Raubprozess am Landgericht fortgesetzt

Überfallene Pflegerin berichtet

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Die Ereignisse der Tatnacht schilderte die überfallene Pflegerin am vergangenen Prozesstag.

Neuenrade - Zwei Frauen befanden sich in der großen Villa, als am Abend des 18. Juni 2016 ein Einbrecher durch ein Fenster stieg. „Ich hörte einen Laut“, erinnerte sich gestern im Landgericht Hagen die ehemalige polnische Pflegerin der 95-jährigen Hausherrin an einen schlimmen Abend.

Sie vermutete einen technischen Defekt und begab sich zunächst in den Keller. Im Obergeschoss begegnete sie dem Eindringling ganz unvermittelt: „Es war, als hätte mich jemand in die Seite gestochen.“ 

Mit vorgehaltenem Messer habe der Einbrecher ihr befohlen, die Haustür aufzumachen. Das sei an ihren zitternden Händen gescheitert, worauf der Mann ihr den Schlüssel aus der Hand gerissen habe. 

Mehrere Personen seien dann durch die geöffnete Tür gekommen und hätten sich wie nach vorheriger Absprache in verschiedene Räume des Hauses begeben. 

Lesen Sie hier unsere vorangegangene Prozess-Berichterstattung

Einer der Täter sei währenddessen bei ihnen im Wohnzimmer geblieben – „mit dem Messer“. Die Suche der Räuber erbrachte offenbar wenig Greifbares, bis einer von ihnen einen Safe im Keller entdeckte. Nun wollten sie die Nummernkombination zum Öffnen wissen. „Ich arbeite hier nur, ich brauche kein Geld“, erklärte ihnen die Pflegerin. 

"Sie hat sich verteidigt"

Die Täter brachten daraufhin die 95-jährige Bewohnerin des Hauses mitsamt ihrer Gehhilfe in den Keller. „Sie wusste gar nicht, dass dort ein Safe ist“, erinnerte sich die Zeugin. Auch die Drohung mit dem Messer konnte die alte Dame nicht zur Preisgabe der gewünschten Zahl bewegen. „Sie hat sich verteidigt.“ 

Die 95-Jährige habe bei all dem gar nicht so recht verstanden, was los war. Erst als die Täter ihr die Ringe von den Fingern zogen und ihr die goldene Armbanduhr wegnahmen, habe sie realisiert, dass irgendetwas fundamental nicht stimmte. 

Um Hilfe geschrien

Den Tätern dauerte all das offenkundig zu lang. „Sie wurden nervös“ und schlossen die beiden Zeuginnen im Büro des Hauses ein, bevor sie flüchteten. Dort wagten sich die Frauen zunächst nicht zu rühren – erst etwa 15 bis 30 Minuten später hätten sie aus dem Fenster um Hilfe geschrien, erinnerte sich die Zeugin. 

Inwieweit waren die beschriebenen Täter deckungsgleich mit den vier Angeklagten? An jenem Abend habe sie nicht das Gefühl gehabt, dass eine Frau dabei war, erklärte die Pflegerin. Sie erinnerte sich an drei Maskierte und eine Person mit einer Baseballkappe, die tief ins Gesicht gezogen war. 

Das Gericht sammelte deshalb in immer neuen Anläufen Körpergrößen, Kleidungsdetails, Zeitangaben und weitere Beobachtungen – soweit eine Zeugin in einer derartigen Ausnahmesituation noch in der Lage ist, Beobachtungen zu machen. 

Alpträume und Angstzustände

Alpträume und Angstzustände nahm die 57-Jährige mit an ihre neue Wirkungsstätte in der Nähe von Stuttgart. „Meine Gesundheit hat sich sehr verschlechtert.“ Der Prozess wird am 22. Februar ab neun Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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