1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Neuenrade

Realistische Übung: Souveräne Rettungs-Azubis

Erstellt:

Von: Fabienne Schwarzer

Kommentare

 An einer Puppe übte der Rettungsdienst den Umgang mit einem supermodernen Thorax-Kompressionsgerät, das auch während des Transports zum Rettungswagen eine Herzdruckmassage leistet
An einer Puppe übte der Rettungsdienst den Umgang mit einem supermodernen Thorax-Kompressionsgerät, das auch während des Transports zum Rettungswagen eine Herzdruckmassage leistet. © Fabienne Schwarzer

Wer am Samstag Sirenen von der Industriestraße in Neuenrade aufheulen hörte, kann beruhigt sein. Es handelte sich um eine Übung für die Auszubildenden des Rettungsdienstes des Märkischen Kreises und der Freiwilligen Feuerwehr Neuenrade.

Neuenrade - Geplant hatte die Großübung die Kreisleitstelle, die Feuerwehr und der Rettungsdienst. Mit der Planung hatten sie bereits im vergangenen September begonnen. Auch die Planung des komplexen Szenarios beanspruchte einige Zeit: Ein Auto fuhr aufgrund eines medizinen Notfalls des Fahrers in den Gegenverkehr. Dort kollidierte es mit einem anderen Auto und dieses wiederum mit einigen Fußgängern.

Insgesamt waren an dem Unfall neun Personen beteiligt. Ein Mann wurde überrollt, der andere war unter dem Auto eingeklemmt. Das Erschreckende dabei: Die nachgestellten Fälle sind alle tatsächlich im Märkischen Kreis geschehen. „Besonders schwierig war bei der ganzen Planung die Geheimhaltung und immer aufzupassen, dass man sich nicht verrät“, sagte Stefan Besser, der Löschzugführer des Löschzugs eins in Neuenrade.

Überall auf dem Übungsgelände waren Schreie und Hilferufe zu hören. Diese klangen sehr überzeugend, da diejenigen, die die Verletzten spielten, Hobbyschauspieler sind, die in ihrer Freizeit bei der Realistischen Unfalldarstellung (RUD) mitarbeiten. Dazu gehört nicht nur das authentische Schauspielern, sondern auch das Schminken von Verletzungen, darunter waren große Hämatome, blutige Wunden und herausstehende Knochen.

Die Auszubildenden der Rettungsdienstes verrichteten trotzdem souverän ihre Arbeit. Sie wussten allerdings bereits im Vorhinein, dass diese Szene eine Übung ist. „Es wirkt vielleicht erstmal hart, dass der erste Trupp einfach an verletzten, an schreienden Menschen vorbei geht, doch das müssen sie, damit sie sich einen Überblick verschaffen und die anderen Rettungskräfte über die Situation informieren können“, erklärte Selattin Alptekin, der aus Werdohl stammende leitende Praxisanleiter des Rettungsdienstes des Märkischen Kreises.

Dann rückten nach und nach mehr Fahrzeuge an, auch die Freiwilligen Feuerwehr. Diese wusste im Gegensatz zum Rettungsdienst nicht, dass es sich um eine Übung handelt. Als Alptekin Fotos machte, wurde er von einem der Feuerwehrleute weggeschickt. Er hatte Alpektin für einen Schaulustigen gehalten.

Als Feuerwehr und Rettungsdienst aufeinander trafen, wurde die Arbeit aufgeteilt. Der Rettungsdienst versorgte die Wunden und die Feuerwehr trennte ein Autodach ab, damit eine Familie gerettet werden konnte.

Gegen Ende der Übung wurde mit einer menschengroßen Puppe ein Herzstillstand simuliert, sodass die Einsatzkräfte eine Wiederbelebung beginnen mussten. Dann wurde die manuelle Herzdruckmassage in einem nahtlosen Übergang durch eines der modernsten Geräte des Rettungsdienstes, das Corpus CPR, ein Thorax-Kompressionsgerät, ersetzt.

Die insgesamt 60 Einsatzkräfte beherrschten nicht nur ihr jeweiliges Handwerk, sie kümmerten sich auch um das seelische Wohl der Beteiligten, sowohl der Zeugen als auch der Verletzten. Überlebt haben in dem Szenario alle. „Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit der Übung, sogar positiv überrascht. Ein paar Kleinigkeiten gibt es natürlich danach immer zu besprechen, aber ich bin wirklich sehr zufrieden“, sagte Ralf Wengenroth, Leiter der Rettungswache Werdohl, dessen Einsatzgebiet auch Neuenrade beinhaltet.

Auch glücklich mit der Übung war Dominik Drawer, der selbst Mitglied des Rettungsdienstes ist und seine Ausbildung schon hinter sich hat. Er hat die Übung aus einem ganz anderen Blikwinkel wahrgenommen, denn er hat einen der Verletzten gespielt. „Ich finde, sie haben das toll gemacht und ich bin jetzt wirklich erschöpft“ sagte er, denn nicht nur die Rettungskräfte verrichteten tolle und anstrengende Arbeit, auch die Schauspieler gaben alles.

Auch interessant

Kommentare