Aufmerksame Partygäste

Raubprozess: Nachbarn rufen Polizei

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Die Angeklagten und ihre Verteidiger zum Auftakt des Prozesses am Landgericht Hagen.

Neuenrade - Völlig dilettantisch wirkt das Vorgehen der Täter im Lichte dessen, was die Ermittler, die in jener Nacht in Neuenrade unterwegs waren, im Landgericht erzählen. 

So hatten die Angeklagten ihr Auto, einen relativ auffälligen BMW, unverschlossen und mit eingeschaltetem Licht in Sichtweite des Tatortes abgestellt. 

Das Fahrzeug mit einem Kennzeichen des Kreises Mettmann und die darum gruppierten Fremden fielen den Nachbarn sofort auf. „Da stimmte was nicht. Die sahen aus, als wollten sie Drogen verkaufen“, erinnerte sich eine Zeugin, die mit fünf weiteren Frauen und mindestens sechs Flaschen Sekt an jenem Abend eine Party feierte. 

Fluchtfahrzeug untersucht

Der Anruf ihres Mannes bei der Polizei könnte dazu beigetragen haben, dass vier Tatverdächtige zeitnah festgenommen wurden. Denn noch bevor die Beamten wussten, was in der Villa geschehen war, untersuchten sie schon den auffälligen BMW und nahmen den Tätern dadurch wohl ihr Fluchtfahrzeug. 

In dem Auto fanden sie eine Schreckschusspistole und ein Magazin mit Pfefferpatronen sowie den Personalausweis eines der Angeklagten. Dass die Täter die Waffe nicht mit in die Villa genommen hatten, war ein Umstand, der vor allem die Verteidiger interessierte. 

Weil nicht nur das Licht, sondern auch noch das Navigationsgerät an war, konnten die Ermittler feststellen, welche Ziele die Täter in Neuenrade hatten ansteuern wollen. Eine der Adressen stieß auf das besondere Interesse der Beamten aus der Werdohler Wache: Sie kannten das dort wohnende Brüderpaar von früheren Begegnungen. 

Laute Hilferufe

Doch bevor die Beamten diesen Spuren nachgehen konnten, mussten sie die beiden Opfer des Überfalls aus ihrer misslichen Lage befreien. Ihre Rufe drangen schließlich bis zu dem abgestellten BMW. Da die Beamten nicht wussten, ob noch Täter im Haus waren, umstellten sie die Villa. 

Zur entscheidenden Begegnung mit vier Tatverdächtigen kam es dann um kurz nach Mitternacht – etwa anderthalb Stunden, nachdem das Auto inspiziert worden war. 

Im Bereich der Friedhofskapelle wollten die Tatverdächtigen in ein weiteres Fahrzeug mit Mettmanner Kennzeichen einsteigen. Dazu kam es aber nicht mehr. 

Die Polizeibeamten konnten jedoch nicht verhindern, dass eine weitere verdächtige Person zu Fuß flüchten konnte. „Wir haben bis zum frühen Morgen nach ihm gefahndet, haben ihn aber nicht bekommen“, bedauerte ein Beamter diesen Misserfolg. 

Keine Vorladung des Opfers

Dem 95-jährigen Opfer des Überfalls wird die Reise zum Landgericht voraussichtlich erspart bleiben. „Sie ist über 90 und nicht in bester Verfassung“, begründete der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz den möglichen Verzicht auf ihre Ladung. 

Alle Verteidiger signalisierten ihre Bereitschaft, auf die Vernehmung der alten Dame zu verzichten. Sie hatte allerdings in den polizeilichen Vernehmungen noch einige Angaben gemacht.

Der Fall

Die vier Angeklagten müssen sich im Landgericht Hagen wegen gemeinschaftlichen Menschenraubes und räuberischer Erpressung verantworten. Sie sollen in verschiedenen Rollen am Überfall auf eine 95-jährige Bewohnerin und deren 57-jährige Betreuerin in einer Villa in Neuenrade am 18. Juni 2016 beteiligt gewesen sein.

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