Verwaltungsfachkraft, drei Dienstgruppenleiter nebst Stellvertreter, einen Technikleiter nebst Stellvertreter, drei Techniker und noch einen Datenpfleger.

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